Corona und die Demokratie

Foto: Symbolbild / Archiv

Viel lieber hätte ich an dieser Stelle eine Jubelarie angestimmt, wären da nicht ein paar Details, die fragwürdig sind.

Während derzeit aus altbekannten Gründen die meisten Rennausschreibungen mit einem trockenen „abgesagt“ zu den Akten gelegt werden müssen war dieser Tage mit Freude festzustellen, dass das Rennen in Karbach an Christi Himmelfahrt wohl stattfinden wird.

Die damit verbundenen Auflagen sind es aber, die Fragen aufwerfen! Weitreichende Fragen, die an unserem traditionellen Demokratieverständnis rütteln.

Darf jemand von anderen Dinge verlangen, die bei näherer Betrachtung aus organisatorischen Gründen objektiv unmöglich sind? Oder muss man sich da schon andere Fragen stellen, ob damit nicht etwas ganz anderes verbunden ist?

In Bayern ticken die Uhren anders, heisst es, und auf der Webseite des Vereins Concordia Karbach kann man es nachlesen – das Hygienekonzept zur 33. Main-Spessart-Rundfahrt am 13. Mai 2021 mit dem vielsagenden Untertitel „über 30 JAHRE MAIN-SPESSART-RUNDFAHRT“. Das Jubiläum wäre für mich ein Grund mehr zur Freude. So aber liefert es einen ziemlich faden Beigeschmack, auch wenn man fragen muss in wieweit der Verein etwas dazu kann. Schauen wir uns die Dinge einmal an.

Ich weiss, es ist für manche nicht statthaft, so etwas zu fragen. Ich frage trotzdem, eben weil diese Dinge grundlegender Natur sind!

Auch möchte ich nicht grundsätzlich infrage stellen, was da steht. Allerdings sollte sich wer so ein Konzept aufstellt doch fragen ob er da nicht von sich auf andere schließt. Da wird entweder ein bis zu 72(!) Stunden alter PCR-Test verlangt, oder ein tagesaktueller Schnelltest. Ist das überhaupt machbar? Die Sinnfrage dazu möchte ich garnicht stellen. Zumindest hier bei uns lautet die Antwort „nein“!

Sicher, es gibt auch bei uns Teststellen. Allerdings hat die Offizielle vom Roten Kreuz Mittwochs garnicht und Dienstags nur abends geöffnet, und dort werden auch nur Schnelltests gemacht. Das Rennen ist Donnerstags. Hierfür also wertlos. PCR-Tests werden ausdrücklich nur auf Veranlassung eines Arztes durchgeführt, also nur zur Verifikation eines positiven Schnelltests. Es gab bislang auch noch eine Testmöglichkeit in der örtlichen Apotheke. Auf deren Webseite ist so ein Angebot jetzt aber nicht mehr zu finden, es wurde wohl beendet.

Nun setzt das mal zu den Forderungen wie vor in Beziehung. Alles klar? Ich könnte am Donnerstag Abend einen Test machen lassen, also nach Rückkehr vom Rennen, aber keinen tagesaktuellen Test vor der Anreise zum Rennen! Was die Behörden uns da anbieten mag zum Shoppen ausreichend sein, hier bedeutet es aber eine Unerwünschtheitserklärung der besonderen Art.

Unter den gegebenen Umständen wäre ein Schnelltest jüngstmöglichen Datums machbar, also von Dienstag Abend. Alleine das aber führt den Zweck des Tests ad absurdum, weil am Donnerstag viel zu alt um eine Gesundheitsaussage zu erlauben. Solange aber die aufwändigeren PCR-Tests limitiert und damit für allgemeine Zwecke nicht verfügbar sind kommt das Verlangen danach einer Ausladung gleich. Niemand wird aus Langeweile hunderte Kilometer zu einem Rennen anreisen um dann am Morgen davor händeringend nach einer Testmöglichkeit zu suchen, zumal die Kapazitäten der Teststationen auch nicht unbegrenzt sind! So ein Verlangen ist also entweder von den Konsequenzen her beabsichtigt oder zumindest handwerklich ungeschickt.

Hinzu kommt ferner, dass man die Startnummernausgabe auf den Vorabend gelegt hat, und damit eine Übernachtung der Teilnehmer erzwingt, wohlwissend, dass Hotels und Pensionen coronabedingt geschlossen sind! Zugleich wird in diesem Konzept die Übernachtung in Wohnmobilen untersagt. Wie sollen die Leute das denn machen? Sollen sie vielleicht unter der Brücke schlafen? Da sind ja bald mehr Nebenbedingungen untergebracht als jedes Gericht akzeptieren würde, aber es ist ja sowas wie ein Knebelvertrag. Du hast ihn zu akzeptieren oder darfst nicht teilnehmen. Das ist in dieser Form in meinen Augen sittenwidrig!

Ich stelle nicht die Öffnungszeiten der Teststelle infrage. Da werktags die Mehrheit arbeitet und sowieso erst nachmittags „kann“ sind Öffnungszeiten von 17 bis 20 Uhr durchaus praxisgerecht. Allerdings wird keine Teststelle wegen eines Radrennens an einem Feiertag in der Nacht öffnen, damit der Veranstalter einen tagesaktuellen Test bekommen kann! Die Rennen starten früh morgens, und diese Klausel macht in Verbindung mit der Reisezeit aus dem Konzept eine Ausschlusserklärung! Das führt zu dem Schluss, dass man unter sich bleiben will, die Sportler sind durch die Zeiten der Nummernausgabe ja eh schon da.

Ist jetzt „Karawane der Wohnsitzlosen“ zwischen Karbach und Marktheidenfeld, dass die je Rennfeld 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer nahe gelegenen Teststelle pilgern um sich in Reih und Glied morgens testen zu lassen, oder gelten in Bayern andere Regeln? Das Thema „Berichterstatter“ wird in dem Konzept ja garnicht angesprochen, dort ist lediglich von Teilnehmern und Betreuern die Rede. Was heisst das nun? Gute Frage, nächste Frage.

Nebenbei, meine diesbezügliche Anfrage nach den Modalitäten für Berichterstatter blieb bis Mittwoch früh unbeantwortet. Selbstredend dass es jetzt nicht mehr wirklich möglich ist, dem gerecht zu werden. Man redet wohl nicht mit jedem.

Wenn ich zu einem Rennen fahre, um danach darüber in Wort und Bild zu berichten, bin ich nach meinem Dafürhalten unter „Presse“ einzuordnen. Mir ist klar, dass ich offiziell eigentlich garnicht da bin, so wie man sich bei derlei Gelegenheiten bisher verhalten hat. Ob das Bayerische Fernsehen oder die Lokalzeitung kommt hat da egal zu sein, vor dem Gesetz sind alle gleich. Offiziell zumindest, oder habe ich da was falsch verstanden?

In dem Hygienekonzept findet sich nun etwas weiter unten ein vielsagender Satz. Da steht wörtlich „Zuschauer entlang der Strecke können vom Veranstalter nicht beeinflusst werden.

Hallo? Wer seine Mitbürger, die da mitten in der Stadt jederzeit das Recht haben da zu sein, als Subjekte hinstellt, auf die man keinen Einfluss habe, tituliert sie indirekt als Sache! Eure MitbürgerInnen sind nicht eure Hörigen, bitte begreift das.

Entweder ich darf mir dort erwünscht vorkommen, oder ich bleibe besser weg! Dort lediglich geduldet zu sein weil mein Aufenthalt nicht verhindert werden konnte ist eine Aussicht, die ich mir nach allem was ich schon erlebt habe nicht nochmal antun will! Auf eine ausdrückliche Anfrage habe ich daher bewusst verzichtet, da das Ergebnis absehbar ist.

Vorab, in ein paar Wochen werde ich „durchgeimpft“ sein, womit die Testpflicht wegfällt. Ab da werde ich wie in alten Tagen bei Rennen einfach erscheinen wenn mir danach ist, ohne zuvor irgendjemanden dazu um Erlaubnis zu fragen! Wir können wie gesagt über (fast) alles reden. Einen Kotau hat aber niemand zu verlangen.

Nachtrag:
Inzwischen habe ich nach Testmöglichkeiten gegoogelt, und bin jetzt richtig sauer! Warum?

Ich zitiere aus der „Selbstverpflichtung“, die jeder wird unterschreiben müssen, der an der Veranstaltung teilnehmen will.

Da heisst es (Auszug): „Mit der Anmeldung zur Veranstaltung bestätige ich, dass ich […] einen in den letzten 72 Stunden gemachten negativen PCR Test oder am Renntag gemachten COVID-19 Schnell-bzw. Selbsttest mit negativem Ergebnis vorweisen kann, …“

Sucht man weiter findet man beim Landkreis Main-Spessart, dass das Testzentrum am Klinikum in Marktheidenfeld am Feiertag – dem Renntag – geschlossen ist! Das Testzentrum in Gemünden öffnet erst weit nachdem der Startschuss gefallen ist, kommt also für den hiesigen Zweck nicht in Betracht, und ein Schnelltestzentrum im Pfarrheim von Marktheidenfeld öffnet gar erst um 16 Uhr, also nachdem der Markt verlaufen ist. So ähnlich also wie bei uns, wo die Testerei dreimal die Woche um 17 Uhr beginnt. Eine andere räumlich nahe liegende Möglichkeit scheint es keine zu geben.

Wie kommt man also dazu, so eine von vornherein unmögliche Forderung zu stellen? Sorry, hier muss ich von Vorsatz reden. Die Öffnungszeiten, die ich im Netz gefunden habe, können dem Veranstalter ebenso bekannt sein.

Dafür fehlt mir jegliches Verständnis! Die als Alternative genannten Selbsttests kann man nicht als Nachweis sehen, werden sie doch von den Behörden selbst als fehleranfällig und nicht hinreichend dokumentiert bezeichnet. Wie will man etwas nachweisen wenn jeder „gerichtsfeste“ Nachweis fehlt? Man kann inzwischen wissen dass selbst das Plastikteil, das das Testergebnis anzeigt, nicht zur Dokumentation taugt, da sich die Anzeige im Lauf der Zeit verflüchtigt. Mitbringen und unter die Nase reiben ist also wenig zielführend. Spontan fiele mir dazu nur ein, davon ein Handyfoto zu machen. Das hätte einen Zeitstempel. Davon abgesehen, wie will man sonst nachweisen dass man den Selbsttest an jenem Morgen zuhause oder in einem anderen stillen Kämmerlein gemacht hat? Großen Wert scheint das alles nicht zu haben, also vergiß es! Als Eintritt in den Laden wird ein Selbsttest ja auch nicht anerkannt. Er ist also das Feigenblatt angesichts der Erkenntnis, dass die anderen Möglichkeiten objektiv nicht zur Verfügung stehen.

Es wäre trotzdem bestimmt ganz interessant, da Mäuschen zu spielen und die Szenen zu beobachten, die sich am Himmelfahrtstag da abspielen dürften! Wie gesagt und geschrieben habe man ja auf eventuelle Zuschauer keinen Einfluß!

Ob ich morgen früh noch schnell in die Apotheke gehen soll, Tests besorgen? Dann hätte die klammheimliche Absicht, daraus Umsatz zu generieren, ja doch noch Erfolg!

Nachtrag zum Nachtrag:

Ich war in der Apotheke … Tests sind da inzwischen ein seltenes Gut und werden wie Bückware unter dem Ladentisch verkauft! Und die Vermutung, dass es dabei um Geschäftemacherei geht hat sich in meinen Augen mehr als bestätigt, kostet doch eine Fünferpackung knapp 40 Euro! Das sind also rund 8 Euro das Stück, und wenn man bedenkt dass die einzeln erhältliche Version durch mehr Verpackung gewiss nicht billiger ist kommt da multipliziert mit der Gesamtstückzahl ein nettes Sümmchen bei raus! Und wofür? Streng genommen um seine Angst zu bewältigen, oder um besonderen Wünschen gewisser Leute zu huldigen. Einen echten Nachweiszweck hat so ein Test nämlich wie gesagt nicht.

Nein, ausprobiert habe ich den Test noch nicht. Eins nach dem anderen.