11. Kriterium in Hanau

HANAU – Mannschaftsdienliches Fahren nach dem Lehrbuch hätten gestern Zuschauer in Hanau erleben können, wären denn welche da gewesen. Den Vorwurf der faktischen Nichterreichbarkeit, zumindest für Menschen ohne Auto, muss sich die Stadt Hanau ans Bein binden lassen. Sucht man in der Fahrplanauskunft, so findet man dass die nächsterreichbare bediente Bushaltestelle mehr als 800 Meter entfernt lag. Das ist für Ortsunkundige keine Wahl, und mit dem Auto war es ebenso schwierig. Aussagen von der Veranstaltung nahestehenden Personen konnte man durchaus auch so interpretieren, dass man seit der Vertreibung aus der Innenstadt – wo so ein Rennen eigentlich ohne Frage hingehört – etwas abgeschieden liege. Abgeschieden ist da im Grunde genommen noch massiv untertrieben. Zwar lag die Veranstaltung in der Nähe des Einkaufszentrums Kinzigbogen mit einem riesengroßen Parkplatz, aber von da den Weg zum Start zu finden erforderte doch einen Stadtplan.

Den Anfang machten die Senioren und die Damen, gefolgt von den Schülern auf dem 1,7 Km langen Rundkurs, der zeitgleich den Eindruck einer Stadtautobahn machte. Es mutete doch seltsam an, wieviele LKW an einem Pfingstmontag ganz urplötzlich munter wurden und wieviele fusskranke Senioren gerade dann im SUV da lang mussten. Ein Schuft der Übles dabei denkt?

Was dann da als Hobbyrennen ausgeschrieben war entpuppte sich als 1.Schritt. Da standen lauter Kinder am Start, während man üblicherweise in Hobbyrennen all jene findet, die als Erwachsene keine Lizenz gelöst haben, also ein Sammelbecken aus Ein- und Umsteigern. Die drei Runden waren rasch gezählt, wobei währenddessen die ersten Tropfen auf das hindeuteten, was sich in der Umgebung tat. Zunehmend graue Sachen tummelten sich da am Firmament.

Um die Mittagszeit folgte dann mit dem Rennen der Junioren U19, die zusammen mit den Senioren4 zwei Rennen in einem austrugen, das erste Beispiel dafür, wie man Kriterien gewinnt. Andere nannten es Paarzeitfahren, was Luis Burghardt und Angelo Kerkmann da vorführten. Da trotz der gemeinsamen Dominanz von vereinsinterner Konkurrenz zu reden ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen, wenn man unterwegs die mitunter deutlich geführten Dialoge hörte: „Du! spurtest!! nicht!!!“ So ganz nach dem Motto „Wehe du machst mir den Pokal streitig!“

Das Hauptrennen zum Abschluss des Tages brachte dann aber eine andere Interpretation der alten Weisheit „Blau ist ein Zustand!“. Dabei ging es weniger um ein öffentliches Besäufnis, sondern eher um die Teamfarben von „Erdinger alkoholfrei“. Die Mannschaft aus Bellheim in der Pfalz führte eindrucksvoll vor, wie man das Treppchen für sich organisiert. Kurz nach dem Start und der ersten Wertung begann das Spielchen mit einem Ausreissversuch von Georg Loef.

Der sass da auf seinem Rad als wäre er bei der Zeitfahrmeisterschaft oder beim Triathlon, setzte sich vom Feld ab und fuhr allen um die Ohren. Für die Überrundung brauchte er etwa 20 der 45 zu fahrenden Runden. Dann hatte er genug Wertungen gesammelt, um uneinholbar zu sein. Sein Teamkollege Simon Redmers begann daraufhin dasselbe Spiel, mit einem ähnlichen Ergebnis, und durch eine etwas ausserplanmäßig gewonnene doppelte Schlusswertung erstieg auch Philipp Küllmer das Podium an zweiter Stelle.

Also standen da drei aus derselben Mannschaft, und es fiel schwer zu glauben dass das vorher nicht besprochen worden war.

Die Heimmannschaft „Hessen-Frankfurt-Opelit“, besser bekannt als Sossenheim, hatte sich währenddessen Verstärkung aus einem der Sage nach flachen Land nordwestlich unserer Republik mitgebracht. Da stand dann mit Steven Willemsen ein Niederländer an der Startlinie, und sein Trikot trug eine provokante Aufschrift: „Kannibaal“. Was Kannibalen gewöhnlich zu tun pflegen kann bekannt sein, andere machten ihm da aber wie gesehen das Leben schwer. Zum Schluss wurde er Achter, damit aber immerhin Bester seiner Mannschaft.

Ergebnisse folgen. Mehr Bilder sind auf dem NAS.