Wir bauen uns einen Rechenknecht

Viele haben Angst davor, sich selbst einen PC zu konfigurieren. Dabei ist es mehr Geduldsspiel als Wissenschaft, und schon gar keine Hexerei.

Es hat drei Tage gedauert von der Bestellung der Einzelteile bis zur Lieferung mit DHL Express. Das ist vertretbar. Was habe ich gewählt? Das Allerneueste ist es nicht. Es ist ein Kompromiss zwischen dem, was man bekommen und bezahlen kann und den Anforderungen an das System. Der Vorteil eines „klassischen“ PC ist ja, ihn später noch bei Bedarf umbauen und an neue Anforderungen anpassen zu können. Das kann man mit einem „All-in-one“-Gerät leider nicht.

Warum keinen Mac? Apple bietet derzeit keine amateurgerechten, ausbaufähigen Geräte an. Aus vorgenannten Gründen kam ein iMac nicht infrage, und einen aktuellen Mac Pro kann ich nicht bezahlen. Der kostet etwa fünfmal soviel wie die Teile, die ich jetzt verbauen will. Der vorhandene Mac Pro (das Eimerchen) bleibt im Dienst und wird nicht ausgemustert. Entgegen der Reden der Händler ist der nämlich auch nach sieben Jahren immer noch leistungsfähig genug. Nur hat es die Industrie geschafft, Formate zu schaffen, für die man Windows nicht mehr umgehen kann und die unter MacOS nicht funktionieren. Dazu zählt auch PDF in seiner aktuellen Version!

Wer der Werbung erliegt, die täglich erzählt was es alle drei Wochen Neues am Markt gibt, wird merken dass man diese Teile lange – oft Monate – gar nicht zu kaufen bekommt. Es sind Luftschlösser. Damit kann man nichts anfangen! Man kann aber durchaus auch mit Teilen aus dem Vorjahr zu ansprechenden und ausreichenden Ergebnissen kommen.

Fangen wir also an den Bausatz zusammen zu stecken. Mehr ist es großteils nämlich nicht!

Voraussetzung ist immer ein sauberer Arbeitsplatz. Ebenso sollte man sich erden, denn elektronische Bauteile sind empfindlich und nehmen statische Überspannung übel.

Wir packen also den Karton mit dem Mainboard aus und stellen die Platine auf den Karton. Die antistatische Folie legen wir dazwischen. So bleibt die Platine hinten sauber und wir müssen uns später nicht über unerklärliche Kurzschlüsse wundern. Auch wenn der Tisch abgewischt wurde, etwas Butter vom Vortag kann genügen.

An Werkzeug braucht man, was der Fachhandel als kleine Taschen mit allem Nötigen anbietet (PC-Werkzeugsatz). Hier vor allem eine kleine Zange zum Festhalten von Schräubchen und ein Kreuzschlitzschraubendreher bzw. entsprechende Bits mit Halter. Finger weg von Teilen aus der Autowerkstatt! Was auch nur ansatzweise schmutzig ist hat bei dieser Arbeit nichts zu suchen. Das gilt auch für Lebensmittel und Getränke.

← Erstes Bauteil ist gleich das Herz der Anlage. Der Prozessor hat an einer Ecke eine kleine Markierung, deren Gegenstück sich auf dem Sockel wiederfindet. Die Halteklammer öffnet man und setzt den Chip vorsichtig (!) ein. Sitzt er richtig kann die Klammer gegen geringen Widerstand geschlossen werden.

 

Es geht weiter mit dem Arbeitsspeicher. →

Die Riegel passen nur in einer bestimmten Weise in die Halterung. Keine Gewalt anwenden!

← Dritter Arbeitsschritt ist das Gedächtnis. Die NVME-SSDs haben einen Sockel, der sich unter den Chipsatz-Abdeckungen findet. In meinem Fall sind die mit sechs winzigen Schrauben befestigt, die entfernt werden müssen. Die Bleche über den SSD-Sockeln sind gleichzeitig Kühlkörper. Die Folien auf der Rückseite sind vor dem Wiedereinbau zu entfernen.

Hat man sich wie ich für eine Wasserkühlung entschieden ist das Mainboard an diesem Punkt fertig bestückt. Die anderen Bauteile können erst nach Einsetzen in das Gehäuse montiert werden. Um die Halterung des Kühlkörpers kümmern wir uns ebenso später.

Kommen wir also zur Heimat der Teilesammlung. Jeder wünscht sich ein Dach über dem Kopf.  Was man da nimmt ist Geschmacksache. Es muss halt rein passen was man verbauen möchte. Platinen haben einen „Formfaktor“, üblicherweise derzeit ATX. Der ist ein Maß für die Größe des Mainboards. Es gibt auch andere Baugrößen, deshalb achtet darauf dass das zusammenpasst.

In Mode sind derzeit Modelle, die zusammen mit den übrigen Bauteilen leuchten wie ein Kirmeskarussell. Man nennt es RGB. Die Abkürzung kann aus der Fotografie bekannt sein und bedeutet hier dasselbe: Rot, Grün, Blau – die Grundfarben jedes Farbensystems also. Eine „graue Maus“ erledigt die ihr gestellten Aufgaben genauso, sieht halt nur nicht so schön aus.

Um das Gehäuse vorzubereiten entfernt man erst mal alles, was abschraubbar ist. Hier also vor allem die Seitenwände. Dann baut man die vorbereitete Platine nach Anweisung der Hersteller ein. Dazu müssen bedarfsweise gemäß Handbuch ein paar Abstandshalter und Befestigungsbolzen aus dem Beipack montiert werden. Wie das geht steht im Handbuch und ist je nach Modell verschieden. Als nächstes folgt das Netzteil. Klassische Festplatten bauen wir keine ein, ebensowenig wie DVD-Brenner oder Kartenleser. Die kann man bei Bedarf über USB anschließen. Betriebssystem und Software findet auf den SSDs Platz, die bereits auf dem Mainboard eingebaut wurden, und die Arbeitsdaten liegen später auf der NAS im Netzwerk.

Ist das Mainboard eingebaut kommt man in die Küche. Es wartet lecker Kabelsalat! Es sind die Stromversorgung vom Netzteil her ebenso zu verbinden wie dutzende mehr oder weniger dicke Kabel von allerlei Tastern, Schaltern, Lüftern, Lämpchen, etc. pp. Was da wie mit wem … lest das Handbuch! Das kostet Zeit, und wenn man es ordentlich machen und die Kabel so verlegen will dass man sie später möglichst nicht sieht dauert es noch länger.

Es lohnt sich aber, denn vorher sollte man nicht weiter bauen. Als nächstes kommt die Wasserkühlung rein, wozu aber erst die Platine verkabelt sein muss, sonst kommt man da nicht mehr dran. Ich melde mich morgen wieder mit Teil 2.