Fiat Lux!

Es werde Licht!
Sinn und Zweck eines Trainings ist die Verbesserung der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Wenn also Mittwoch Abends auf der Radrennbahn die Crosser trainieren spricht doch nichts dagegen, dass auch ein Fotograf mal an seinen Fertigkeiten feilt? So habe ich mal kein Video gedreht – es wäre das fünfte in eben so vielen Wochen gewesen – sondern zwei Profoto A1 und Lichtstative eingepackt und ausprobiert was damit geht.

Profotos A1 haben inzwischen einen Nachfolger, den A1X, sehen aus wie handelsübliche Aufsteckblitzgeräte, gelten aber als kleinste transportable Studioblitzanlage auf dem Markt. Da ist „etwas mehr Bumms“ drin als sonst allgemein üblich. Das wiederum erlaubt den Einsatz von Lichtformern wie an dieser Stelle des Soft Bounce, einer Art Lenor für Licht. Das Teil schaut aus wie Urgroßmutters Hut in klein, und wirkt im Nahbereich wahre Wunder.

Das Ergebnis sind ein paar Bilder, die ihr euch auf meinem NAS ansehen könnt.

Ein Laie fragt sich gerne, wie sowas gemacht wird. Ich will´s euch hier sagen.

Fotografie ist wie bekannt kein Hexenwerk, sondern angewandte Physik. Zwar wird das Gelände dort von Flutlicht ausgeleuchtet, aber das heisst noch nichts. Licht hat ja Eigenschaften, zum einen die Menge und zum anderen Richtung und Qualität. Der Volksmund sagt da: Wo Licht ist ist auch Schatten! Recht hat er…

Also muss der Fotograf, der sein Bild gestalten will, an ein paar Stellschrauben drehen, damit da Licht ankommt wo er es hin haben will statt darauf zu warten dass Godot kommt. Der kommt nicht!

Wenn man eine Armee Assistenten mitbringt kann man mit Reflektoren das Flutlicht so umleiten dass ein ähnlicher Effekt entsteht, das ist aber aufwändig und mühsam. Einfacher geht es mit Fülllicht, und das holt man sich eben aus Lampen oder Blitzgeräten. Am Tag macht man nichts anderes, und auch die Rechnung dazu schaut ähnlich aus.

Nicht das Blitzlicht beleuchtet das Motiv, sondern es regelt den Kontrast.
Was früher zu Zeiten des Anfangs dieser Technik zu typischen Blitzbildern führte, auf denen Jemand vor schwarzem Hintergrund zu sehen war, ist durch passende Zusammensetzung der Beleuchtung regelbar geworden. Die Tage, in denen man das aufwändig ausrechnen musste, sind lange vorbei. Auch gilt bei diesem Aufbau die bekannte Leitzahlrechnung nicht, da es sich nicht mehr um eine einzelne punktförmige Lichtquelle handelt, wie das bei einem Aufsteckblitz auf der Kamera der Fall wäre. Damals waren die Kameras auch noch nicht fähig, automatisch zu steuern was jeder Fotograf in der Grundausbildung lernt. Da hat sich viel geändert, nicht immer zum Besseren, und auch eine manuelle Einstellung ist an heutigen Kameras nicht mehr immer „manuell“. Oft steckt da eine Gleichung mit mehreren Variablen dahinter, und der Fotograf ist mehr damit beschäftigt, den Computer zu dirigieren als damit, das Bild zu gestalten. Das Verhältnis aus Zeit, Blende und Empfindlichkeit macht zusammen mit dem Blitzlicht ein richtig belichtetes Foto.

Man kann auch sagen, ein solches Bild besteht belichtungstechnisch aus mehreren Ebenen – einmal ein Dauerlichtanteil und einmal eben die Blitzlichtzugabe. Es ist nicht so wie manche gern sagen, viel hilft viel. Etwas Feingefühl auch bei der Standortwahl gehört mit zum Werk, denn die beiden hier eingesetzten A1 waren auf Lichtstativen montiert, die frei in der Landschaft aufgestellt werden können. Die Geräte werden über Funk gesteuert, statt wie früher oft üblich per Infrarot. Der Trick? Funk geht immer und wenn nötig auch durch die Wand, während Infrarot eine Sichtverbindung zum Gerät erfordert und zudem eine geringere Reichweite hat.

Heute muss niemand mehr zu Fuß ausrechnen, wie das Mengengerüst hier auszusehen hat. Am Beispiel einer Sony Alpha 7 Mark III sähe das so aus, dass man den Dauerlichtanteil, also die Hintergrundbeleuchtung vom vorhandenen Flutlicht festlegt, indem man die Kamera auf manuell schaltet (richtig, manuell statt Automatik!), eine Verschlusszeit von 1/250 Sekunde bei einer Blende f/8 einstellt, und die Empfindlichkeit auf „Auto“ belässt. Die obere Begrenzung dessen, was in Wahrheit nichts anderes ist als ein elektronischer Verstärker, darf ziemlich hoch gewählt werden. Die Fotos in der Sammlung haben da durchaus auch mal ISO25600 erreicht, und fielen brauchbar aus! Bis vor wenigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen und die Bilder unrettbar verrauscht!

Wie weit man da gehen kann hängt sehr vom Kameramodell ab und sollte jeweils ausprobiert werden.

Wie man die Zugabe regelt, also die Blitzgeräte platziert, ist ebenso Sache des Probierens, man sollte nur darauf achten dass die Sportler tunlichst nicht direkt rein gucken müssen. Auch wenn die Abbrennzeit solcher Geräte recht kurz ist, wen es unerwartet erwischt reagiert doch erst mal überrascht.

Die A1 haben zwei Einstellmöglichkeiten: manuelle Steuerung oder Automatik, das heisst die Kamera regelt den „Output“, was auch über Funk sehr gut funktioniert. Heraus kommen Bilder, denen man im Optimalfall nicht ansieht, wie sie beleuchtet worden sind.

Nun hätte ich da eine bescheidene Frage an euch: Hat euch das Blitzlicht beim Fahren gestört? Feedback dazu ist sehr willkommen!

Was ich zuallerletzt will ist, euch damit zu gefährden! Man kann aber nur dazulernen, wenn man herumprobiert. Wenn euch die Bilder gefallen würde ich nächsten Mittwoch das Ganze ausserhalb des Rennbahnovals an diversen Geländeabschnitten fortsetzen. Die Position der Lampen ist durch das Einstelllicht, das dauernd leuchten kann, gut vorab zu erkennen, sodass man da nicht direkt reingucken muss. Allerdings ist es da von Natur her dunkel. Sagt mir doch bitte mal was ihr dazu denkt?

Vielen Dank!