Darmstädter Glühweinrennen

Was gehört üblicherweise nicht zu einem Radrennen? Rucksäcke, Töpfe, Tassen, ein Kartenspiel, oder ein Lastenrad mit Motor. Anders heute in einem Waldstück bei Darmstadt.

Ein hochkonspiratives Ereignis der besonderen Art war das, von dem vorab nur bekannt war dass es stattfindet, und dass der Treffpunkt für alle Teilnehmer um 13 Uhr auf der Lichtwiese vor der Mensa sein sollte. Auf der Lichtwiese war aber kein Rennen, das wäre ja zu einfach gewesen. Dort traf man sich, um sich von einer eingeweihten Person auf dem Rad in die Wälder entführen zu lassen, wo zuvor schon andere Eingeweihte Tische und Bänke aufgebaut hatten. Wozu die Geheimniskrämerei, und wozu Tische im Wald?

Auf Baumstümpfen hätte es um die Campingkocher schlecht ausgesehen, und das was da köchelte war zum Ereignis wie der Name schon sagt dringend nötig. Die Heimlichtuerei war nötig, denn offiziell war das Rennen zwar bei den Behörden angemeldet und genehmigt, aber für den BDR eben ein wildes Rennen, denn kein Verein veranstaltete es und niemand zahlte Gebühren an den Verband. Dass es in Südhessen mittlerweile im Crossbereich mehr „wilde“ Rennen gibt als vereinsmäßig organisierte spricht eine deutliche Sprache, aber keins davon wäre nach meiner Kenntnis kommerziell zu nennen, und gegen die sollte sich das Vorgehen gegen wilde Rennen ja  ursprünglich mal richten.

Diesmal gab es im Gegensatz zum letzten Mal einige Neuerungen, und die haben auch mit dem eingangs erwähnten Kartenspiel zu tun. Es gibt da ja vier Farben: Karo, Herz, Kreuz und Pik. So gab es nach den vier Himmelsrichtungen ausgehend vom Zentrum, wo der Glühwein köchelte, vier anzufahrende Punkte, wie bei einem Orientierungslauf. Es galt, 12 Runden zurück zu legen, oder der erste zu sein der nach einer Stunde wieder beim Ziel ankommt. Welcher dieser Punkte in jeder Runde aufzusuchen war entschied das Los. Man zog eine Karte, und die Farbe sagte wo die Reise hin ging. Nun wäre das einfach gewesen, wären die vier Stationen gleich weit vom Glühwein weg gewesen, aber so war’s eben nicht. Wer Glück hatte zog immer den kürzesten Weg und war damit naturgemäß entsprechend schneller, und wer Pech hatte zog immer die weiteste Entfernung, oder halt irgendwas dazwischen. In jeder Runde kam man aber beim Glühwein vorbei und musste dort eine Tasse davon trinken. Um nicht in Verruf der Förderung des Alkoholismus zu kommen gab es auch eine alkoholfreie Variante des Getränks, sodass zwar im Lauf der Zeit einige durchaus erkennbar Orientierungsprobleme bekamen, aber niemand volltrunken durch den Wald fiel.

Wesentlich mehr Anlass zur Sorge gaben gleich nebenan einige Waldarbeiter, die am Samstag Nachmittag fröhlich die Kettensäge werkeln ließen um an Brennholz für womöglich kältere Tage zu kommen. Aber die blieben friedlich. Weniger erfreulich war eine Auflage hinsichtlich der Lautstärke. Während man sich am Ausschank bemühte, die Phonzahl in Grenzen zu halten, hatte einer der Teilnehmer an seinem Rad einen Ghettoblaster festgemacht und betrieb diesen die ganze Zeit deutlich hörbar. Mal sehen ob sich da hinterher noch irgendwo was tut?

Im Anschluss an das Rennen folgte die Siegerehrung, wobei diese irgendwie an eine Verlosung erinnerte, mussten doch die Teilnehmer selbst anhand der Wertungskarten ansagen, wie viele Runden sie gefahren haben wollten. Dann tat man noch was gegen den Kater. Auf dem Tisch lag neben dem Kocher Brot, Brötchen, Camembert, Kochkäs und was weiss ich nicht noch alles, womit man den Magen erfreuen kann, damit sich der Alkohol nicht zu einsam fühlte. Nur die Butter fehlte, was die Beteiligten aber wohl nicht weiter störte.

Weitere Bilder sind in der Galerie.

Auch wenn man jüngst in Mannheim der Saison Servus sagte, in Hessen ist die Crosssaison wohl noch lange nicht vorbei. Nach dem Glühweinrennen ist vor dem Greenlake-CX. Am 29.2. soll bei Mühlheim am Main noch ein Rennen sein, zuvor aber müssen wir Sabine aushalten, die uns in den kommenden Tagen „lüften“ will. Das Orkantief kann durchaus für Kleinholz in den Wäldern sorgen, darum fahrt bitte vorsichtig oder bleibt die zwei Tage lieber mal daheim und fahrt auf der Rolle!