Medienarbeit

Die DM in Albstadt ist vorbei, und prompt kocht auf Facebook und in einschlägigen Foren wieder diese altbekannte Frage hoch: Wo wird darüber berichtet?

Bei Google stellt sich heraus: Es gibt zwei Artikel (Damen, Herren) beim Schwarzwälder Boten, dem örtlich zuständigen Lokalblatt, und es gibt Videobeiträge üblicher Länge in der ARD-Mediathek beim SWR. Alle thematisieren die Damen- und Herren-Eliterennen. Vom Rest kaum ein Wort.

Es ist das, was traditionell zu erwarten war! Warum? Reden wir deutsch!

Was ist für die herkömmlichen Medien eine Nachricht? Diese Definition stammt aus der trockenen Theorie: Es muss für den jeweiligen Leserkreis etwas Neues und etwas Interessantes sein. Neu ist eine solche Nachricht, wenn sie noch nicht anderswo berichtet worden ist. Wie aber definiert sich der Leserkreis? Aus Sicht der Redaktion ist das in erster Linie der Abonnentenstamm – und nicht die interessierten Sportler, die auch andernorts auf die Nachricht warten wer gewonnen hat. Schlussendlich ist dieses Detail genau das, worauf nach Meinung der Alteingesessenen alle warten!

Im Fernsehen richtet sich die Themenauswahl wie auch die Beitragslänge nach der verfügbaren Zeit in der Sport- oder Nachrichtensendung. Ein Beitrag wird also zwischen 60 und 90 Sekunden lang sein und das Wesentliche ansprechen. Für das Drumherum ist da keine Zeit. Dasselbe gilt für die Zeitung. Je nach Gewicht des Themas wird mehr oder weniger viel Platz bereitgestellt, und wenn es gut läuft ist auch mal ein Foto drin.

Andere, vor allem überregionale Blätter, berichteten bislang nicht! Es war ja nur eine Deutsche Meisterschaft. Ob sie es demnächst am selben Ort mit der MTB-WM genauso halten werden? Wer also nicht die jeweilige Zeitung abonniert hat, nicht online ist oder nicht danach sucht erfährt nichts. Erschwerend hinzu kommt die Neigung mancher Verlage, ihr Angebot hinter Bezahlschranken zu verstecken oder nur für ihre Abonnenten frei zu geben. Andererseits kann man nicht jedes Blatt der Republik abonnieren nur weil einmal im Jahr was Interessantes drin steht! Es ist verständlich, dass sich gewerbliche Medien refinanzieren müssen, aber ist der augenblickliche Zustand zielführend?

Auch dieser Blog bemüht sich im Rahmen des Möglichen, Beiträge über Rennen zu veröffentlichen. Das wird einem aber zunehmend erschwert. Da ist zum einen die DSGVO und ihre Folgen, zum anderen der Wunsch einiger Veranstalter nach Akreditierung gegen Presseausweis. Zu diesem Teilthema habe ich zuvor bereits im Artikel über Albstadt etwas geschrieben. Vor allem die Kommentare dazu zeigen deutlich, woher der Wind weht!

Nebenbei bemerkt, ich war am Wochenende nicht in Albstadt, zum einen weil eine Anfrage wie erwähnt unter den gegebenen Bedingungen zu nichts führen dürfte, zum anderen weil die Anreise auch in einem gesunden Verhältnis zum erwartbaren Ergebnis stehen muss, was hier nicht der Fall war. Ihr wisst, Erfahrung macht klug! Irgendwann traut man der Sippschaft nicht mehr, die weniger die Sache als vielmehr ihr Geld im Kopf zu haben scheint!

Es ist verständlich wenn Veranstalter sicherstellen wollen, dass keine Unbedarften auf der Rennstrecke herumlaufen. Wer dort fotografiert sollte schon wissen, was er oder sie da tut und worauf dabei zu achten ist. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere besteht aus Rechtsfragen! Der Veranstalter übt bei der Veranstaltung das Hausrecht aus. Manche interpretieren das so weit dass sie meinen bestimmen zu dürfen, welche Bilder oder Inhalte im Bericht danach erscheinen dürfen und wer überhaupt über ein Rennen berichten darf.

Die Forderung nach dem Presseausweis ist „traditionell“. Man muss dazu wissen woher das kommt. Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde analog auf chemischem Film fotografiert. Zum Entwickeln brauchte man ein Labor, das auch hinreichend schnell gearbeitet hat. Schnell heisst hier sofort und nicht zwei Wochen später. Errungenschaften wie das Internet oder gar WordPress gab es noch lange nicht, und wer berichten wollte musste infolge dessen Zugang zu einer Zeitung haben, also bei einer Redaktion angestellt sein. Damit waren die Untermengen „Ausweisinhaber“ und „Berichtsfähige“ praktisch identisch. Die Bedingung, den Ausweis zu haben ist aber nicht deckungsgleich damit, Ahnung von diesem Sport zu haben! Jemand kann bei einer Redaktion angestellt sein, den Ausweis haben, damit die Bedingungen des Veranstalters vollumfänglich erfüllen und dennoch nicht wissen was bei diesem Sport wichtig ist. Jemand aus der Kulturredaktion war, als Beipsiel, vermutlich noch nie beim Rennen. Ich bringe das Beispiel nur um aufzuzeigen, warum ich die Kombination an Zulassungsvoraussetzungen für untauglich halte! Was ich letztes Jahr in Lorsch anlässlich der Präsentation der Mannschaften bei der Deutschland-Tour habe sehen dürfen reicht mir völlig, wenn Zeitungsmitarbeiter in der Pressezone mit dem Handy agieren und deutlich wird wovon die was verstehen und wovon nicht. Näher möchte ich darauf an dieser Stelle nicht eingehen!

Seitdem hat sich viel geändert! Heute gibt es Blogs, und wer sich bei WordPress.com anmelden kann wird binnen fünf Minuten einen eigenen Blog realisieren und eigene Artikel schreiben können. Gratis! Fast so wie in der Zeitung. Man kann das mit etwas mehr Aufwand auch auf eigenem Webspace machen und hat dann noch mehr Möglichkeiten. Die früher durchaus realen Zwänge gibt es heute so nicht mehr.

Das „Gratis“ im vorhergehenden Absatz weist auf des Rätsels Lösung. Natürlich sehen es die Mitarbeiter der Zeitung, die für ihre Arbeit bezahlt werden, nicht gern wenn ihnen Dritte Konkurrenz machen, ebenso wie Anbieter von Teilnehmerfotos sicher gerne hätten wenn niemand ausser ihnen eine Kamera mitbringen dürfte. Nicht ohne Hintergedanken versuchen manche, so etwas in den Bedingungen durchzusetzen.

Dabei wird aber Berichterstattung unerlaubterweise mit Gewerbetätigkeit verquickt. Das hat in der Sache nichts miteinander zu tun.

Worum geht es also? Geht es darum Rendite zu sichern oder geht es darum das Land zu informieren?

Der Journalistenverband vertritt in erster Linie die Interessen seiner Mitglieder. Das ist verständlich. Er ist zugleich Herausgeber des Presseausweises und alleiniger Entscheider, womit er alleine festlegt wer diesen bekommen soll und somit Zugang zu Veranstaltungen erhält. Diese Lobby möchte natürlich dass alles so bleibt wie es schon immer war. Dabei übersehen sie allerdings den technischen Fortschritt, dessen sie sich zum Teil selbst bedienen. Dieser bringt es eben mit sich, dass andere Medien entstanden sind, und darunter große Teile, die aus anderen Motiven handeln als dem des Broterwerbs. Es ist dabei gleichgültig, wie sich diese schlussendlich refinanzieren. In Bezug auf die Sportberichterstattung zählt, dass sie ihr Geld nicht damit verdienen. Man gibt aber zum Beispiel den Wochenblättern, die vorwiegend aus Werbung bestehen, den Presseausweis, und verweigert ihn den Bloggern mit dem Argument, die machten es nicht hauptberuflich. Was bitte ist da dann der Unterschied zwischen einem Blog und der Onlineredaktion der Zeitung? Die ist auch nicht Primärzweck des Blattes. Das ist nach wie vor regelmäßig die Printausgabe. In vielen Fällen ist es schlicht und ergreifend das Geld! Die Alteingesessenen fürchten ganz einfach Konkurrenz, weil Beiträge im Internet fast immer schneller beim Leser sind als die gedruckte Ausgabe. Sie nutzen es selbst, daher wissen sie das – tun aber so als würde es ihre Existenz bedrohen!

Ihr seht auch die Scheinheiligkeit dieser Argumentation?

Nun kommt was da kommen musste. Wenn Platz oder Zeit knapp ist wird erwogen was vermeintlich am wichtigsten ist. Es wird von der Meisterschaft aufgeführt wer die Eliterennen gewonnen hat. Die übrigen, nicht minder interessanten Klassen fallen unter den Tisch, zudem erfährt man kaum ein Wort über das Drumherum. Das könnte man nur in einer Bilderstrecke oder einem Video zeigen, wofür in einem Printmedium regelmäßig kein Platz ist. Wer nicht befürchten muss dass ihm Dritte die Leserschaft abspenstig machen kann sich das leisten!

Ein Amateur als Blogger könnte das zeigen, darf aber nicht – und die Redaktionen werden dafür keinen Aufwand treiben weil es sich für sie nicht rechnet! Leidtragende sind nicht nur die Sportler, die auf Beiträge zu ihrem Sport warten. Es wirkt sich auch hintenrum auf die Sponsoren und deren Engagement aus, weil diese darauf warten in den Medien erwähnt und vor allem als Bandenwerbung gezeigt zu werden. Dieser Werbeeffekt verpufft!