Hillclimb Bühlertal

Eine etwas eigenwillige Interpretation der Devise von Moltke („Getrennt marschieren, vereint schlagen!“) konnte erleben, wer sich am vergangenen Samstag in Bühlertal aufgehalten hat. Man darf es als „Kombiticket“ bezeichnen, die Beziehung zwischen dem 19. Bühlertäler MTB-Hillclimb und dem 43. Berglauf des TV Bühlertal, die beide am selben Tag und selbem Ort zeitlich leicht versetzt stattfanden.

Um 15 Uhr nachmittags starteten rund 70 Radsportler, Lizenz und Hobby, zum Krieg gegen den Berg. Lag der Start unten in der Stadt am Haus des Gastes, so fand man das Ziel nicht nur rund 12 Km entfernt, sondern auch noch im fünften Stock – oben zwischen Hundseck und Mehliskopf! Es gibt keinen Aufzug dorthin, auch kein Shuttle – nur den Waldweg.

Eine halbe Stunde nach den Radfahrern machten sich die Läufer auf zum Berglauf, der ebenso unten begann und oben endete, wenn auch nicht ganz am selben Fleck und auf genau derselben Strecke.

Das Problem dabei waren die äußeren Umstände. Aus den Erfahrungen des Vorjahrs wusste ich, dass es zeitlich unmöglich sein würde, nach dem Start zum Ziel zu fahren und dort rechtzeitig anzukommen. Da ich letztes Jahr am Start Aufnahmen gemacht hatte entschied ich mich daher, direkt zum Ziel zu fahren – und siehe da, es war die richtige Entscheidung. Auf der Anfahrt war die Verbindungsstraße zwischen Bühlertal und Hundseck nämlich gesperrt. Dieser Umstand würde später die Rückfahrt zur Siegerehrung zum Eile-mit-Weile-Spiel machen. Die war für 17:30 Uhr angesetzt, ich stand aber gegen 17 Uhr noch oben auf dem Berg und musste auch noch die etwa zwei Kilometer zurück zum Parkplatz. Der räumlich direkte Weg über den Skihang war verboten.

Hundseck

Vom Parkplatz auf dem Hundseck sind es nochmal gut 1,2 Km den Berg hinauf bis zum Ziel der Radler, und auf dem Weg dorthin begann es über mir verdächtig zu grummeln!

Völlig zur Unzeit gab Petrus seinen Senf dazu! Wie sich das äußerte? Pünktlich vor der ersten Zielankunft: Wasser marsch! Als der Letzte oben war – Hahn zu! Die Läufer bekamen das Wetter unterwegs ab, dafür war deren Zieleinlauf wieder trocken. Später kam dann noch die Sonne raus, und es wurde schwül. Aprilwetter im Mai. Der Pavillon des Badischen Radsportverbands war wohl selten so voll gewesen. Wer konnte rettete sich vor den Wassermassen dorthin.
Inzwischen hatte sich der Weg in einen mittleren Bach verwandelt, es donnerte, zeitweise ging Hagel nieder. Eben jener sorgte im Tal für einen Startaufschub der Läufer von 15 Minuten, eine Verspätung, die mir bald zupaß kommen sollte.

Berglauf-Ziel
Mehliskopf

Deren Ziel lag weiter oben, nochmal rund 700 Meter weiter am Mehliskopfturm. Einlauf der Radler und Ziel der Läufer überschnitten sich zeitlich, aber kurz bevor der erste Läufer oben war hatte Petrus kein Wasser mehr. Das war gut so, denn das war ein Berglauf und keine Tough-Mudder-Veranstaltung. Auch wäre es kaum zu verantworten gewesen, bei Gewitter oben auf dem kahlen Berg zu stehen.

Kommen wir zum sportlichen Teil.
Der Start erfolgte in zwei Gruppen. Einmal um 15 Uhr die Lizenzfahrer, fünf Minuten später der Rest. Mit dem bekannten Zeitversatz kamen die Läufer hinterher.

Sieger 2019: Vincent Dorn

Nach rund 34 Minuten war Vincent Dorn oben. Dann begann das Warten. Nummer 2 im Ziel war Markus Siebert aus Hausach, gefolgt vom ersten Fun-Fahrer Andreas Crivellin. Die Zieleinlaufliste kommt etwas merkwürdig daher, deshalb Folgendes mit Vorbehalt. Auf dieser Liste passen nämlich die Zeiten nicht zu der Reihenfolge der Plätze. Mit 36:49 Minuten Fahrzeit kam Felix Klausmann ins Ziel. Insgesamt waren es 73, die das Ziel erreichten. Darunter einer mit dem „falschen“ Untersatz. Alex Schley fuhr auf dem Crossrad in der erstmals ausgeschrieben Gravelbike-Klasse und brauchte 39:37 Minuten. Schnellste Dame in dieser Klasse war Svetlana Gusenkova in 54:45 Minuten, womit diese Klasse vollständig aufgezählt wäre. Da waren entgegen dem sonstigen Trend nur Zwei am Start. Was auch nicht auf der Liste stand waren die, die gemeldet hatten, aber nicht ins Ziel kamen. Entweder weil sie unterwegs Defekt hatten oder wegen der Wetteraussichten garnicht gestartet waren.

Indessen war ich im strömenden Regen den Berg hochgeklettert, zum Ziel der Läufer. Berglauf und MTB-Hillclimb waren durch verschiedene Teamwertungen verbunden, also je ein Radfahrer und ein Läufer als Team.

So kam denn auch bald einer den Weg hochgefahren, eingehüllt in eine Pferdedecke. Wie gesagt, es goß in Strömen, und in dieser Aufmachung wartete Sebastian Spengler auf seinen Partner Maximilian von Lippe, den Sieger des Vorjahres mit der Startnummer 1. Als erster oben war jedoch ein anderer. Sieger 2019 war Christian Oppel in 44:47 Minuten.

Das Ziel der Läufer sah 182 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Als ich auf dem Rückweg zum Auto am Ziel der Radfahrer vorbeikam hatte man dieses bereits wieder abgebaut. Während am Hundseck Busse für den Rücktransport der Läufer bereit standen mussten die durchnässten Radsportler auf einem ausgewiesenen Waldweg zu Tal fahren. Ich denke, darüber sollte man sich mal Gedanken machen, ob das unter den Umständen so sinnvoll ist. Zwar trocknen moderne Textilien sehr schnell, aber rutschiger Untergrund , feuchte Wäsche und Fahrtwind sorgen oft rasch für „Folgeerscheinungen“. Hatschie!

Die Ergebnisse:
Hillclimb
Berglauf

Fotos sind in der Bildersammlung abgelegt.

Auf die Minute genau kam ich nach einer Odyssee über verschiedene Umwege unten bei der Siegerehrung an. Bis die fertig war nebst Tanzeinlage der Kindertanzgruppe wurde es Halb Acht.