Traueranzeige

Foto: Symbolbild

Weilburg – Aus, vorbei, Feierabend!

Wie gerade bekannt geworden ist ist nun auch die Weilburger Dreietappenfahrt für den Radsportnachwuchs Geschichte! Mit der angekündigten Schließung der dortigen Jugendherberge, die jahrelang als Unterkunft und Mittelpunkt der Veranstaltung diente, wurden Fakten geschaffen.

Hatten sich die Veranstalter nach erheblichen Schwierigkeiten in den letzten Jahren noch kämpferisch gezeigt und alles versucht, kam nun das Aus aus einer unerwarteten Ecke.

Wer zu sich selbst ehrlich ist hat das aber auch so kommen sehen können, wenn man die Fehler sieht, die nicht nur dort in den letzten Jahren gemacht worden sind! Das beginnt beim Verband selbst, der viel über die Profiliga redet, aber dabei nicht unbedingt an den Nachwuchs denkt, geht über Stadt und Land, für die wohl nur Profisport zählen, und endet noch lange nicht beim Veranstalter selbst, der nach meinem Eindruck einige vor allem kommunikative Fehler gemacht hat.

Es macht wenig Sinn, sich in Trauerarbeit zu verlieren, aber es muss erlaubt sein die Dinge zu benennen, auch wenn es weh tut.

Einige politische Rahmenbedingungen der vergangenen Jahre haben Verhältnisse geschaffen, und das bewusst, die schon von da her ein weiter so undenkbar gemacht haben! So lebt so ein Rennen vor allem von Sponsoren, und die wiederum engagieren sich vor allem dort, wo sie als Gegenleistung Öffentlichkeit bekommen. Die Losung heisst ja: Geld oder Sachspenden gegen Werbung. Die Berichterstattung, auch und gerade in Bildern, ist also ein ganz wesentlicher Faktor.

Was hat die Politik da nun, meiner Meinung nach, falsch gemacht? Die jüngsten Änderungen vor allem in der DSGVO, der Datenschutzgrundverordnung, haben zu dem Verlangen geführt, dass mögliche Fotografen von allen Beteiligten eine Erlaubnis einholen sollen. Das ist in der Praxis besonders dann schwierig, wenn die Eltern gar nicht vor Ort sind. Wie ich bereits mehrfach geschrieben habe führt das dazu, dass man nur noch unter großen Bedenken von Rennen berichten kann,  vor allem wenn Minderjährige beteiligt sind, und es fallen somit alle so betroffenen Rennklassen weg, weil das Risiko für Berichterstatter unkalkulierbar geworden ist! Damit ist dem Sponsoring quasi die Grundlage entzogen worden. Die auch aus Elternkreisen geäußerten Wünsche, um es mal vorsichtig auszudrücken, haben zu Desinteresse bei Presse und TV geführt! Und diese Wirkung konnte vorab bekannt sein! Man muss den Erlassverfassern daher vorhalten, es bewusst und vermutlich auch gewollt mit herbeigeführt zu haben.

Das ist schade, aber nun mal Fakt. Als Gegenmassnahme hätte man in der Ausschreibung aufnehmen können, dass alle mit der Anmeldung einen entsprechenden Passus akzeptieren, was viele später auch gemacht haben – nur da war es schon zu spät, zumal so ein Passus auch nur den Veranstalter selbst schützt! Das Risiko für andere bliebe bestehen.

Kommen dann noch Andeutungen hinzu, die Zweifel an der eigenen Erwünschtheit dort aufkommen lassen, ist die nächste Entscheidung rasch klar, nämlich dort nicht mehr hinzufahren. Oder wie würdet ihr reagieren wenn man euch auffordert, woanders zu parken, weil man den Parkplatz gerne für wichtigere Leute frei bekäme? Deutlicher geht das wohl kaum noch, und es ist mir auch bei anderen Rennen schon passiert! Alle jene sind inzwischen übrigens ebenso passé, wobei das nicht an mir lag – die Parkplätze waren jeweils für Besucher ausgewiesen – , sondern an der Außenkommunikation an sich. Diese ist ein Grundproblem des deutschen Amateursports! Wer nach außen kommuniziert, lieber unter sich bleiben zu wollen, selbst wenn er das in Worten nicht so sagt, darf sich nicht wundern, wenn damit auch „andere Gedanken“ einhergehen, wie z.B. dass man etwas zu verstecken habe. Gerade der Radsport hat in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass es nicht völlig abwegig wäre, hier Unrat zu riechen, so wie sich manche Funktionäre , Sportler und Betreuer da benehmen. Versucht da mal Fragen zu stellen. Ihr könnt erleben wie sich Fort Knox auftut! Absetzbewegungen und „mauern“ sind da noch harmlose Reaktionen auf ehrliches Interesse. Das gilt übrigens ebenso für Triathlon oder Leichtathletik und ist keine Frage, ob die Sportler Kinder oder Erwachsene sind.

Sportlich war die Veranstaltung mehr als konkurrenzfähig! Von da her wäre ein Weitermachen kein Problem gewesen.

Nun haben die Behörden aber die Vollsperrung aller befahrenen Straßen verlangt – ein Unding für einen kleinen Veranstalter! Man muss sich hier Fragen stellen. Teure Fragen. Ich zum Beispiel frage mich, wozu diese Aktion wirklich diente. Sicherheit war es wohl nicht. Man kommt in der Summe der Eindrücke wohl eher zu dem Schluss, dass hier ein Ende auf Raten für eine Sorte Veranstaltung herbeigeführt werden soll, die für die Ämter lästig ist. Da hilft es auch wenig, wenn die Bürgermeister vor Ort die Rennen unterstützen, wenn es den Landesbehörden egal ist!

Es sind ja schon einige Rennen daran eingegangen, dass Ampelabschaltungen de facto unerschwinglich gemacht wurden. Denke ich da nur an Rund im Odenwald, dem letzten Straßenrennen in Südhessen! Einmal Schlüssel umdrehen für 5000 Euro! Und das nur, weil wie man hört das von einer Privatfirma gemacht werden soll. Verantwortlich für diesen Wahnsinn ist die Landesregierung, früher hat das der Polizist auf dem Motorrad gemacht, der ohnehin zur Absicherung vorne weg fährt.

Man muss die Politiker und Verbandsfunktionäre fragen, die sich immer wieder gerne im Glanz von Medaillengewinnern sonnen, wie diese Olympiasieger und Weltmeister denn zustande kommen. Schaut man in die Ergebnisse, so findet man auch in Weilburg Namen, die heute, Jahre später, bei der Tour de France fahren.

Es ist wie in der Gärtnerei! Wer nicht sät wird auch nicht ernten. Wenn man die Strukturen an der Basis vernachlässigt geht oben irgendwann die Luft aus. Das sieht man nur zu deutlich am mangelnden Zulauf in den Vereinen, wohingegen das Interesse an gewerblich organisierten Marathons ungebrochen ist. Die aber sind nur was für Erwachsene, für jene also, die anderweitig ihre Grundausbildung erhalten haben. Ist es damit wie beim Schwimmen? Es müssen erst welche ertrinken bis man merkt dass das Schließen der Schwimmbäder aus Kostengründen falsch war?

Welches Interesse hat die Politik, die Behörden etc. daran, die Durchführung von Sportveranstaltungen in der Öffentlichkeit mit immer größer werdenden Hürden quasi unmöglich zu machen? Das ist hier die eigentliche Frage. In Hessen ist Sport als Staatsziel in der Verfassung verankert, und Sport meint hier nicht nur die Frankfurter Eintracht!