Bundesliga

Foto: Symbolbild/Archiv

In diesem Text ist eigentlich speziell von der MTB-Bundesliga und deren Benimm die Rede, da sich aber auch die Straßenfraktion nicht besser aufführt verwende ich den Titel subsummierend.

Wie ich berichtet hatte wollte ich heute eigentlich das Rennen in Gedern besuchen. Der Besuch fiel flach, was eigentlich mehrere Gründe hatte. Es war nicht nur der ersatzbedürftige Rasenmäher von gestern. Diese Aktion hat mich heute morgen nur rund eine Stunde lang aufgehalten. Das Weitere wäre möglich geblieben. Die hier verbreitete Weltanschauung der Veranstalter war aber das Glas, das das vorher schon randvolle Faß zum überlaufen brachte. Sie alle tun nämlich dieses Jahr überwiegend so, als seien sie „Graf Koks“. Die meisten akkreditieren wie schon gehabt nur gegen Presseausweis, sagen also durch die Blume, nur gewerbliche Fotografen und Berichterstatter zu wünschen. Andere sind da wohl nicht angenehm genug!

Schauen wir uns den Kalender mal an.

Heubach hatte selbst bei der MTB-Bundesliga einen Fotoservice. Das sind Firmen, die Teilnehmerfotos liefern, wobei jeder mit etwas Vorstellungskraft erkennen kann, dass Bildberichterstattung und Teilnehmerfotos zwei grundverschiedene Dinge sind. Die Erfahrung hat aber allgemein gelehrt, dass diesen Firmen jeder weitere Fotograf Anlass zu größter Sorge um den eigenen Umsatz ist.

Jetzt kam Gedern. Dort hat man zwar nichts dazu geschrieben, die Erfahrung mit derartigen Veranstaltungen begründete jedoch die Annahme, dass es hier kaum anders liegen dürfte als beim Rest. Immerhin hatte man mich damals in Schotten zur Nachwuchs-DM explizit ausgeladen, weil der offizielle Fotograf das so verlangt habe. Das, und anderes mehr, bleibt hängen!

Dieser „Rest“ besteht aus den Rennen in Freudenstadt und Titisee-Neustadt. Beide haben auf ihren Webseiten expressis verbis erklärt, nur gegen Presseausweis akkreditieren zu wollen, womit sie vorgenanntes Weltbild unterstützen. Ich habe hier die jeweiligen Presseseiten bzw. das dort genutzte Formular verlinkt. In beiden Fällen findet man inhaltsmäßig gleich lautende Aussagen, Zitat: „Bitte übersenden Sie uns zusammen mit dem Akkreditierungsformular eine Kopie Ihres Presseausweises. Ohne diesen Beleg können wir Sie leider nicht akkreditieren!“

Man kann danach googeln und findet eindeutige Aussagen des Journalistenverbands dazu. Ihr begründet das damit, die Fotografen sollen sich mit dem Sport auskennen, damit sie nicht sich und die Sportler in Gefahr bringen? Dann muss gemäß vorstehendem diese ketzerische Frage gestellt werden dürfen, nur als Beispiel: Wer einen Presseausweis hat wird zugelassen? Richtig? Dann frage ich, wie sich jemand aus der Kulturredaktion, der sich sonst nie mit Sport befasst, damit besser auskennen soll als ein Blogger, der zwar wegen der Auffassungen des Journalistenverbands keinen Ausweis bekommen darf, auf seinem Blog aber das Thema seit Jahren behandelt. Diese Karte ist heute kein Kenntnisnachweis mehr!

Wer so argumentiert zeigt, dass er vom Thema nichts verstehen will, aber seit Jahren auf ausgetretenen Pfaden wandelt.

Was sagt ihr denn damit wirklich aus? Dieser Sport gehört zu denen, der zu jeder sich bietenden Gelegenheit darüber klagt, keine Helfer mehr zu finden! Tja, die Bevölkerung ist auch nicht blöd! Auf der einen Seite sollen die Leute helfen, auf der anderen Seite beleidigt ihr sie als Sicherheitsrisiko! Nichts anderes steht da, wenn man es auf seine Grundaussagen reduziert. Jedes Gratisblättchen bekommt einen Presseausweis und darf sich bei den Rennen anmelden – die, die sich wirklich mit dem Thema befassen, sollen es nicht, weil sie ja angeblich nichts davon verstünden!

Ihr Pharisäer! Meint ihr wirklich das bliebe ohne Folgen? Natürlich nicht!

Es liegt also der grundsätzliche Eindruck auf dem Tisch, dass Radrennen ab einem gewissen Level der Geschäftstätigkeit – um nichts anderes als Reibach kann es da gehen – ihre Gäste nur noch danach einteilen, ob man ihnen vorschreiben kann oder ob sie eventuell etwas mitkriegen können was die Öffentlichkeit nicht wissen soll. Akkreditierten meint man nämlich, so scheint es, die Inhalte auftragen zu können die sie schreiben sollen, Blogger hingegen schreiben, was sie sehen und hören. Warum meine ich das? Nun, wenn man die Zulassung faktisch davon abhängig macht dass man Kritik unterlässt dann kommt dabei „Honig um den Bart schmieren“ heraus. Angestellte Redakteure müssen ihre Artikel im Blatt unterbringen, während Blogger auf der eigenen Seite schreiben können was sie für richtig halten. Davon abgesehen haben Blogs grundsätzlich mehr Reichweite als gedruckte Zeitungen, die nur im Erscheinungsgebiet erhältlich sind statt weltweit. Vor allem aber bekämen Sponsoren in Blogs geäußerte Kritik mit, auch wenn sie die Zeitung nie zu sehen bekämen, eben wegen der Lesbarkeit online. Das könnte Auswirkungen auf deren Politik haben, und davor haben manche wohl Angst. Sonst müsste man die Berichterstatter ja nicht handverlesen. Es sind viele Faktoren, die einem erst dann klar werden wenn man sich näher damit befassen musste! Wenn man sieht wie zum Beispiel Konzertveranstalter versuchen, sich Artikel vorab zur Genehmigung vorlegen zu lassen, dann weiss man Bescheid! Da sagen es einige ganz offen, dass es darum geht, unliebsame Inhalte vorab streichen zu können! Zensur wie sie leibt und lebt.

So aber läuft das nicht. Dann geht man eben da hin wo man sich erwünscht fühlt, und ihr schaut alleine zu wo ihr bleibt.

Warum soll ich also glauben, das sei in Gedern anders als bei den sonstigen Rennen der Serie? Es ist eine eindeutige Denkweise der Veranstalter, die hier offenbar wird. Das sind keine Vereine mehr, die auch im übrigen Jahr auf Gedeih oder Verderb auf ihre Mitmenschen angewiesen sind. Das sind Geschäftsbetriebe, denen der Profit über alles geht. Es interessiert nicht, wer oder was auf dem Türschild sprich Impressum steht. Ob das die Stadt, ein Verein, eine Einzelperson oder ein Radhändler ist spielt keine wirkliche Rolle. Was interessiert ist, wie sich derjenige benimmt – und ob man ihm vertrauen kann. Wer anders handelt als er redet stellt eben genau das infrage.

Das war der wirkliche Grund, von dem Besuch abzusehen, und trotz hilfloser Aussagen anderer Veranstalter werde ich das beim Rest genauso halten, auch seitdem ich mitbekommen habe, dass der gerade noch kurz vor der Absage stehende Ultra-Bike-Marathon von Kirchzarten das jetzt genauso handhabt. Hier kann man das zugehörige Onlineformular einsehen, mit der Ausweisnummer als Pflichtfeld. Kommentar überflüssig.

Was bitte sind das für Veranstaltungen, über die nicht ausnahmslos jede/r frei und wahrheitsgemäß berichten darf? Vor was habt ihr Angst? Der deutsche Radsport ruiniert seinen Ruf nicht nur durch gewisse Dopingvorkommnisse, viel mehr aber durch solches Verhalten der Geheimniskrämerei. Wenn man den Veranstaltern nicht mehr vertrauen kann bleibt man da besser weg. Ich kann mir auch jederzeit ohne besondere Erlaubnis eine Sonntagsrückfahrkarte kaufen und eine Fahrt ins Blaue unternehmen. Davon habe ich gewiss mehr.

Macht also bitte was ihr wollt, aber macht es alleine! Hilfe von der Bevölkerung braucht da keiner mehr erwarten. Für euch zählt ehrenamtliche, uneigennützige Tätigkeit nichts. Also nehmt bei Bedarf euer Geld und geht einkaufen. Wenn der Markt nichts mehr hergibt steht ihr eben im kurzen Hemd da. Ihr wolltet das so haben! Die Methode beschädigt nachhaltig die Glaubwürdigkeit einer kompletten Sportart. Das sollte allen klar sein die sich so benehmen!

Ich stelle dabei auch garnicht in Abrede, dass jedes einzelne Rennen sportlich gut gemacht ist. Darum geht es mir nicht! Der Sport an sich ist ein völlig anderes Thema. Es geht darum, dass die angesprochenen Methoden das Vertrauen so nachhaltig beschädigen, dass Interessierte von einem Besuch vorsichtshalber absehen!

Für all die Schlaumeier, die meinen mit solchen Ausleseverfahren ihre Probleme lösen zu können: Etwas zu können bedeutet noch lange nicht es zu dürfen, und etwas zu dürfen noch lange nicht davon etwas zu verstehen. Bitte denkt mal drüber nach! Im eigenen Interesse.

[EDIT 13.6.2019]:
Gestern habe ich zu diesem Artikel via Messenger eine interessante Rückmeldung bekommen – von einem szenebekannten Journalisten. Es war wie erwartet harsche Kritik! Was er da so schrieb? Tenor: Ich solle mich schämen sämtliche Rennen so durch den Kakao zu ziehen!

Nun, durch den Kakao gezogen habe ich garnichts! Dazu hätte es der Belege fehlen müssen, die ich verlinkt habe. Seid froh dass ich überhaupt angesprochen habe was da steht, denn 95% der Betroffenen stimmen geräuschlos mit den Füßen ab! Der eklatante Zuschauermangel bei der überwiegenden Mehrzahl der Rennen spricht doch Bände!

Er könne sich nicht vorstellen, dass ich trotz der eindeutigen Formulare auf Anfrage nicht doch eine Zulassung bekommen würde. Ich soll also betteln gehen? Gnade vor Recht. Irgendwo ist mal gut! Davon abgesehen geht es hier um ein Prinzip, und nicht um meine Person. Bitte begreift welche Botschaft ihr als Rennveranstalter ins Land sendet!

Da findet also jemand gut, dass so vorgegangen wird. Nun, das wundert mich nicht, auch wenn ich dem Argument, die Organisation der Rennen könne sonst die Anfragen nach Zulassung nicht bewerten, nicht ganz folgen kann. Wie ich schon sagte – was spricht dafür einen sachkundigen Blogger auszuschließen, während ein ahnungsloser Vertreter einer Gratiszeitung Zugang findet? Das stellt das Argument auf den Kopf! Was früher war interessiert heute keinen mehr. Da berichteten auch nur immer dieselben Leute von denselben Blättern statt wie heute welche, die gerade mal ihr Handy festhalten können. Ich wiederhole mich: der Besitz eines Presseausweises belegt nur, dass jemand hauptberuflich in der Branche tätig ist, nicht dass er vom Thema was versteht! Das habe ich in Lorsch bei der Deutschland-Tour als Zuschauer hinter dem Zaun selbst gesehen, wer da alles in der Fotografenzone vor dem Zaun herumstand, ohne vom Thema irgendeine Ahnung zu haben. So wie da manche ihre eigenen Kollegen behindert haben – dazu muss man nichts mehr sagen!

Es stimmt traurig wie da lobbyhörig argumentiert wird von Leuten die von dem System profitieren, ohne zu reflektieren dass sie sich selber arbeitslos machen wenn dem Sterben der kleinen Rennen nicht endlich Einhalt geboten wird! Ohne Basis keine Elite – und als solche begreift man sich da offensichtlich im Olymp des Rennsports!