Preis der Sparkasse Schwalm-Eder

MELSUNGEN, ein Städtchen vor den Toren Kassels, kann weitaus mehr als nur mit Bällen werfen. Wenn auch mit Unterbrechungen veranstaltet die MT Melsungen – die Melsunger Turnerschaft –  in der Region alljährlich ein Bergzeitfahren, das aktuell die Bezirksmeisterschaften für den Bezirk Kassel enthalten hat.

Man hat im Lauf der Jahre etliche Strecken im Umland ausprobiert, selten war das Rennen zweimal am selben Ort. Es ist aber in letzter Zeit immer wieder an merkwürdigen Terminen Freitag Abends. Bei Start um 17 Uhr kann man anschließend schön ins Wochenende rein feiern – außer du kommst von weiter weg und musst noch Auto fahren.

Der diesjährige Start lag an einer wichtigen Brücke über die Fulda, die die Kernstadt mit dem Stadtteil Obermelsungen verbindet. Die Strecke führte über die Landstraße nach Elfershausen, das Ziel lag etwas abseits am Ende des Wegs am Dorfrand.

Alles recht ländlich hier … mag denken wer aus der Großstadt hier her kommt. Aber das ist nur die Oberfläche, und die ist krumm und bucklig. Es war ja ein Bergzeitfahren, und wer Bergkönig werden wollte hatte 210 Höhenmeter auf den 5,3 Kilometern Weg vor sich. Näher betrachtet stellt man rasch fest, dass die Leute hier wissen was sie wollen, und sie lassen sich auch nicht von Widrigkeiten aufhalten. Der Start erschien unscheinbar: ein paar Kreidestriche auf der Straße, ein Banner und einige Pylonen markierten den Ort des Geschehens. Mit rund 90 Starterinnen und Startern aller Altersklassen war das Rennen bereits Tage zuvor ausgebucht. Mehr ging nicht!

Am Start war fotografisch nicht viel auszurichten. Zum einen wegen dem verkehr, zum anderen stand die Sonne schon tief an jenem Septemberabend. Das Licht war hart, und es war damit zu rechnen, dass dort bald alles im Schatten versinken würde. Einem Tip folgend suchte ich mir einen Standort etwas ausserhalb an der Straße, und der Parkplatz eines Friedhofs kam da gerade recht, auch wenn der nur aus einer geschotterten Einbuchtung bestand. Von da hatte man Talblick, und es galt der alte Spruch: durch diese hohle Gasse müssen sie kommen! Nun, es war keine Gasse, und sie war auch nicht hohl. Dennoch hatte der Belag schon bessere Zeiten gesehen. Im Hintergrund fuhr bisweilen ein ICE über die Talbrücke.

Ausgerechnet an diesem Abend herrschte reger Verkehr auf jener Straße, die sonst eigentlich im Dornröschenschlaf liegt. Der Weg nach Melsungen führt gewöhnlich über die Autobahn A7, aber die Straßenverkehrsbehörde hatte an der Abfahrt eine Großbaustelle eingerichtet und die Landstraße, auf der das Rennen stattfinden sollte, als Ausweichroute deklariert. So fuhr denn mancher als Zuschauer wider Willen im Rennen mit, das ohne Sperrungen im üblichen Verkehr stattfand. Die Gesichter der Autofahrer waren sehenswert! Die durften eben zusehen, wie sie an den Radlern vorbei kamen.

So kam dann die Startzeit, und von da an sollte jede Minute jemand auf die Strecke gehen. Die Startliste war bunt. Alt und jung fuhren wild durcheinander, wie es halt so kam. Kurz vor Elfershausen waren die Abstände dann schon nicht mehr ganz so einheitlich, manchmal hatten sich Grüppchen gebildet – und den eigentlichen Schlussanstieg hatten die Teilnehmer da noch vor sich. Der Scharfrichter wartete kurz vor dem Ziel in jener Seitenstraße mit dem bezeichnenden Namen „Rasenweg“. Da war alles, nur kein Rasen!

Hört man die Jungs und Mädels so reden verstehen die sich großartig aufs Tiefstapeln. Der eine hatte sein Zeitfahrrad im Auto gelassen, es habe ja doch keinen Zweck, und war mit dem normalen Rennrad gestartet. Wer anders wiederum startete bei den Jedermännern unter 40 Jahre, und wurde Bezirksmeister. Wer Christoph Bentz kennt denkt eher an Triathlon, und da startet er in der Bundesliga! Wer nun aber keine Radsportlizenz hat weil er gerne sein Zeitfahren mit Schwimmen und Laufen kombiniert startet an diesem Tag bei den Jedermännern, auch wenn die Klasse eigentlich für unbeleckte Anfänger gedacht war, die den Einstieg in den Lizenzsport folgen lassen sollte. Verbandspolitik auf Abwegen?

Es lohnt sich für den Veranstalter schon, sein Rennen offiziell auszuschreiben. In diesem Fall hatte die erstmalige Ausschreibung etwa eine Verdreifachung der Teilnehmerzahlen zur Folge. Davor waren das weitgehend lokale Rennen mit anderweitiger Beteiligung aus Mundpropaganda. Die Sportler kamen aus allen Ecken der Republik, darunter einiges an sportlicher Prominenz. Bezirksmeister konnte dennoch nur werden, wer einem Verein aus dem Bezirk Kassel angehörte.

Die Örtlichkeit entwickelte sich rasch zur Sonnenuhr. Ganz große Ausgabe! Der Schatten der Bäume wanderte als Uhrzeiger, und nach etwa der Hälfte des Rennens hatten mich die Schatten der letzten Häuser des Dorfes erreicht, auch wenn die eigentlich hundert Meter weit weg waren. So hieß es mehrmals umziehen, um wenigstens soviel Licht zu haben mit den Bildern nicht durch den Tunnel zu fahren. Da ist es finster. Nach 19 Uhr in der Natur auch. Geholfen hat es leider nicht immer. Wie sagte schon Adenauer? Keine Experimente! Wie recht er hat.

Es war garnicht daran zu denken, als Fotograf am Wegesrand während des Rennens einen Überblick über den Sachstand zu behalten! Wer gewonnen hat und wessen Reden sich später als Tiefstapelei erwies erfuhr man erst anschließend im Vereinsheim, wo die Siegerehrung stattfand. Todiallee – auf solche Namen muss man erst mal kommen. Die liegt nicht ansatzweise in der Nähe des Rennens, und ohne Auto mit gutem Navi war sie kaum zu finden. Man mag garnicht glauben wie rasch man sich in so einer Kleinstadt verfahren kann! Zudem führte die Zufahrt zum Vereinsheim über einen steilen Stich, der erheblich steiler wirkte als die eigentliche Rennstrecke zuvor. Was man eventuell mal reparieren könnte wäre die Beleuchtung des Parkplatzes. Der lag nämlich stockfinster da. So lernt man einzuschätzen wie sich ein Blinder fühlen muss der jederzeit in die Stolperfalle tappen kann.

Die Siegerehrung dauerte lange! So spendable Sponsoren hat nicht jeder Verein. Die „Jedermänner“ erhielten Sachpreise, für die Lizenzfahrer sorgte die Sparkasse mit gewissen Umschlägen. Art des Inhalts kann bekannt sein. Der Sieger der Eliteklasse erhielt zusätzlich eine hochwertige Sportjacke.

Was dann folgte hatte Auswirkungen am nächsten Tag. Wer erst eine Minute vor Mitternacht ins Bett kommt braucht sich nicht zu wundern wenn danach alles schief läuft! Ich hatte eigentlich einen Besuch in Volkersbrunn beim Stenger-Bike-Cup, einem Sechsstundenrennen im Spessart, geplant. Hingefahren bin ich, rechtzeitig angekommen auch – aber dann ging so ziemlich alles schief was mit Fototechnik schief gehen kann! Dazu aber mehr in einem nachfolgenden Artikel …

Bilder folgen – auch wenn ich mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden bin. Die unbearbeiteten Fotos sind als Vorschau auf meinem NAS.

Ergebnisse findet ihr auf der Website der MT.