Team SKS Sauerland NRW

1050 Stück Thermomix – so viele könnte sich kaufen wer über das Budget verfügen könnte, das aktuell dem Team SKS Sauerland NRW zur Verfügung steht. Das sind Zahlen, die das Team auf seiner Präsentation selbst in dieser Form genannt hat. Wenn man weiss dass ein aktuelles Gerät dieser Sorte rund 1400 Euro das Stück kostet ist die Rechnung einfach.

Ein hübscher Betrag für eine Radrennmannschaft, die noch einen ziemlichen Weg zum Ziel vor sich hat – die WorldTour. Mit der Teilnahme an Rennen rund um den Globus ist man schon auf dem besten Weg dahin. So führen Bekanntschaften zu Sponsoren, und Sponsoren in manchen Fällen zu Wildcards bei Rennen. Ein Sponsor aus Japan hat nicht nur einen Weinhandel, sondern auch einen Draht zur Tour of Okinawa. Derzeit backt man noch kleinere Brötchen, aber als Saisonziel wurde eine Wildcard für die Deutschlandrundfahrt schon mal ausgegeben. Ein ansehnlicher Anspruch, der beim bekannten Leistungsvermögen der Jungs durchaus im Rahmen des Möglichen liegt.

Die Deutschlandrundfahrt ist wie die Tour de France derzeit eine Veranstaltung der ASO, der Amaury Sports Organisation. Die Führenden der Radbundesliga werden dorthin eingeladen, zwei weitere Mannschaften erhalten sogenannte Wildcards. Wer das ist liegt im Ermessen des Veranstalters. Letztes Jahr hat’s nicht geklappt, dieses Jahr will man dabei sein.

Auf meinem Foto oben seht ihr das fast komplette aktive Team. Es fehlt das Management, die Sponsoren und das Team hinter dem Team, die Mechaniker und Helfer. Das Bild entstand gestern bei der Teampräsentation in Sundern in den Räumen des Sponsors SKS. Die OrangeWorld genannte Halle war der erste Produktionsstandort einer inzwischen ziemlich gewachsenen Firma, deren Produkte in jedem gut sortierten Fahrradladen zu finden sind.

Dabei besteht die Mannschaft im aktiven Teil durchaus nicht nur aus dem Bundesliga-Team. Neben einer Mannschaft jüngerer Jahrgänge und einer eben solchen aus erfahrenen Sportlern gibt es wie im letzten Jahr auch ein sogenanntes Jedermannteam, wobei ich den Begriff nicht ganz passend finde.
Jedermannrennen sind von ihrem Sinn her als Einstieg in den Lizenzsport angelegt und sollen auch denen, die (noch) nicht Mitglied in einem Verein sind, Zugang zum Rennsport bieten. Was wir hier vorfinden ist eher ein Mastersteam, das sich nicht so nennen will. Fragen zur Lizenzpolitik gehören jedoch nicht in diesen Artikel.

Der Einführungsvortrag machte gar keinen Hehl daraus, dass die letztjährige Nichtnominierung zur Deutschland-Tour, die man zugegebenermaßen teilweise selbst verbummelt hat, jetzt einen Anspruch an sich selbst begründet. Aus der Erbmasse des aufgelassenen Teams Herrmann hat man sich Verstärkungen geholt, die mehr sein sollen als Ersatz für einige Abgänge. Im wesentlichen ist die Mannschaft aber über den Jahreswechsel zusammen geblieben.

Was neu ist findet man erstmal im Namen, so man genau hin schaut. Aus „Team Sauerland powered by SKS Germany“ ist nun „Team SKS Sauerland NRW“ geworden. Die Rochade soll der Bedeutung des Sponsors für das Team Ausdruck verleihen, „ohne den hier nichts gehen würde“.

Betrachten wir uns kurz den Terminkalender, der in der Presseinformation abgedruckt wurde. Die ersten Rennen des Jahres sind schon gelaufen, das war vor allem die Cross-DM in Albstadt am 10. Januar. Nach dieser Teampräsentation startet die Mannschaft in ein Trainingslager auf Mallorca. Wo sonst? Dabei nimmt man kurz noch die dortige Rundfahrt mit. Der Golfstrom als natürliche Heizung hat schon was, der sorgt für frühlingshafte Temperaturen.

In unseren Breiten geht es im März los, die Bundesliga startet in Einhauen, wo es eine Wiedergeburt des Klassikers „Rund um den Jägersburg Wald“ geben wird. Dazu zu gegebener Zeit mehr. Nächste Höhepunkte dürften die Landesmeisterschaften Ende April sein, bevor am 1. Mai im Taunus der Radklassiker schlechthin abgeht, den man früher „Rund um den Henningen Turm“ nannte. Der Turm als Getreidesilo des damaligen Sponsors ist Geschichte, das Rennen geht weiter.

So zieht es sich durch das Jahr, es kommt Rund um Köln, die DM in Stuttgart (gab’s dort schon mal), eine Woche später das Ligarennen in Öschelbronn, Auenstein nicht zu vergessen, bis man dann im August weiss ob’s mit der Deutschland-Rundfahrt geklappt hat.

Den Abschluss des Jahres plant man dann in der Heimat mit der Sauerlandrundfahrt, einer mehrtägigen Veranstaltung, die es in sich hat – und die so man hört im kommenden Jahr Meisterschaftsstatus erhalten könnte. Verträge sollen bald unterschrieben werden.

Kommen wir zum aktiven Personal.
Die Jungs kommen „aus aller Herren Länder“, und auch wenn sie sagen baldmöglichst deutsch lernen zu wollen – bei einem Brüderpaar aus Belgien wird man anfangs englisch reden müssen. Abram und Michiel Stockmann sind zu der Mannschaft gestoßen, ebenso wie Johannes Adamietz oder Lukas Baldinger. Die Brüder Joann und Louis Leinau kennt man schon, aus dem Nachwuchs kam Lars Kulbe in die Männermannschaft. Julian Braun kam vom Team Dauner-Akkon. Er wohnt in Siegen, was nicht weit weg ist vom Sauerland.

Mit etwas Geografie kommt nicht aus, der lokale Befindlichkeiten verstehen will. Mehrheitlich gehört das Sauerland zwar zu Nordrhein-Westfalen, allerdings ist ein gewisser Zipfel davon hessisch. Das NRW im Teamnamen verortet die Mannschaft selbstbewusst im westlicher gelegenen Großteil, der im Süden eben an das Siegerland und im Westen an den Ruhrpott anschließt. So führte mich mein Weg gestern über die A45, einer 50 Kilometer langen Großbaustelle, bis nach Olpe, und von da weiter über die Landstraßen nach Finnentrop und nach Sundern. Eine Abzweigung vorher geht es rechts ab nach einem Ort mit dem lustigen Namen Wildewiese, wo vor Jahren schon mal Mountainbikerennen stattgefunden haben bis hin zur Deutschen Meisterschaft. Man weiss da also was man hat.

Den Abschluss der Präsentation bildete das obligate Gruppenfoto, gefolgt von einem Knalleffekt, mit dem insgeheim schon vorab zu rechnen war. Irgendwie reagieren die Jungs in fast allen Mannschaften auf die Ansage „Jetzt dürfen Fragen gestellt werden!“ mit Flucht- und Absetzbewegungen. Zwei Drittel sind schneller zu ihren Autos verschwunden als man Amen hat sagen können, und wer noch im Saal war bildete Grüppchen, was die eindeutige nonverbale Botschaft enthielt „Lasst uns in Ruhe!“

Schade, denn eine Frage hätte ich da noch.
Ihr nennt euch Profis. Es wäre zu klären in welchem Sinn, denn entweder ist ein Profi jemand, der seinen Beruf gelernt hat, oder jemand der von dem eingenommenen Geld leben kann. Das trifft hier wohl kaum zu. Radsport kann man sicher erlernen, aber kann man davon auch leben? Wenige können es, die Mehrheit dürfte den Profistatus daher haben, dass sie der Form halber „bezahlt“ werden. Ich habe aus anderen Quellen schon vor Jahren gehört wie das geht. Man bekommt aus der einen Hand den Mindestlohn, den man gleich der anderen Hand wieder für Fahr- und Materialkosten abgibt. Für die Fahrer ein Nullsummenspiel, das nur funktioniert weil man Sponsoren hat, die das Ganze bezahlen. Allen voran die Firma SKS und das Autohaus Rosier, nicht nur regional bekannte Größen. Daneben zu nennen wäre die Fahrradmarke Ridley, auf deren Rädern man unterwegs ist, oder die Biermarke Krombacher, die auf diesem Weg ihr alkoholfreies Bier bewirbt.

Die Bezeichnung 0,0% ist meiner Meinung nach etwas irreführend, kann man doch wissen dass im Gegensatz zum Zucker in der Limonade der Alkohol im Bier eine natürliche Ursache hat und sich trotz aller Tricks nicht mehr vollständig entfernen lässt. Ein minimaler Rest bleibt, womit das Bier bestenfalls alkoholarm zu nennen wäre, und eben nicht alkoholfrei. So wie der Begriff auf den Etiketten geschrieben wird kann man es auch lesen wie „Oh-oh!“
Ihr wisst was ich meine?

So viel wie möglich ist genau festgelegt. Sogar die Teamfarben!
Schwarz und weiß, dazwischen „HKS7, Pantone 151 RAL 2008“, ein Orangeton. Pantone ist eine Farbpalette, damit der Drucker weiss was gewünscht ist.

Bilder der Veranstaltung sind in der Galerie. Dort findet ihr auch ein etwas spezielles Teamfoto (JPEG, sRGB, 100%, 350 DPI, 14180×5811 Px, 66,9 MB).

2 Gedanken zu „Team SKS Sauerland NRW“

    1. Hallo Armin, schön dass auch du meine Beiträge liest. Es mag ja so sein, aber dann erkläre doch bitte den Leserinnen und Lesern populärwissenschaftlich ohne Nutzung von Fachbegriffen, die kein Laie versteht oder sich zwei Stunden an Formeln aufzuhalten, warum es derzeit gewöhnlich auf Mallorca und anderen ähnlichen Orten im europäischen Winter warm ist, sodass sich alle die irgend können dorthin begeben um drei Wochen Rad zu fahren. Es dürfte unstreitig sein dass der Golfstrom erheblich dazu beiträgt, dass der mitteleuropäische Winter mit den uns bekannten Temperaturen so ist wie er ist. Sonst wäre es bei uns durchschnittlich zehn Grad Celsius kälter und du dürftest den Keller heizen damit die Wasserleitung nicht einfriert!

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