Veloclub Ratisbona 2020

REGENSBURG ist eine Stadt in der Oberpfalz mit vielen Gesichtern, rund 152000 Einwohnern und einer Radrennmannschaft. Die – der Veloclub Ratisbona Regensburg – hatte gestern Abend im Vereinsheim an der Ziegetsdorfer Straße Teampräsentation.

Der Name ist eigentlich „doppelt gemoppelt“, denn Ratisbona ist dasselbe wie Regensburg, nur spanisch. „Spanisch vor“ kam einem an diesem Abend so manches! Die Einladung lautete auf 17:30 Uhr, und wer erst dann kam hatte das Beste eigentlich schon verpaßt! Das obligatorische Gruppenfoto, siehe Beitragsbild, war da nämlich schon lange im Kasten, weil es später dafür schon etwas dunkel war. Eine größere Version zum Runterladen findet ihr in der Sammlung.

Nun ist dieses Team keins wie jedes andere. Man muss da schon etwas genauer hinsehen, und entdeckt dabei die Vielseitigkeit eines Kaleidoskops.

Von den Ansprüchen her gewiss ein Profiteam, besteht die Mannschaft doch überwiegend aus Amateuren, die hauptberuflich ganz was anderes machen als Rad fahren. Vom Studenten bis zum Bademeister sind da einige Fertigkeiten vertreten, die man auch im Sport gut nutzen kann. Erklärtes Saisonziel: den Profis um die Ohren fahren! Gelegenheit dazu werden sie haben.

Wer gestern Abend zu dieser Veranstaltung kam bemerkte gleich hinter der Tür, sozusagen zur Begrüßung, links auf einem Tisch etliche Gläser Bier und an der Ecke vom Flur hübsch drapiert zwei Fahrräder. Gerade die sorgten im Lauf des Abends ungewollt für Fragen, war die daran montierte Gruppe doch eine Ultegra von Shimano, was merkwürdig anmutet wenn man erfährt dass man mit Yannick Mayer einen Mitarbeiter von SRAM im Team hat, der zudem auch noch im Marketing arbeitet.

Fragen stellten sich im Lauf des Abends auch noch andere. Alle Fahrer mit ihren Details aufzuzählen würde langweilig, dazu verweise ich auf die offizielle Webseite des Vereins. Nur einige Details möchte ich herausgreifen.

Beginnen wir mit Robert Müller, und wer seinen Namen nennt hat es bis zur von ihm entwickelten „reinen Lehre“ nicht weit. Er hat halt mit 33 Jahren eine Menge Erfahrung angesammelt und sich in Lauf der Zeit zu verschiedenen Aspekten dieses Sports seine eigene Meinung gebildet, auch wenn nicht alle dem zustimmen können. Gestern Abend sorgte diese Abhandlung jedenfalls bei manchen für Heiterkeit und bei anderen für Unverständnis. Soll der obligatorische Trainingsstop beim Bäcker wirklich das Trainingsergebnis gefährden? Etwas Soziales gehört zum Sport doch dazu, auch wenn selbstredend im Rennen keine Zeit zum Ratschen ist.

Der Nächste in meiner Reihe ist Nepomuk Roth, der Youngster im Team. Mit 19 Jahren gerade der Juniorenklasse entwachsen hat er doch große Ansprüche an sich selbst. Als seinen Beruf nannte er Bademeister, was naturgemäß prompt zur Frage führte was er als Ausgleichssport mache. Nein, Schwimmen war nicht die gesuchte Antwort.

Der Teamchef, Paul Renger, wollte glauben machen er sei zu dem Posten des sportlichen Leiters gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Als das Ende der aktiven Karriere nahte war „ganz zufällig“ gerade dieser Posten frei geworden, und so wuchs er in die Aufgabe hinein. Mag sein, ich war nicht dabei. Auf jeden Fall macht er einen super Job!

Ich hatte eingangs das Bier erwähnt. Ja, wozu hat man eine (?) Brauerei als Sponsor? Wenn ich es richtig mitbekommen habe sind es sogar zwei, und wenn wir gerade von Sponsoren reden muss ebenso ein Autohaus erwähnt werden neben vielen anderen, die zu so einem Betrieb dazugehören und ohne die es nicht geht. Physiotherapeuten ebenso wie Mechaniker.

Was ich zum Abschluss ansprechen möchte ist eher allgemeiner Natur.

Wer aus Hessen nach Bayern kommt gewinnt rasch den Eindruck emsiger Umtriebigkeit, leider bringt man vieles davon wohl nicht recht zu Ende. Der Weg nach Regensburg führt entweder mit der Bahn via Würzburg und Nürnberg zum Bahnhof der Stadt und weiter mit dem Stadtbus, oder man nimmt das Auto. Beides hat Vor- wie Nachteile. Die in jeder Richtung vierstündige Fahrt ist auf beiden Wegen nicht eben komfortabel, dafür hat man mit dem Auto den enormen Vorteil einer großen Klappe und ist per Saldo eine Stunde schneller am Ziel. Kofferraum auf, Krempel rein. Da muss man nicht zirkeln, was man mitnimmt. Dafür hatten wir auf der Heimfahrt „strichweise Regen“, ein Problem das man im Zug nicht hat. Der Pferdefuss öffentlicher Verkehrsmittel ist hier die Zeit. Während das Auto, wie in meinem vorhergehenden Artikel hinreichend erwähnt, auch noch zu später Stunde fährt wohin man will, muss man bei Bus und Bahn so fahren wie der Fahrplan es vorgibt, und alle halbe Stunde Samstag Abends ein Stadtbus ist doch etwas wenig. In anderen Städten fahren die mindestens Viertelstündlich. So hätte kommen können was man an so einem Abend absolut garnicht gebrauchen kann, nämlich die Party verlassen zu müssen bevor das Wichtigste passiert ist.

Man darf es sagen: die Zeit reicht! Zwar war als Ende des offiziellen Teils 20 Uhr angekündigt, und der Anfang verspätete sich auf 18 Uhr, dennoch war die Präsentation so rechtzeitig fertig dass ich den Stadtbus um 19:57 Uhr erreicht hätte. Das nächste Mal sehen wir dann weiter. Auf jeden Fall werde ich mir die Stadt selbst später im Jahr bei besserem Wetter noch einmal näher ansehen, und wer weiss, vielleicht komme ich ja auch mal zum Arber-Radmarathon vorbei. Der startet auf einer Insel in der Stadt, wird vom Verein selbst veranstaltet, und man darf raten wo das Geld für den Vereinsbetrieb wohl herkommen mag, wenn nicht von da! Ganz nebenbei gibt der Verein auch noch eine Zeitung heraus, die einmal jährlich für die Mitglieder erscheint und vom ersten Eindruck her durchaus konkurrenzfähig ist.

Abschluss des offiziellen Teils war der Fassanstich, gekonnt erledigt in zwei Schlägen.

Ozapft is’!

Bilder vom Abend sind in der Galerie.