3-Länder-Meisterschaft Einhausen

Der König ist tot, es lebe der König?

Wie man heute wieder gesehen hat gibt es Dinge, die sind in Stein gemeißelt. Auch unter den aberwitzigsten Umständen gibt es Menschen, die es schaffen, quasi aus dem Nichts eine Meisterschaft auf die Beine zu stellen, und das in kürzester Zeit! Ohne diese Fachleute könnten die heute beteiligten Verbände bei der Austragung ihrer Meisterschaften einpacken! Klingt hart, ist aber nichts als die reine Wahrheit. Einer dieser „altrömischen Wagenlenker“ ist in der Szene bekannt wie ein bunter Hund – Olek. Mit bürgerlichem Namen heisst er Algis Oleknavicius, war ehedem mehrfacher Meister, ist eigentlich längst im wohlverdienten Ruhestand und weiss wie kaum ein anderer wie man erfolgreich Radrennen organisiert. So war er es erneut, der heute die Kastanien aus dem Feuer geholt hat, wo sich andere schon lange nicht mehr ran trauten.

Der Kurs von „Rund um den Jägersburger Wald“ kann allen Interessierten hinreichend bekannt sein. Das Teilstück, das man abtrennen kann ohne ein Verkehrschaos zu verursachen, war denn heute Rennstrecke für das Einzelzeitfahren der drei Verbände Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen, und das unter wahrhaft tropischen Bedingungen. Geschickt gewählt lagen Start und Ziel zwar „im Nirwana“, aber weitestgehend im Schatten, sodass die Bedingungen dort erträglich blieben, selbst als gegen Nachmittag die Temperaturen die 30°-Marke überschritten.

Wer aufmerksam zuhörte erfuhr nebenbei auch Details, die sonst weitgehend im Verborgenen blieben. So nahm der BDR, der deutsche Dachverband, für seine Nationalkader der Junioren*innen die Gelegenheit wahr – auch wenn die Fahrer*innen nicht zu den austragenden Landesverbänden gehörten – und fuhr, quasi auf dem Trittbrett, seine Sichtung für die Europameisterschaft aus, nachdem man zuvor aus aller Herren Länder angereist und unmittelbar danach dorthin zurückgereist ist. Radsport ist auch da ein Leben aus dem Koffer.

Nun wäre es herrlich gewesen, wenn das alles ohne Kompromisse über die Bühne gegangen wäre.

Aufgrund der anhaltenden Bedingungen waren Zuschauer offiziell ebenso wenig vorhanden wie kurze Wege. Waren Anmeldung und Siegerehrung auf dem Parkplatz vom Wasserwerk, so durfte man zu Start und Ziel doch einige Meter laufen oder fahren. Es war als Fotograf also illusorisch zu glauben man könne da alle Fliegen mit einer Klappe schlagen, wie das in Stadtallendorf weitgehend möglich war. So fehlen denn in meiner Bildersammlung auch bis auf die letzte alle Siegerehrungen. Sorry, aber auch ich kann nicht überall sein und habe getan was ich tun konnte. Wem das nicht genügt sollte einsehen dass man für diese Art Rennen zur vollumfänglichen Dokumentation etliche Fotografen braucht, und nicht nur einen. Du brauchst einen beim Start, einen gegenüber im Ziel, auch wenn dazwischen nur ein Zaun stand, einen bei der Wende und unterwegs schaden welche auch nicht.

Das Fernsehen wurde auch gesichtet. Was da am Abend über den Bildschirm flimmerte erwies sich zwar als schöner Kurzbericht, dessen Thema allerdings nicht die Meisterschaften waren. Die waren nur der willkommene Aufhänger. Es war vielmehr ein Porträt eines der Teilnehmer. Auch da sind naturgemäß die Auffassungen verschieden, was wichtig ist und was nicht unbedingt. Im altbackenen Deutschunterricht hätte der Lehrer vermutlich ein „Thema verfehlt“ unter den Aufsatz geschrieben, denn über die Meisterschaften an sich hat man darin kaum ein Wort verloren, ausser dass sie stattfanden.

Zum Thema gehört leider auch ein anderes Detail, das später bei der abschließenden Siegerehrung aufhorchen ließ, als die Gesamtsieger aus den Reihen des BDR auf dem Podest in Tränen ausbrachen. Was war geschehen? Wie erst da bekannt wurde war ein Mitglied der Mannschaft in der Vorwoche bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, und die Sportler standen immer noch erheblich unter dem Eindruck des Vorfalls.

Die Ergebnisse der Rennen mit Teilnehmern der Altersklassen U11 bis U19 sowie einer Teilnehmerin der U23w finden sich beim Hessischen Radfahrerverband unter den Ergebnissen.

Fotos zum Rennen gibt’s in der Bildersammlung.