DGWR-CX #2, #3

DARMSTADT – Was machen zehn Leute mit Fahrrädern abends zwischen Duster und Siehstmichnicht auf einer abgelegenen Wiese im Südwesten Darmstadts? Sie suchen nach Glück. Sportliche Betätigung nach der Arbeit soll ja glücklich machen, wenn man daraus Erfolge sieht. So sagt man zumindest.

An der Winkelschneise findet man neben dem Sportplatz eine große Wiese, die vor allem bei Herrchen und Frauchen recht beliebt ist. Der Volksmund nennt sie daher nicht ganz ohne Hintergedanken „Hundewiese“. Es ist eben auch jener, der den Begriff des Glücks anders definiert als das gemeinhin der Fall ist. Da findet man dann leider auch jene Kakteen, die zurückbleiben wenn Pal und Whiskas ihren biologischen Kreislauf durch Hund und Katze vollendet haben. Diese zu entfernen fällt dem Klientel nur höchst selten ein.

Das sei ja der einzige Ort in der ganzen Stadt, an dem man sein vierbeiniges Familienmitglied noch frei laufen lassen könne! Warum wohl? Wenn man sich so aufführt (als ob man alleine auf der Welt wäre) darf man sich auch nicht wundern wenn Konsequenzen eintreten! Was man von allen anderen verlangt hat man selbst vorzumachen. Hier wie dort.

Was manchen dazu so einfällt … Die Sportler möchten doch bitte vier Wochen vorher durch städtischen Aushang auf ihr Training hinweisen lassen, damit man nicht geschockt sei wenn da sonst noch wer rumfährt!

Wie bitte?
Zunächst mal ist ein öffentliches Gelände eben genau das: öffentlich und deswegen für alle da. Da gibt es keine „älteren Rechte“! Wer etwas von anderen verlangt hat zunächst mal zu prüfen ob er oder sie selbst dazu überhaupt imstande wäre. Spätestens hier tritt die Sinnlosigkeit mancher Wünsche zutage. Dasselbe gilt für jene, die überall seltene Pflanzen und Käfer wähnen, die man doch durch Anwesenheit nicht stören dürfe. Merkwürdigerweise finden sich die überall, nur nicht bei jenen im eigenen Garten. Zudem findet auf eben dieser Wiese alljährlich auch ein großer Crosslauf statt, und dazu sagen die Damen und Herren auch nichts weil da die Stadt schon ihre Hand drüber hält. Das ist ja auch in Ordnung so. Warum also sollen dort nicht zehn Leute eine Stunde lang Sport treiben?

Es braucht nicht viel: eine Idee, eine formlose und zumeist sehr kurzfristige Einladung, etwas Flatterband, ein paar Dutzend Stöcke zum Halten des Bandes – fertig ist ein kleiner Crossparcours.

Radcross, oder altbacken Radquerfeldeinfahren, ist wenn man andere Reifen aufzieht und beim Rennradfahren die Straße vergisst. Der Kurs enthält, was die Natur vor Ort eben bietet. Nur eben keine Straßen. Hauptsächlich nutzt man die vorhandenen Wege und Trampelpfade, man ist ja keine „Umweltsau“. Die historischen Hinterlassenschaften von Adolf dem Braunen werden dabei ebenso mitgenutzt wie die Überreste an Bauschutt, die sich rein zufällig als Wall am Rande der Wiese niedergelassen haben. Auf und nieder, immer wieder. Da liegt dann ganz zufällig auch mal ein abgestorbener alter Baum im Weg.  Alles andere wäre ja langweilig.

Wer kommt da?
Alles vom Anfänger bis zum Semiprofi! Jedermannsportler ebenso wie Vereinsfahrer, und selbst Meister ihres Fachs sind sich nicht zu schade mit Nobodys eine Runde zu drehen und ihr Wissen weiter zu geben. Heute keine Neueinsteiger, morgen keine Champions! Von den Vereinen kommt da leider recht wenig Initiative. Die geht von einzelnen Sportlern aus, die ehrenamtlich für ihre Mitsportler etwas organisieren.

Die Truppe zog sich nach dem Start rasch auseinander, und nach der zweiten der vierzehn Runden hatten wir gestern ein lustiges Einzelzeitfahren anderer Art. Da waren es ein paar Wochen zuvor an gleicher Stelle doch noch ein paar kleinere Grüppchen, die da ihre Runden drehten.

Nächster Termin, andere Leute. Wo und wann der stattfindet? Wenn ich das wüsste! Es gibt keinen Verantwortlichen, wenn – mal wieder – wer dumme Gedanken hat und den blauen Klaus ruft! Selbstschutz in einer Zeit, in der Training Naturfrevel ist, aber alle Weltmeister sein wollen?! Ort und Zeit der nächsten Veranstaltung wird wie üblich durch Mundpropaganda in den sozialen Medien kurzfristig verteilt.

Der Abend endete mit geselligem Zusammensein, bis die Dunkelheit alle wieder nach Hause scheuchte.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

(Es werden Daten von Youtube geladen. Wenn Sie den Play-Button drücken stimmen Sie den Bedingungen von YouTube zu!)