Warenwirtschaft

Es ist nicht alles Gold was glänzt! Das erwartet auch niemand.

Warum also dieser Artikel?

  • Weil in örtlichen Ladengeschäften oft ein hübsch dekoriertes Schaufenster über die Mängel im System hinwegtäuscht.
  • Weil seitens des Fachhandels immer wieder über ausbleibenden Zuspruch der Kundschaft gejammert wird – sei das im Fotohandel ebenso wie im Radshop, um nur mal zwei Beispiele anzusprechen! Es gibt deren viel mehr.

Die Gründe dafür sind naheliegend, auch wenn viele sie nicht sehen wollen.

Es ist leider so, dass kein Ladengeschäft alles am Lager haben kann, was der Markt so hergibt. Aber es sollte möglich sein, jeden gelisteten Artikel binnen einer zuträglichen Lieferzeit zu beschaffen. Dazu gibt es den Großhandel, dessen ureigenste Aufgabe eben diese Logistik ist.

Wie aber sieht die Wahrheit aus?

Gehst du in den Laden weil du zum Beispiel dir ein neues Fahrrad gönnen willst … stehst du derzeit – es ist Anfang Juni – gar nicht selten vor leeren Regalen! Wer ein bestimmtes höherwertiges Modell wünscht erfährt, dieses sei schon ausverkauft – und werde auch nicht nachbestellt! Das geht schon seit Jahren so und ist keinesfalls eine neue Erscheinung!

Wie kann das sein? Es ist meine wiederholte Erfahrung dass sich viele Händler und Hersteller, selbst die Marktführer, irgendwie auf Lorbeeren ausruhen die sie früher mal verdient hatten, und heute vom Kunden erwarten dass sich dieser nach ihnen richten möge statt sie sich nach den Wünschen der Kunden!

Das funktioniert aber nicht bei Artikeln im Wert von etlichen 1.000 Euro. Die Wenigsten kaufen, wenn überhaupt nur bei großer Not, was zufällig gerade noch im Laden steht. Das ist nämlich regelmäßig das, was die anderen nicht haben wollten, warum auch immer. Sicher gibt es Ausnahmen, dass jemand ganz zufällig so sein Wunschmodell findet, aber wie wahrscheinlich ist das? Vor allem ist es nicht planbar.

Wen wundert es da, wenn sich der Kunde gleich dahin orientiert, wo er gerne die Teile selbst zusammenstellen kann? Es gibt einige Versandanbieter, die Bikes aus dem Baukasten anbieten. Wenn ich nach Koblenz oder Bocholt fahren muss um die gewünschte Ausstattung zu erhalten muss ich das akzeptieren, aber ich würde mir wünschen dass auch der Radhändler in Darmstadt, Mannheim oder Frankfurt dazu fähig wäre.

Wer im Fachhandel vor Ort das Gewünschte nicht bekommt lässt sich auch nicht von der Drohung abschrecken, die Werkstatt werde das im Versand gekaufte Rad dann nicht reparieren.

Das sind Methoden, die den Hochmut einer Branche offenbaren, der es bis gerade zu gut zu gehen scheint! Der Storch klappert, das ist seine Natur, aber wenn die Händler jammern sollten sie bei sich aufräumen. Das ist mitunter ziemlich nötig, wie es scheint.

Wie gesagt – ich erwarte nicht dass ihr alles da habt. Das geht nicht. Aber ich akzeptiere nicht dass es ein Modell aus der aktuellen Saison nicht mehr gibt! Wenn einem Sportler sein Rad kaputt geht leistet ihr es euch doch auch nicht ihm zu sagen er könne dann halt im Rest des Jahres keine Rennen mehr fahren weil er keinen Ersatz bekommt? Warum sagt ihr es dann einem Anfänger, der in diesen schönen Sport einsteigen will? Es mag mit Marathonfullys komplizierter sein als mit einem klassischen Rennrad, aber ist das ein Argument? Die Saison 2020 beginnt nicht im Oktober 2019, auch wenn ihr da wie es hieß die Räder ordert, und sie endet nicht im März 2020, wenn die Sportler neue Räder gekauft haben. Sie endet frühestens im Herbst wenn das Wetter wieder schlecht wird sodass kein Normalo mehr fährt!

Vergleichbares erlebt man auch im Fotofachgeschäft bzw. auf deren Webseiten.

Da findet man lange Listen mit Artikeln, die das Herz jedes Fotofreunds höher schlagen lassen – gefolgt von „wird exklusiv für dich bestellt“! Es ist also nichts da und alle Angebote pure Absichtserklärung! Nichts mit Anfassen und Begutachten bevor man dafür sehr viel Geld ausgibt.

Das kann ich aber direkt und regelmäßig auch noch viel schneller haben, z.B. bei Amazon oder anderen Versendern, zumal mir hier das Fernabsatzgesetz die Möglichkeit der Rückgabe einräumt, wenn die Beschreibung nicht der Wirklichkeit entspricht. Da muss ich nicht noch die Marge des örtlichen Händlers mitbezahlen. Merkt die Branche nicht dass sie online gegen die ganze Welt konkurriert? Ein günstigeres Angebot als das des örtlichen Händlers findet sich im Netz fast immer, wenn ohnehin bestellt werden muss! Jeder Onlineanbieter ist für den Kunden nur einen Mausklick entfernt, egal wo dessen Warenlager steht. Auf den Versandprozess hat der Kunde regelmäßig keinen Einfluss, bestenfalls kann er wählen welcher Spediteur ihn beliefert. Bei der Bestellerei könnt ihr als örtliche Händler nur verlieren, wenn ihr so schon den Service verweigert den der Kunde vor Ort bisher erwarten durfte!

Nicht dass ich dem Händler den Gewinn nicht gönnen würde, aber wenn er nichts anderes tut als ich selbst kann – ein Bestellformular ausfüllen – dann steht der ihm nicht zu!

Kommt dann noch hinzu, dass Lieferfristen gerne mal mehrere Wochen betragen und man auf Nachfrage auch noch hochnäsige Auskünfte bekommt, ist das Maß voll. Kein Kunde hat es nötig sich sagen zu lassen er möge sich gedulden bis der Container aus China voll sei!

So, wie manche Händler gegenüber ihren Kunden auftreten, darf sich keiner wundern wenn sich der Spruch von König Kunde in sein Gegenteil verkehrt! Niemand muss sich für blöd verkaufen lassen, oder?!

Wie gesagt, online bestellen kann fast jeder. Dafür braucht man keine örtlichen Händler. Braucht der Kunde Rat stellt sich ohnehin gerne heraus dass er schon durch Googeln oft mehr weiss als der Verkäufer im Laden. In meiner inzwischen über 40jährigen „Hobbykarriere“ habe ich genug Erfahrung gesammelt um das behaupten zu dürfen. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber Regel bleibt auch so Regel, schon deshalb weil der Markt viel zu komplex ist als dass einer alles wissen kann. Wer aber täglich damit umgeht sollte davon mehr Ahnung haben als jemand, der sich zum ersten Mal mit etwas speziell befasst – und als Spezialist mehr Fachwissen als eine Onlinesuchmaschine. Da kommt ja letztendlich der Spruch vom Fachverkäufer her, von dem man sagt man könne den auch hinter die Wursttheke stellen – in der unterstellten Annahme dass man davon nicht viel wissen müsse.

Das ist traurig, aber aus Erfahrung wahr. Zwischenzeitlich hatte ich kurz mal den Eindruck einer Besserung, aber gerade im Moment wo manche meinen mit Corona alles Denkbare entschuldigen zu können, ist es gerade wieder unerträglich.

Vieles in der Branche raucht und stinkt wie jener Grill im Beitragsbild – und ich werde nicht beliebig mein Geld im Laden abliefern nur damit es euch gut geht. Wer nicht liefern kann bzw. will was ich brauche verdient an mir kein Geld. So einfach ist das. Ebenso kann man nicht alles auf Vorrat kaufen in der Erwartung es demnächst brauchen zu können.

Eine zuträgliche Lieferzeit von sagen wir einer Woche ist also der Schlüssel zum Wohlergehen einer Branche, die gerade das derzeit arg vermissen lässt. Im Buchhandel war einmal die Lieferung über Nacht möglich, heute liefert die Post aus Amazonien oft schneller als der Buchhändler vor Ort!

UPDATE 23.6.2020: Wie man beispielhaft auf der Webseite von Garmin nachlesen kann benötigt man dort – im Onlinehandel – nach eigener Angabe inzwischen Lieferzeiten von etlichen Wochen – und macht nicht mal einen Hehl daraus! Wer seinen Kunden mitteilt, er brauche 3-5 Wochen (in Worten FÜNF!) für den Versand eines Kleinteils, der sagt in Wahrheit aus dass es ihm zu gut geht und er eigentlich gar keine Kunden wünscht! Diese Botschaft kann jedermann klar sein. Da hält sich mein Mitleid mit der angeblich darbenden Wirtschaft dann doch sehr in Grenzen!