Ein Blick zurück

oder auch zwei?
Am Ende der aktuellen Straßen- und MTB-Saison und vor Beginn der Radcrosssaison lohnt es sich, einen Blick zurück zu werfen und ein Fazit zu ziehen, denn manches stellt sich so betrachtet etwas anders dar als manch ein Verantwortlicher sich das gedacht haben mag.

Was ich hier schreibe ist meine ganz persönliche Meinung, und ich erwarte dass sie nicht von allen geteilt wird. Das ist nun mal so. Was man aber nicht übersehen sollte ist die Tatsache, dass bei anhaltender Entwicklung möglicherweise auch für euch „alternative Fakten“ eintreten können. Manche Dinge sind leider nicht so wie man sie sich wünscht, aber mit blossem Auge offenkundig wenn man sie sehen will. Mein Titelbild zu diesem Beitrag zeigt Grillwürstchen, und es könnte durchaus sein dass es für diesen schönen Sport recht bald um eben die Wurst geht.

Euer Sport ist weitgehend von Sponsoring abhängig, und was wollen Sponsoren als Gegenleistung für ihr Engagement? Werbung! Das sind überwiegend keine Mäzene, die selbstlos handeln. Leistung gegen Gegenleistung. Angesprochen werden sollen aber nicht nur die Teilnehmer, das geht anders besser. Ziel der Reklame sind die Zuschauer, die können noch für die Produkte und Dienstleistungen gewonnen werden. Wie lange mag das funktionieren wenn keine mehr kommen?

Wir haben am vergangenen Wochenende in Neustadt mit dem Wäldercup ein fantastisches Rennen erlebt. Man muss aber trotz aller rosaroten Brillen auch erkennen, dass das nicht die Regel ist. Zumal es einen gewissen Unterschied in der Ansprache macht, was man sportlich und was man menschlich bietet. Betrachtet man sich die Dinge offen und selbstkritisch, so lässt die Publikumsresonanz öfter zu wünschen übrig als dass sie gut ausfällt. Bei wie vielen Rennen stehen denn nur die unmittelbaren Betreuer der Fahrer am Wegesrand, und sonst weit und breit keiner? Keine Presse, kaum Berichterstattung. Woran liegt das?

Wenn ich das so sagen darf liegt die Ursache nahe: Es ist eure eigene Selbstdarstellung, die die Leute vertreibt.

Die Presse an sich schaut vielfach überheblich auf das Normalvolk herab und bedient den landläufigen Eindruck einer (selbsternannten?) Elite von Bessergestellten. Wir sind wir und uns kann keiner? Das erkennt unweigerlich wer die Betreffenden reden hört. Da gibt es welche, die anderen „eben mal so“ die Existenzberechtigung absprechen, also ob sie Gott wären. Auch viele Veranstalter blasen in dasselbe Horn, und sagen mehr als deutlich wie sie sich das vorstellen, wenn sie Fotografen, Filmer oder andere potentiell Interessierte nur gegen Presseausweis akkreditieren wollen. Ich habe schon mehrfach gesagt wie hier die Dinge stehen, und wenn man mir dann sagt „Es sei Selbstschutz!“ so muss ich unweigerlich fragen: „Selbstschutz vor was?“

Die Antwort ist traurig: Selbstschutz vor möglicherweise Neuem! Für die Alteingesessenen ist nichts schlimmer als Veränderung! Ich rede nicht davon, den Hauptberuflichen die Existenz streitig zu machen. Bei dieser Frage spielt das Geld ausnahmsweise mal gar keine Rolle, wenn man es aus Sicht und nach dem Bedarf des Sports betrachtet. Da ist das Ergebnis wichtiger als alles andere, denn diese Frage ist zwar nicht sofort augenfällig, schlussendlich aber überlebenswichtig.

Zuletzt war bei der Marathon-DM in Daun trotz Einladungen der Veranstalter nur ein einziger Zeitungsvertreter anwesend, und am Wochenende in Neustadt waren es zwei! Das dürfte allgemein so aussehen, dass die anderen Blätter kaum Interesse haben dürften. Das ist zum einen ihre eigene Aussage („Wen interessiert schon (Bike-) Marathon?“), und es liegt nahe wenn man bedenkt wie sich für die eine Nachricht definiert. Es muss neu sein, und es muss einen erheblichen Leserkreis betreffen. Das ist nur in der unmittelbaren Region der Veranstaltung der Fall. Wen es da aber interessiert kommt selbst hin, und wartet nicht drei Tage bis was im Blatt steht, was er schon am Abend online hat nachsehen können! Die Wenigen, die ausserhalb des Erscheinungsgebietes dafür Interesse haben spielen für die verkaufte Auflage des Blattes keine Rolle. Die Auflage ist aber die Triebfeder jeder gewerblichen Berichterstattung. Es ist also für freiberufliche Medienschaffende unwirtschaftlich, sich den ganzen Tag die Beine in den Bauch zu stehen, um dann womöglich je nach Ausgang mit leeren Händen dazustehen, und Festangestellte gibt es wohl auch immer weniger. Die Auswahl unter mehreren zeitlich parallelen Terminen ist auch da eine Abwägung aus Aufwand und Ertrag, im puren Sinn des Wortes. Wer sonst hat aber einen Presseausweis und kann somit die Erwartungen der Veranstalter erfüllen? Den Amateuren und Bloggern, die häufig aus Liebe zum Sport und ohne wirtschaftliche Interessen handeln, erklärt man aber durch die Forderung nach dem Ausweis ihre augenscheinliche Unerwünschtheit, und an dieser Botschaft ändert sich auch nichts wenn der Veranstalter dann schlussendlich ganz anders handelt als er es auf seiner Webpräsenz schreibt! Die Leute kommen ganz einfach garnicht erst zum Rennen oder fragen an wenn es sich aus dieser Sicht als sinnlos darstellt.

Fazit? Veranstaltungen, die von ihrer Öffentlichkeitsdarstellung leben, müssen zusehen dass über sie möglichst breit berichtet wird, egal in welcher Form. Das Wort ist schlimm, aber sie brauchen eigentlich eine „Propagandaabteilung“! Der klassische Pressewart, der früher Artikel über den Verein gesammelt hat, ist von dieser Aufgabenbeschreibung her Schnee von gestern. Heute müssen die dafür sorgen, dass Beiträge in die Medien kommen, und dafür brauchen sie zuallererst Bilder. Ob klassiche Fotos oder Videos spielt dabei erst mal die geringere Rolle. Sich dafür alleine auf die klassische Presse zu verlassen ist nach allem was man gesehen hat abenteuerlich geworden.

Bei einem durchschnittlichen Rennen braucht man mindestens ein halbes Dutzend Fotografen, um den Rennkurs vollumfänglich abzudecken. Das ist nicht das, was eine Zeitung leisten kann, und muss. Zum Bebildern eines Artikels bedarf es eines einzigen Fotos! Das ist in der Regel das Siegerbild, bei Radsport also das Treppchen. Mehr brauchen die nicht, wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Alles andere ist für die Stimmung und gute Laune. Die Fotodokumentation ist nicht elementare Aufgabe der Presse, ebensowenig wie Teilnehmerfotografie. Es ist also keine Bilderquelle für den Verein oder die anderen Teams. Da die ohnehin ihre Bilder mit Handys selbst machen, auch wenn das aus fotofachlicher Sicht purer Pfusch sein mag, es genügt für deren Bedarf und die Vereinswebseite, soziale Medien etc.

Jetzt wisst ihr nebenbei auch, warum ich regelmäßig zu Filmen übergegangen bin statt weiterhin Bilder zu machen. Es bringt nichts! Du bist als Amateur mit begrenzten Ressourcen zu langsam um mit den Handys zu konkurrieren, musst an jeder Ecke darauf achten nicht in eine der vielen rechtlichen und praktischen Fallen zu tappen, und die Berufsfotografen bekämpfen dich weil sie Konkurrenz wittern die keine ist. Das machen ihre Aussagen nur allzu deutlich.

Demnach gibt es auch keinen Markt mehr für Fotodienste, denn bis die ihre Fotos online stellen ist der Nachrichtenmarkt verlaufen! Nichts ist älter als die Nachrichten von gestern.

Was also tun? Ich sehe da nur eine Option: Kommt vom hohen Roß runter und bildet einen Pool. Sprecht das Publikum an, euch Fotos als Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Auf privater Basis gibt es hier und da solche Initiativen schon, nur hilft das den Vereinen nicht. Es geht nur noch auf Gegenseitigkeit statt mit Ressentiments aus vergangenen Tagen! Die Veranstalter können wenn sie wollen mit der Ausschreibung verfügen, dass jedermann zu nichtgewerblichen Zwecken – und das ist in der Regel sowohl „social Media“ als auch Vereinsarbeit – Bilder machen und verbreiten darf und jeder der teilnimmt stimmt dem zu. Derzeit ist es seit Inkrafttreten der DSGVO doch eher so: Bilder von Minderjährigen sind unmöglich geworden, und die anderen aufzunehmen birgt eigentlich ein unkalkulierbares Risiko! Wer will das tragen? Ihr als Veranstalter nicht, und wir als Fotografen auch nicht.

Was aber tun sie? Sie installieren Teilnehmerfotodienste, was an sich nicht schlimm wäre. Deren Monopolforderung macht es aber schlimm, denn wenn man dem Publikum „durch die Blume“ das Bildermachen verbietet als ob die von allen Teilnehmern Fotos machen würden und damit einen schwunghaften Handel betrieben bewirkt man, dass die gar nicht erst kommen oder in Zukunft wegbleiben – und das nicht nur bei diesem einen Rennen, sondern Zug um Zug bei allen. Damit torpediert ihr aber genau das, was eure Sponsoren eigentlich wünschen: viel Publikum.

Hört die Botschaft und kommt zur Vernunft – solange ihr es noch könnt. Was sich im Volk ausbreitet sind nicht die Fakten vor Ort, es ist das Gift eurer besonderen Wünsche.

Ihr könnt gerne solche Formulare zur Abfrage der Interessenbekundung nutzen, von mir aus nennt sie Anmeldung und fragt darin nach dem Grund des Interesses – aber verknüpft sie bitte nicht mit Anforderungen, die 99% der potentiell Interessierten nicht erfüllen können! Anderenfalls müsst ihr damit rechnen, nach diesen Umständen beurteilt zu werden. Das Sportliche tritt dann sehr rasch in den Hintergrund.