Rothaus Bike Giro Hochschwarzwald 2019

ROTHAUS / FELDBERG – Aller guten Dinge sind drei?
Zum nunmehr dritten Mal fand rund um Maischebottich und Feldberghöhen das viertägige MTB-Spektakel statt. Der Nachfolger der Vaude Trans-Schwarzwald hatte in diesem Jahr die Strecke vom letzten Mal geerbt, nur exakt anders herum. Zwei Etappen rund um die Brauerei Rothaus sowie ein Einzelzeitfahren und die Schlussetappe auf dem Feldberg und drum herum.

Zweimal hat Stiebi – Simon Stiebjahn – die Serie gewonnen. Die Strecke stammt aus seiner Feder, und niemand wird behaupten wollen er kenne sich in seinem Trainingsrevier nicht aus. Schließlich wohnt er im nahe gelegenen Titisee-Neustädter Stadtteil Langenordnach. Sollte nun der Hattrick folgen, der dritte Sieg in Folge?

Wäre es nach ihm gegangen sicher gerne, nur zwei hatten was dagegen: Julian Schelb und Sascha Weber. Eigentlich müsste man rückblickend sagen es waren drei, aber der Reihe nach …

Es begann am Donnerstag mit der ersten Runde. Start und Ziel befanden sich im Hof der Badischen Staatsbrauerei Rothaus, einer malerisch gelegenen Ansiedlung. Ganz in der Nähe liegt der Ort Grafenhausen und nur wenige Hundert Meter entfernt das Heimatmuseum Hüsli. Das Ganze ist nur wenige Kilometer vom Schluchsee entfernt.

Nach der obligatorischen Einschreibung der Teilnehmer fiel um 13 Uhr nachmittags dann der Startschuss, und das Feld machte sich auf den Weg. Zurückzulegen waren 66,2 Km mit 1550 Höhenmetern, was durchaus einem kleinen Marathon entsprach. Die Teilnehmerliste zeigt 304 Einträge an, quer durch alle Altersklassen. Da waren die Jungspunde ebenso vertreten wie die 70jährigen. Die Musik aber spielte bei den Elitefahrern, sprich bei den Profis. Da waren wie gesagt drei, die vom ersten Tag an die Rechnung um den Gesamtsieg und damit um das Scheckbuch unter sich ausmachten. Sascha Weber, Julian Schelb und eben Simon Stiebjahn. Bei den Damen sah man ein altbekanntes Gesicht wieder. Sabine Spitz hatte ihre Rennpause beendet. Im Gegensatz zu den Amateuren, die Sachpreise erhielten, waren die Plätze bei den Lizenzfahrern gemäß UCI-Reglement mit Geldbeträgen dotiert.

Wer nun davon ausging, es mit einer Schönwetterveranstaltung zu tun zu haben, irrte. Im Schwarzwald ändert sich das Wetter manchmal rasch, und so stand man zur Halbzeit des Tages in Höchenschwand im strömenden Regen. Regen war eigentlich untertrieben, die Luft bestand weitgehend aus Wasser! Aber das war der Spitze da vorne nur recht, wie sie selbst voll Überzeugung zum Besten gaben. Je mehr Matsch desto … Quer ist mehr!

Der erste Tag endete so, wie die drei folgenden weitergehen sollten, nämlich mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen und Hochspannung. In einem packenden Zielsprint kämpfte Stiebjahn seine Konkurrenten nieder, nachdem zur Einfahrt in den letzten Anstieg die Reihenfolge noch anders ausgesehen hatte und Sascha Weber ohne weiteres die Kurve hätte zumachen können. Hat er aber nicht – großer Sportsgeist! Dritter wurde am ersten Tag Julian Schelb. Die Abstände waren und blieben marginal.

So ähnlich ging das auch am zweiten Tag dann weiter. An gleicher Stelle, aber morgens um 10 Uhr ging die Reise weiter, wieder über 75,1 Km gleich 2161 Höhenmeter. Es war gleich am zweiten Tag die Königsetappe angesagt. Anscheinend wollte da jemand Klarheit über die Verhältnisse haben. Die aber bekam er nicht!

Von Grafenhausen aus ging es über Rötenbach zur Hochfirstschanze in Neustadt, und über Lenzkirch wieder zurück. Nach den Regenfällen des Vortags hingen die Täler morgens voller Nebel, der Boden war tief, aber auf den Höhen schien die Sonne. Im Ziel hatte sich dann im Vergleich zum Vortag etwas kleines aber entscheidendes verändert. Es waren zwar immer noch die gleichen drei Fahrer vorne, aber Julian Schelb war diesmal einen Tick schneller. Das gelbe Trikot blieb aber noch bei Simon, wenn auch nur hauchdünn.

Es folgte der Umzug auf den Feldberg, oder besser gesagt zum Feldberger Hof. Nach oben zum Seebuck, dem Vorhof des eigentlichen Feldbergs, führt eine Seilbahn, den Rest muss laufen wer da rauf will. Die Sportler blieben unten … Auf der großen Wiese vor der Seilbahn hatten sie ihr Lager aufgeschlagen, und die übrigen Tagesgäste nahmen das Rennen interessiert zur Kenntnis. Es folgte am Samstag Nachmittag das Einzelzeitfahren, wobei niemand behaupten sollte man könne nicht quer durchs Gelände ein Rennen gegen die Uhr veranstalten. Man kann!

Gestartet wurde in umgekehrter Reihenfolge des Zwischenstandes, die Führenden also ganz am Schluss. So blieb es bis zuletzt spannend. In den absolut fordernden Kurs war eingebaut, was die Örtlichkeit so hergab – von steinigen Wegen, Trails, Bachüberfahrten bis hin zu einer megasteilen Skibrücke, die im Winter den Skifahrern das Überqueren der darunter entlangführenden Bundesstraße im ersten Stock erlaubt.

Die Zeitunterschiede zwischen den drei Ersten betrug im Ergebnis gerade mal 13 Sekunden, wobei zum Schluss Julian Schelb die Nase um 6 Sekunden vor Simon Stiebjahn hatte. Man darf also getrost von relativer Leistungsgleichheit sprechen, wenn zum Ende der vier Tage und bei einer Gesamtfahrzeit von mehreren Stunden gerade mal ein paar Sekündchen den echten oder vermeintlichen Unterschied ausmachten. Dennoch – das gelbe Hemd wechselte heute den Besitzer, bei eben mal 6 Sekunden Differenz zwischen den beiden Ersten.

Die Schlussetappe sollte also die Entscheidung bringen, und führte später am Sonntag Nachmittag zu einer kuriosen Situation. Denn im Ziel waren sie wieder Kopf an Kopf zugange. Simon ganz knapp vor Julian, aber er hätte die Etappe gewonnen. Zumindest glaubte man das rund zwei Stunden lang. Dann kam eine merkwürdige Durchsage, denn die Kommissare spielten Zahlenlotto!

Sieben Fahrer hatten eine zehnsekündige Zeitstrafe erhalten, weil sie – egal ob wirklich oder behauptet – die Strecke falsch gefahren seien.

Nun, aus der aktuellen Ausgabe der Badischen Zeitung kann man erfahren, dass es sich bei dieser Stelle um die Abfahrt in den Todtnauer Kurpark gehandelt haben muss. Die kenne ich aus eigener Ansicht vom letzten Jahr her. Man kann dort entweder den direkten Weg über eine Treppe nehmen, was für geübte Profis technisch kein Problem sein sollte, oder den Chickenway, der allerdings Extrameter bedeutete. Nun wurde das, was im Jahr davor fast alle gemacht haben, bestraft, und wundersamerweise um ziemlich genau den Zeitbetrag, der das Etappenergebnis auf den Kopf stellte. Am Gesamtergebnis hätte sich nichts geändert, Julian Schelb ist der Sieger des Giro.

Was laut Reglement korrekt sein mag hat nun aber ganz andere Folgen, an die Sportler gewöhnlich nicht denken. Als Berichterstatter hast du zwei Möglichkeiten: Du riskierst es und gibst das Zielbild heraus, oder du wartest bis das Ergebnis offiziell ist. Das aber ist es frühestens nach der Siegerehrung, wo gewöhnlich die Teams mit dem Handy sich eigene Bilder machen. Da ist dein Bild dann keine Nachricht mehr. Nichts ist älter als das was schon jeder kennt!

Ohne es wohl gewollt zu haben hat man damit die Berichterstatter zu Entenjägern gemacht, und damit in zweiter Reihe ihre Arbeit überflüssig. Den sozialen Medien sei Dank!
(zur Erläuterung: In den Medien bezeichnet man eine Falschmeldung als „Ente“. Nach der Zeitstrafe stimmte das Zielbild ja nicht mehr mit den Gegebenheiten überein.)

Meiner ganz persönlichen Meinung nach wäre es gerecht gewesen alle drei zu Siegern zu erklären und auf dieselbe Stufe zu stellen statt sich um Sekunden zu ärgern was sportlich nichts bringt. Bei einer Gesamtfahrzeit von etwas über 7,5 Stunden sind 14 Sekunden weniger als Haaresbreite, und auch die 1:16 Minuten des Dritten Sascha Weber machen sportlich kaum einen Unterschied.

Noch weitaus klarere Verhältnisse gab es bei den Damen. Robyn de Groot aus Südafrika eroberte bei der ersten Etappe das Trikot – und gab es bis zum Schluss nicht mehr her. Zweite wurde Sabine Spitz. Über alles waren die Damen rund zwei Stunden länger unterwegs als die Herren.

Zur Illustration findet ihr weitere Bilder auf meiner NAS, die Ergebnisse bei Abavent. Offizieller Fotograf ist Sportograf, Bildanfragen richtet bitte dorthin.

In rund vier Wochen findet in Neustadt an eben erwähnter Skisprungschanze der Wäldercup statt, das diesjährige Finale der MTB-Bundesliga. Ich bin gefragt worden ob ich komme …
Nun, darauf kann ich derzeit nur wie folgt antworten: von mir aus herzlich gerne, allerdings gibt es nach der offiziellen Webseite des Veranstalters und den dortigen Aussagen dafür keine reelle Chance. Man verlangt als Akkreditierungsvoraussetzung den Presseausweis – und den darf man in Deutschland als Blogger nun mal nicht haben, weil unsereins nicht kommerziell arbeitet. Das ist der erklärte Wille des Deutschen Journalistenverbands, und der sportliche Veranstalter setzt sich auf dieses Pferd drauf. Bei anderen vergleichbaren Rennen hat man dann später hören und lesen dürfen, es sei ja gar keiner gekommen … Warum wohl? Potentielle Berichterstatter mit Presseausweis gibt es kaum eine Handvoll, die sich für das Thema interessieren, weil sie gemeinhin vom Interesse daran nicht leben können, aber müssten, und andere sperrt man erklärtermaßen aus! Klassisches Eigentor. Freudenstadt tickt genauso.