Nachtweide Neustadt

Das Kriterium „Rund um die Nachtweide“ in Neustadt an der Weinstraße ist eines jener Rennen, die der Begriff des Dorfplatzkriteriums nur ungenügend beschreibt. Die Nachtweide ist die Bezeichnung eines östlich der Kernstadt gelegenes Gewerbegebiets wie auch der Name der dort massgeblichen Straße, und da das Rennen in der Form eines P um dieses Gewerbegebiet herumführt hat es eben diesen Namen bekommen.

Man nennt solche Orte gewöhnlich auch „Automeile“. Dort reiht sich ein Autohaus ans andere, und manche davon sind Radfahrern gegenüber nicht besonders wohl gesonnen.

Als ich heute nach einiger Hausarbeit dort ankam war gerade das U17-Rennen am laufen. Begonnen hat es schon früher, nämlich um 9:30 Uhr mit dem Rennen der Senioren, aber auch ich muss gelegentlich unaufschiebbare Dinge zuhause erledigen und Prioritäten setzen. „Des Kaisers neue Kleider“ sind ein Märchen. Ihr wisst was ich meine? Wasche und bügle bevor dein Kleiderschrank leer ist!

Die Ausschreibung erwähnt die Sponsoren die ebenso an diesem Ort ihren Firmensitz haben. Da wäre zum einen die Firma Sigma, ein bekannter Hersteller von Fahrradelektronik, zum anderen die örtliche Volksbank. Während der Rennen trat der an der Rennstrecke ansässige Lohnsteuerhilfeverein besonders gern als Prämiengeber auf. Infolge dessen war fast jede Runde irgendein Sprint angesagt.

Streng genommen hätte niemand bei Einhaltung der Straßenverkehrsordnung den Ort des Geschehens je sehen dürfen! Warum? Nun, wenn man alle Zuwege mit dem bekannten runden Schild mit dem roten Rand ohne sonst was versieht heisst das, dass nicht mal Radfahrer da vorbei dürften! Das Schild bedeutet ausgeschrieben „Verbot für Fahrzeuge ALLER Art!“. Was hat gefehlt? „Anlieger frei!“ Es soll sich keiner wundern wenn dann solche Schilder geflissentlich ignoriert werden.

Die Rennen selbst waren gut besucht. Entlang der Zielgerade waren Bierbänke aufgebaut, die regen Zuspruch fanden. Dabei duftete es unentwegt nach Bratwurst. Wenn nun alle 5 Runden Wertung ist und dazwischen Prämien ausgefahren werden herrscht immer Betrieb, und das gemeine dabei war für die Sportler, dass längst nicht alle Prämien auch vorher angesagt wurden. Einige davon erfuhren die Zuschauer erst durch Sprecherdurchsagen, wenn bekannt gegeben wurde, wer was gewonnen hat, und das waren beileibe nicht immer nur die Ersten. Die Sportler erfuhren während des Rennens nichts von dieser Art Lostopf!

Dabei machte es sich der WA zum Beispiel bei den Amateuren, nach alter Lesart der C-Klasse, einfach, indem er von Beginn an überrundete Fahrer sofort aus dem Rennen nahm. Wem das Schlussfahrzeug begegnete wusste, dass es vorbei war.

Wer gewonnen hat könnt ihr den offiziellen Listen entnehmen.

Insbesondere das letzte Rennen des Tages, das der Elite, war geprägt vom „Dreikampf“ an der Spitze. Da hatten sich früh drei abgesetzt und das restliche Feld zu Statisten degradiert. Sie machten alle Wertungen unter sich aus und auch eine zwischenzeitliche Verfolgergruppe konnte daran nichts ändern.

(Viele) Fotos folgen.