Vulkan-Bike Eifel-Marathon DM XCM

DAUN – Zwischen Rhein, Mosel und der Ahr liegt die Eifel ohne Zweifel wunderbar – weiss eine alte Volksweise zu berichten. Ob das die TeilnehmerInnen bei der Marathon-DM, die gerade dort stattgefunden hat, auch so sehen – man weiss nicht.

Petrus hatte bei der Erörterung des Vorhabens anscheinend nur mit halbem Ohr zugehört, und lieferte Crosswetter! Regen, Regen, Regen – und in den Höhenlagen auch noch dicken Nebel! Das war dann ein Rennen in den Wolken. Dazu war es nach den letzten heißen Wochen plötzlich ziemlich kalt.

An der Autobahn A1 recht verkehrsgünstig zwischen erloschenem Vulkan, Truppenübungsplatz und Eifelmaaren gelegen bietet Daun als Veranstaltungsort einige Vor-, aber auch einen ganz gravierenden Nachteil. Du kommst um diese Uhrzeit ohne Auto faktisch nicht da hin! Gab es früher noch verschiedene Kleinbahnen, die die ländliche Region erschlossen, so ist davon jetzt nur noch jener Radweg geblieben, dem wir im Grunde genommen dieses Rennen verdanken. Heute fahren noch Busse ab Cochem, für die laut Auskunft Aufpreis und Extrafahrscheine verlangt werden. Oder du fährst mit der Kirche ums Dorf. So wird das nix mit der Verkehrswende!

Das galt auch für die meisten der 13 (!) offiziell ausgewiesenen Parkplätze in der Stadt. Folgte man der Beschilderung war das eine „Einladung zur Stadtkasse“, denn die erlaubten drei Stunden reichten für eine ganztägige Veranstaltung vorn und hinten nicht. Ich würde mich nicht wundern wenn die Politessen hernach dort aktiv geworden wären. Mich musste es nicht interessieren, hatte ich doch einen „etwas abseits“ gelegenen, aber diesbezüglich ungefährlichen anderen Parkplatz gefunden. Die bei der Stadt für Tourismus zuständige Abteilung sollte sich hier dringend etwas einfallen lassen, einladend ist anders.

An der Titelzeile der offiziellen Ausschreibung im Verbandsblatt „VulkanBike Eifel-Marathon mit Deutscher MTB-Meisterschaft“ ist etwas Wahres dran.
Die DM, so erscheint es, wurde auf den eigentlichen Marathon aufgepfropft wie eine andere Obstsorte auf einen Baum. Da hatte man das DM-Rennen vorgeschaltet, in dem nur die deutschen Lizenzfahrer starten durften, die ausländischen fuhren um 9 Uhr denselben Kurs quasi hinterher. Es war genau derselbe, 101 Km lang mit 2400 Höhenmetern, und es gab bei diesem Ultramarathon hinterher augenscheinlich auch nur eine Wertung. Die anderen Streckenlängen unterschieden sich nur durch unterschiedliche Abkürzungen vom Original.

War den Verantwortlichen vielleicht durchaus bewusst, dass die aus der ganzen Republik angereisten Lizenzsportler, die die DM austrugen, ohnehin nicht im Jedermannrennen gestartet wären? Am selben Wochenende ist in Furtwangen ja auch noch der Schwarzwald-Bike-Marathon, nämlich heute, und die Asse, die bei dieser DM die Sache unter sich ausmachen dürften, kommen räumlich eher nach Furtwangen als in die Eifel. Wenn man ihnen die Wahl lässt … Manche tun sich beide Rennen nacheinander an, und Furtwangen ist mit 120 Km noch einmal etwas länger.

Ein Blick in die Meldeliste sagt einiges. Da wäre der Vorjahrssieger und (noch) amtierende Meister Julian Schelb aus dem Münstertal, der ja gerade eben den Rothaus-Bike-Giro quasi bei sich zuhause gewonnen hat, ebenso wie sein Dauerrivale Simon Stiebjahn oder der Wahl-Freiburger Sascha Weber. Alle drei sind Titelaspiranten erster Wahl. 87 Meldungen umfasst die Liste bei den Männern und 27 bei den Frauen, allen voran Sabine Spitz, die nicht nur bekanntermassen dazu fähig ist, sondern ebenso bereits ihr Karriereende angekündigt hat und sich sozusagen auf´s Altenteil vorbereitet. Wäre da ein (weiterer) Titel nicht eine schöne Zugabe? Zum Schluss musste sie der jüngeren Konkurrenz Tribut zollen, und wurde Dritte hinter Janine Schneider und Nadine Rieder.

Das war also ein „schießwütiger“ Vormittag, als da am Marktplatz ab 8:30 Uhr im Halbstundentakt die Biker über verschiedene Distanzen auf die Reise geschickt wurden, angefangen beim Ultramarathon bis hin zum Schülerrennen, das sich mit 35 Km und immer noch 900 Hm begnügte.

Dem vorangegangen war bereits am Freitag Abend die Mannschaftsleitersitzung ebenso wie ein Nachtrennen mit prominenter Beteiligung. Das ist bei Deutschen Meisterschaften mittlerweise fast schon üblich so. Versucht man da etwa, Hotelbetten belegt zu bekommen? Zum einen darf bezweifelt werden dass es in der Region genügend davon gibt, auch wenn sich rein zufällig in Startnähe eins davon befindet – zum anderen wird die übergroße Mehrheit der Betroffenen ohnehin mit dem Wohnmobil reisen weil sie es fortwährend brauchen, und damit nebenbei die ohnehin schon knappen Parkplätze belegen. Immerhin ist Samstag Morgens noch Geschäftszeit, und die Großparkplätze der Supermärkte damit als Ausweichmöglichkeit in aller Regel nicht nutzbar.

Das Geschäft der Saison machte an diesem Morgen aber der Bäcker, dessen Ladenlokal ganz zufällig genau an der Startlinie lag. Der war gut besucht wie selten und verkaufte Frühstück von der Stange. Das dort erhältliche Einback war später auch ein guter Ersatz fürs Mittagessen, denn wenn der eigentliche Caterer mehr Geschirrpfand verlangt als anderswo die Wurst kostet kann zumindest ich nicht umhin, nach Lösungen zu suchen. So üppig hab ich’s ja nun auch nicht!

Kommen wir zum sportlichen Teil.

Rasant solle es zugehen, wie der Geschäftsführer des Veranstalters, Markus Appelmann, vorab auf Youtube verraten hat. Für die 100-Km-Ultramarathon-Runde sind Durchschnittsgeschwindigkeiten von 30 Km/h und mehr vorgesehen. Ob das dann noch Spaß macht? Von der schönen Landschaft dürften die Teilnehmer jedenfalls nicht viel gesehen haben, aber wer Deutscher Meister werden wollte musste das wohl in Kauf nehmen. Das Foto zeigt die rund 20köpfige Spitze des Feldes, zu dieser Zeit nach rund einem Drittel des Rennens bei den Maaren. Sie hielten sich an den Zeitplan, und wer sich nicht genug auskannte in dem Gebiet hatte Mühe, auch mit dem Auto rechtzeitig dort zu sein wo die Musik spielte.

Es gab zwar einen offiziellen Bus-Shuttle, aber bis der um 9:45 Uhr in der Stadt erstmalig losfuhr war die Messe oben am Berg schon gelesen. Das war also bestenfalls etwas für den Begleittross der Jedermänner. DM-Berichterstatter mussten sich selbst helfen.

Zusammen mit den Senioren standen da also rund 200 Lizenzsportler bei der DM einem Mehrfachen an Freizeitfahrern beim eigentlichen Eifelmarathon gegenüber. Ging es für Erstere um den Titel eines Deutschen Meisters, ging es für alle anderen „nur“ um Ruhm, Ehre und die Überwindung des inneren Schweinehunds. Bei dem Wetter keine Frage! Standen die Meister gegen Mittag fest, durften sich die anderen mindestens doppelt soviel Zeit lassen zum Freiluftduschen. Trotzdem hatten auch da einige das Messer zwischen den Zähnen!

Es ist ein bedauerlicher Nachteil, dass viele Marathons aus „nur“ einer langen Runde bestehen, die zwar landschaftliche Schönheiten für die Sportler bot, für die Zuschauer aber mehrere Stunden Langeweile bedeuten konnte, denn sie bekamen die Fahrer erst wieder zu Gesicht als diese im Ziel ankamen. „Hinterherfahren?“ – man kann´s versuchen, es führt aber oft zu nichts! Außer du hast gerade viel Glück und den Zufall auf deiner Seite. Zum einen bedarf das einer gewissen Ortskenntnis, noch viel mehr Vorplanung soweit möglich – zum anderen ist die Strecke sozusagen „amtlich geheimgehalten“. Die Forstämter sorgen sich anscheinend immer noch, die Bevölkerung könnte tun was die Ärzte fortwährend empfehlen: sich Bewegung verschaffen und einen schönen Kurs zum Radfahren nutzen. Statt die Gelegenheit beim Schopf zu packen und eine neue geregelte Attraktion für eine Region zu schaffen, die vom Tourismus lebt, scheint es als ob man auch dort immer noch das tote Pferd reitet und Naturschutz als Schutz vor Besuchern versteht. Sicher gab es den Kurs als Datei für Navigationsgeräte, aber welcher ansonsten unbeleckte Normalverbraucher kann damit etwas anfangen? Das Auto kannst du damit nämlich nicht programmieren.

Apropos landschaftliche Schönheiten: In der relativen Nähe von Daun liegen drei Eifelmaare. Das sind jene historischen Naturbadewannen, die übrig blieben als Vulkane erst den Geist aufgaben und danach Regenwasser eine neue Heimat suchte. Viel davon zu sehen gab es an diesem nebligen Tag leider nicht. Daneben gibt es am Stadtrand ein altes Viadukt, darauf nun statt der Eisenbahn ein Radweg, der eben Bestandteil der Rennstrecke war. Wer nach Durchquerung des vorgelagerten Tunnels mit dem bezeichnenden Namen „Großes Schlitzohr“ dort ankam war auch schon fast wieder im Ziel, weshalb sich Zuschauer entscheiden mussten, ob sie ihre Helden dort oder eben in der Stadt empfangen wollten. Beides ging nicht! Ab 11:30 Uhr war der Weg gesperrt, und die Sperrung dauerte bis 17 Uhr abends.

Was tat sich inzwischen beim Rennen?
Wie oben gezeigt bestand die Spitzengruppe nach rund einem Drittel der Distanz aus 20 Mann, darunter alle potentiellen Titelaspiranten. Es sollte ein Abnutzungskrieg werden. Später wurde berichtet, die Gruppe sei auf sieben Mann zusammengeschrumpft. Zum Zielsprint kam es zwischen drei Sportlern, die bereits drei Wochen zuvor im Schwarzwald für den Fall kräftig geübt hatten. Das Glück auf seiner Seite hatte auf der Ziellinie ein zufriedener Sascha Weber, auch wenn sein Abstand zu einem frustrierten Julian Schelb lediglich eine Zehntelsekunde betrug. Diesmal ließen sich die zwei nicht von Stiebi den Schneid abkaufen, wie es ihm noch in Rothaus gelungen war. Weber machte in der Kurve jene zu, und Schelb war danach entsprechend „bedient“. Was so ein Blumenbeet „an der passenden Stelle“ ausmachen kann! Da kam er innen nicht mehr vorbei. Auch Stiebjahn machte als Dritter in den Onlinemedien aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. Es kann bei einer Meisterschaft leider nur einen Sieger geben – wie ich das sehe hatte ich bereits zum Bike Giro geschrieben. Ginge es nach mir gäbe es drei Sieger und kein Trikot, das danach nur im Schrank verstaubt. Dafür kann sich später kaum einer was kaufen. Dafür aber seid ihr alle Drei große Vorbilder für die Jugend, denn ohne Nachwuchs ginge der Sport nicht weiter!

Dasselbe gilt auch für alle die Unterstützer, die durch ihren Beitrag ein solches Rennen überhaupt erst möglich gemacht haben!

Die Ergebnisse findet ihr bei Rad-net. Meine Bilder sind auf dem NAS. Derzeit noch im Labor, später dann eingereiht bei den Jahrgängen.

Hoffen wir, dass die Enttäuschten diese möglichst schnell überwinden. Wenn man das nämlich auf die anderen umlegt müsstet ihr sonst bald alleine gegeneinander fahren. Für die vielen Hundert anderen Teilnehmer stand eigentlich schon vor dem Start fest, dass sie mit der Entscheidung wenig zu tun haben werden. Gekommen sind sie trotzdem, auch bei dem Wetter, um eine schöne Runde zu fahren.