Sauerland-Rundfahrt Wenholthausen

Gänsehaut-Momente gab es gestern bei der Sauerlandrundfahrt wie auch beim Sauerländer Bergpreis genügend. Was der RC Victoria Neheim e.V. da binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt hat eignet sich bestens als Vorbild für manch andere Veranstaltung!

(Aus gegebenem Anlass: der Fotograf des Titelbilds stand dabei NICHT auf der Rennstrecke! Eine „lange Tüte“, hier das 200-600mm-Objektiv, erlaubt es durchaus, vom Ende der Absperrung aus den Start formatfüllend zu erfassen. Leider wird dieser Vorwurf gerne von fotografischen Laien erhoben. Dabei ist der optische Effekt durchaus gewollt.)

Viel besser machen konnte man nicht. Auch wenn die Zeiten seltsam und manche Rahmenbedingung nachdenkenswert ist. Zuschauer? Keine zugelassen, was weniger dem Wunsch des Veranstalters als vielmehr der Auflage der Behörden entsprach.

Andererseits war der Ort der Veranstaltung auch kaum geeignet, zahlreiche Menschen aufzunehmen. Parkplätze gab es in dem Dorf kaum genug für die unmittelbar Beteiligten, und hinter dem obligatorischen Zaun wartete der Straßengraben. Der war ob des regenarmen Wetters der letzten Zeit zum Glück trocken. Illusorisch dass da Leute zum Zuschauen wie früher mal in Dreierreihe stehen, auch wenn das Ereignis sportlich das allemal wert gewesen wäre.

Es war so oder so etwas aus der Not der Umstände Geborenes. Üblicherweise führt die Veranstaltung als echtes Straßenrennen von Neheim auf den Kahlen Asten bei Winterberg, weshalb sie sich voll ausgeschrieben auch Sauerlandrundfahrt p/b Krombacher o,O% nennt. Was wir da gestern erlebt haben war zwar auch eine Rundfahrt, aber auf einem 12 Km-Rundkurs, was wohl kaum dem ganzen Sauerland entsprach. 10 Runden davon ergeben auch 122 Km Rennen, und das mit ziemlich vielen Höhenmetern. Im Rahmen dessen gestern einer der dieses Jahr wenigen Läufe zur Rad-Bundesliga ebenso wie die Berg-DM.

Der Tag begann früh mit einer frostigen Überraschung. Wer rechnet schon Mitte September mit Glatteis? Aber die Anzeige des Autothermometers war unerbittlich: 3°C! So war es denn auch eine Frage der passenden Bekleidung. Egal was du anziehst, was morgens richtig ist wird gegen Mittag so oder so zu viel sein. Das wussten auch die Sportler, und so hieß es: Armlinge an, Armlinge aus. Dasselbe natürlich auch unten.

Start des Sauerländer Bergpreises im Rahmen der „Müller –- Die lila Logistik Rad-Bundesliga“ fiel um 9 Uhr morgens, nun schon mit etwas angenehmeren Temperaturen als noch eine Stunde zuvor. Aller guten Dinge sind drei, sagt man. So fuhren denn hier die Junioren, die Juniorinnen und die Frauen drei Rennen in einem, und sehr zur allgemeinen Verwirrung ging das Spiel von Katz und Maus spätestens ab der Mitte des Rennens. Da waren aus den drei Feldern, die mit zwei Minuten Abstand auf die Strecke gegangen waren, eins geworden.

Eins mit Schwund, sozusagen, denn der Mann vor der Ziellinie hatte in jeder Runde eine gemeine Aufgabe. Er gab den Rausschmeisser! Eine Runde dauerte so in etwa 20 Minuten, und wer auf mehr als 6-9 Minuten vom Hauptfeld abgefallen war und keinen Einfluss mehr auf den Sieg hatte wurde von der Jury gnadenlos aussortiert. Zum Schluss standen da mehr Teilnehmer/innen in der Ausbuchtung, als solche noch im Rennen waren.

Das Ergebnis findet ihr bei Rad-Net. Die Juniorenwertung gewannen demnach Moritz Kretschy vom RV Venusberg und Linda Riedmann vom Team Mangertseder Bayern. Siegerin der Frauen wurde Gudrun Stock aus München.

Das offizielle Ergebnis führt bei den Junioren 60 Positionen auf, wobei ich nicht weiss ob das vollständig ist. Es würde aber zu dem Eindruck mit den vielen Ausgemusterten passen. Bei den Damenklassen benimmt es sich dem Eindruck nach ähnlich.

Gut zwei Stunden hatten sie gebraucht für die 6 bzw. 8 Runden langen Rennen. Nun folgte die „große Pause“ bis 14:30 Uhr, bis die Sauerland-Rundfahrt Fahrt aufnehmen sollte.

Ich kann mich kaum entsinnen, dass 21°C bei etwas Wind so heiss sein können! Ohne ein Fleckchen Schatten, ohne Sitzgelegenheit wird aber die Zeit lang. Und die Beine.

Inzwischen hatten die Ereignisse bleibenden Eindruck hinterlassen, genau gesagt im Straßengraben, der an diesem Tag als Wanderweg diente. Die aus dem Rennen Genommenen durften nämlich nicht über die Ziellinie fahren, weil das die Zeitmessung verfälscht hätte, sondern mussten um das Ziel herum zu Fuss gehen und durften dann hinter dem Ende der Absperrgitter wieder aufsteigen. Was meint ihr ist dabei dann herausgekommen?

Nach dem Ende der Mittagspause musste man nicht lange nach den Teilnehmern der Rundfahrt suchen. Die waren schon eine halbe Stunde vorher da und scharrten mit den Hufen.

Nach dem Start begann der muntere Reigen der Aussortierungen bereits ab Runde 2 – bis kurz vor Schluss die Jury selbst um Mässigung bat. Von den vielen Startern waren da nur noch 50 übrig.

Der Rennverlauf mutete nach einem Last-Man-Out an, nur dass hier eben das Feld rasch in mehrere Gruppen zerfiel, für die galt: die Letzten beissen die Hunde, eben in Gestalt des Offiziellen am Ziel. Vorteil: die Jury musste sich keine Gedanken machen, wer nun in welcher Runde fuhr. Bei so manchem Kriterium, wo ja Rundengewinn vor Punktgewinn geht, ist da Chaos.

In der zweiten Rennhälfte versuchten einige Einzelfahrer ihr Glück in der Flucht, wurden aber jeweils wieder gestellt. Im Zielsprint dreier Fahrer hatte Christian Koch vom Team Lotto-Kern Haus das Glück auf seiner Seite, es folgten Jakob Geßner und Dominik Bauer auf den Rängen.

Das Ergebnis der Männer lest ihr hier.

Der Name ist geblieben, dennoch hatte dieses Rennen nichts mit dem Original zu tun. Die Fahrer werden die Strecke mit den vier 90°-Kurven verflucht haben, so selektiv und schwer war der Kurs – aber eine Sauerland-Rundfahrt schaut doch anders aus als ein Ausscheidungsfahren von zehn Runden zu jeweils 12 Km. Was aber tut man, wenn man keine Wahl hat? Die Vorgaben haben nichts anderes zugelassen, also nimmt man was man hat. Besser dieses Rennen als kein Rennen!

Meine Bilder habe ich auf meine NAS geladen. Ihr findet die Fotos über die Menüleiste: Medien -> Spielwiese -> „lest den Text und folgt dem Link“ -> 2020 …

Leider stehen meine Bilder aus gegebenem Anlass nicht mehr zur Verfügung.