Nordhessenrundfahrt

KNICKHAGEN – „Drei Tage ohne Panne“ – unter diesem Motto gibt es seit einigen Jahren diese von der Zweiradgemeinschaft Kassel veranstaltete Radrundfahrt. Sie besteht aus drei Etappen, von denen heute in Knickhagen, einem Teil der Gemeinde Fuldatal, das Bergzeitfahren stattgefunden hat.

Es ist ein beschauliches Fleckchen Erde, diese nördlichste Ecke Hessens, ganz am Südhang des Reinhardswalds gelegen. Von Frankfurt aus fährt man etwa drei Stunden dort hin, vor allem an Freitag Nachmittagen wenn all jene unterwegs sind, denen es an der nötigen Übung fehlt! Die A5 war gestern von Alsfeld bis fast zur diesjährigen Hessentagsstadt Bad Hersfeld völlig zugestaut, und das auch weil Hessen Mobil sich erlaubt hat, kilometerweit einen Fahrstreifen für eine imaginäre Baustelle abzutrennen, die nur auf den letzten Hundert Metern der Strecke überhaupt existierte! So erzeugt man ohne Not künstliche Flaschenhälse, und wenn dann noch ein paar Linksschleicher wie auch die fast schon üblichen nach Osten strebenden LKW-Kolonnen dazukommen ist das Chaos perfekt. Obwohl nach der Arbeit um 15 Uhr sofort aufgebrochen sah es lange Zeit so aus als ob ich nicht um 19 Uhr zum Start dort sein würde! Aber Aufgeben gilt nicht.

Der Startplatz lag dann schließlich mitten im offiziell 272 Einwohner zählenden kleinsten Teil der Gemeinde Fuldatal vor dem Dorfgemeinschaftshaus. Obwohl man nur gerade mal die Stadtgrenze zu Kassel überschreiten musste um dorthin zu gelangen merkte man den Unterschied zwischen Stadt und Land dort in geradezu herausfordernder Weise! Während in der Stadt moderne Infrastruktur kein größeres Problem sein sollte hat man dort knall auf fall kein Netz, oft nicht mal zum telefonieren, von WLAN ganz zu schweigen, und auch der öffentliche Nahverkehr glänzt vor Abwesenheit. Wer da hin kommen wollte brauchte ein Auto, auch wenn das den Grünen garnicht in den Kram passt, und so war denn auch jedes Fleckchen am Straßenrand und darüber hinaus zugeparkt. Wen wundert’s? ÖPNV – wenn du ihn brauchst ist er nicht da!

Das Rennen selbst war für unsere Verhältnisse außergewöhnlich gut besucht! Da waren den Nummernschildern und Trikots nach zu schließen Leute aus allen Teilen der Republik angereist, und das wegen eines relativ kleinen, ausserhalb der Szene kaum bekannten Rennens. Das versprach eindrucksvoll zu werden!

Am Start, der gegen 19 Uhr in Blöcken mit Abständen von je einer Minute erfolgte, standen denn auch mehr Teilnehmer je Klasse als anderswo im ganzen Rennen. Im Publikum hatten sich jedoch auch Fehlerteufel und Defekthexe eingeschlichen, die gleich zu Beginn das Motto der Veranstaltung ad absurdum führten.

Auf den Höhen von Kassel steht ein ganz besonderes Wahrzeichen, der Herkules. Sinnbild für Manneskraft muss er auf die Einwohnerschaft zu seinen Füßen abgefärbt haben. So schaffte ein Mitglied des ausrichtenden Vereins kaum 100 Meter hinter der Startlinie denn auch eine selten auftretende Sensation.

Man hörte es krachen, noch bevor der Anstieg richtig begonnen hatte! Glaubte man ohne hinzusehen an eine gerissene Kette oder ein verbogenes Schaltauge, was ja mitunter mal vorkommen mag, so hat es jener junge Mann tatsächlich geschafft, sein Kettenblatt in Teile zu zerlegen! Das Rennen war für ihn damit natürlich gelaufen.

Dem Rennen selbst konnten die Zuschauer nicht folgen, denn die Sportler waren nach dem Massenstart ausser Blickweite. Hinterher fahren brachte wenig, stand das Auto doch mehrere hundert Meter entfernt und die Fahrer brauchten schätzungsweise lediglich eine gute Viertelstunde für das Rennen, das zwar als Rundstrecke ausgeschrieben war, in Wirklichkeit aber aus einem Weg den Berg hinauf und wieder zurück bestand. Das Ziel lag acht Kilometer entfernt bei „Schneider’s Baum“. Die Stelle lag allerdings bei näherer Betrachtung an einer gut ausgebauten Landstraße, und Bäume gab es mitten im Wald reichlich viele. Es gab dort auch einen kleinen Parkplatz, und wer genug im Unterholz suchte fand auch einen ziemlich heruntergekommenen Baumstumpf, der einmal in besseren Tagen jener Baum gewesen sein mag. Dass man dort richtig war zeigte allerdings nur ein Hinweisschild auf dem Wanderparkplatz gleichen Namens.

Die Siegerehrung sollte gegen 21 Uhr auf dem dortigen Campingplatz stattfinden. Aufgrund der logistischen Umstände der Hinfahrt wollte ich gestern Abend nicht solange warten und machte mich auf den Heimweg, damit ich noch am selben Tag wieder zuhause ankomme. Das dauerte dann doch bis nach 23 Uhr.

Heute findet dann nebenan in Immenhausen noch ein Rundstreckenrennen sowie morgen in Espenau-Hohenkirchen ein Straßenrennen statt. Das Rundstreckenrennen im Gewerbegebiet entspricht wohl eher einem der hinlänglich bekannten Rennen „Rund um den Kirchturm“, und das Straßenrennen holt zu einer etwas weiteren Runde über Wirtschaftswege des Umlands aus. Sicher wäre das ein interessantes Fotomotiv, allerdings steht es zeitlich in Konkurrenz zum Viactiv-Cup, der am gleichen Tag am Jagdschloss Platte bei Wiesbaden stattfinden wird.

Sollten die Termine im kommenden Jahr günstiger fallen so möchte ich nicht ausschließen mir dort mal ein Zimmer zu nehmen und die Rundfahrt ganz zu erleben. Allerdings sind auch Hotels am Ort wohl eher dünn gesät, und ein Fotograf und Blogger braucht nun mal eine gewisse Mindestausstattung an technischer Infrastruktur, um seiner Tätigkeit nachgehen zu können. Dazu zählen vor allem Netzanschluss und Steckdosen.

Hier sind Ergebnisse von Freitag. Bilder sind auf meinem NAS vorhanden. Folgt dazu bitte dem Link im blauen Kästchen oben rechts auf dieser Seite.