Eschborn-Frankfurt 2019

Der direkte Weg von Eschborn nach Frankfurt führt eigentlich nicht durch den Taunus. Dass man das auch anders sehen kann erlebt man alle Jahre wieder immer am 1. Mai.

An Feiertag werden die Radprofis kaum gedacht haben als sie sich die Strecke vorgenommen haben. Auch wenn das Rennen aktuell wieder verkürzt wurde, es ist und bleibt eine anstrengende Sache!

An diesem Tag unterwegs waren aber nicht nur die, die dafür bezahlt werden. Insgesamt waren es 17 Rennen, die im Taunus und in der Innenstadt ausgetragen wurden; von den ganz Kleinen über die Jedermänner jeden Alters bis hin zu denen, deren „Räder“ etwas kleiner waren als üblich – die Speedskater. Freilich blieben die lieber im Flachen, statt sich die Steigungen des bekannten hessischen Mittelgebirges anzutun.

Schon früh am Morgen machte der Verkehrsfunk einen auf Panik! Es komme zu Staus, es seien so viele Leute unterwegs. Gut, rund um Eschborn wo viele Gruppen gestartet wurden – vor allem an den Autobahnausfahrten – mag das glaubwürdig erscheinen. Aber im Taunus, um diese Uhrzeit? Nun, wir erinnern uns an frühere Jahre, als in der Tat der Parkplatz an der Ruppertshainer Bergwertung schon Stunden vor der Durchfahrt rappelvoll war und die Leute überall standen, vor allem im Weg. Diese Zeiten sind leider vorbei, als es da oben Getränkeausschank und Würstchen gab!

Es gibt im Anstieg unterhalb dieser Stelle einige Buchten, die sich als Standort gut eignen, um sich gemütlich die fünf Durchfahrten an diesem Tag anzuschauen. Da waren, als es gegen 10 Uhr endlich los ging, aber gerade mal fünf Autos. Von Überfüllung keine Rede!

Es kam und ging „Flagge rot“. Dann passierte eine halbe Stunde lang nichts. Dann kamen langsam die Jedermänner den Berg hoch.

Langsam? Mitnichten! Vorne machte eine kleine Gruppe Dampf, als ob es um die Deutsche Meisterschaft der Profis ginge! Weiter hinten im Feld fuhren sie dann „nach ihren Möglichkeiten“, will heissen bis die letzten durch waren vergingen rund zwei Stunden. Für viele war es ein „Wandertag“, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Schon recht früh kam der erste Fussgänger den Berg hoch, aber nicht weil ihm die Puste ausging. Seine Kette hatte ihn im Stich gelassen, und Werkzeug war weit.

Es war wie Fischen im Trüben, die Jungs und Mädels rechtzeitig zu erkennen und sie auf Film zu bannen. Manchmal klappte es, manchmal wart ihr schneller. Zeigen kann ich euch die Bilder leider nicht, denn es gab einen offiziellen Fotodienst – und ich werde nicht ausprobieren wie der auf potentielle Konkurrenz reagiert.

Es ging weiter mit dem Feld der Hoffnungsvollen, wie man bisweilen die U23 auch nennt. Espoirs. Auch das ist so ein Begriff, den sich Leute ausgedacht haben, deren aktive Zeit schon etwas zurückliegt. Dass sie es können, diese jungen Leute auf ihren Rädern, haben sie eindrucksvoll gezeigt.

Bald darauf kamen dann die, die ihre Lehrzeit hinter sich hatten. Wer sich Profi nennt weckt die Erwartung, es zu können. Das tun andere auch, werden aber nicht dafür bezahlt. Taktische Spiele prägten das Rennen. Wer vorne Leute in der Spitzengruppe hatte zog hinten die Bremse an. So kamen im zweiten Durchlauf nur noch rund die Hälfte des Feldes erneut vorbei, der Rest war wohl schon auf dem Heimweg?

Sie nannten ihn Pascal … nach der Einheit für Druck.
Im Ziel hatten zwei die Nase vorn, für die es das Heimrennen war. Im Zielsprint wuchtete Pascal Ackermann recht knapp seinen Reifen vor John Degenkolb über die Ziellinie. Aber auch alle anderen haben ihren Teil dazu beigetragen, und man darf wohl davon ausgehen, dass das Ergebnis Teamintern so oder so ähnlich besprochen worden war. Das ist selten ein Ding des Zufalls, womit ich nicht sagen will dass es sich um abgesprochene Rennen wie beim Catchen handele.

Nicht zuletzt erwähnen möchte ich das vierte Rennen, das den Weg über den Taunus auf sich nahm – die Junioren. Man muss sich die Starterliste mal genauer anschauen. Dann merkt man, dass hier nicht nur „junge“ mitgefahren sind, sondern vor allem bei den Einzelstartern dieses für die Bundesliga zählenden Rennens auch etliche Senioren. Man hat ja schon vor längerem die U19 mit den Masters zusammengelegt, vor allem wohl weil die Zahl der Junioren seit Jahren rückläufig ist und man bemüht sein muss ein zahlenmäßig ordentliches Feld an den Start zu bringen.

Sorry für die mitunter befremdliche Aussage – aber ist es nicht so?

Dagegen waren die drei Jedermannrennen, zwei davon fuhren über die Taunusberge, mit rund 6500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vollständig ausgebucht. Nachmeldungen am Morgen des 1. Mai wurden in diesem Jahr nicht mehr angenommen. Dieser Zuspruch ist selbstredend, und zeigt wie der Zeitgeist gestrickt ist. Auch wenn es offenkundige Geschäftemacherei ist, die Leute wollen unabhängig von Vereinsstrukturen wettbewerbsmäßig Rad fahren.

Ergebnisse und mehr Info findet ihr auf der Webseite der Veranstaltung.
Meine Bilder der Rennen U19 – U23 und der Profis gibt’s nebenan.

Noch eine Anekdote ereignete sich dann zum Schluss. Das Polizeiauto mit den grünen Flaggen, die den öffentlichen Verkehr wieder freigaben fuhr durch, und alle Ausflügler machten sich wieder auf den Heimweg.
Weit kamen sie nicht! Oben am Ende der Straße standen andere Polizisten und hielten den Verkehr wieder an. Man habe trotz Flaggen noch keine Freigabe.

So standen dann rund ein Dutzend PKW kreuz und quer auf der Straße, und wäre doch noch ein Nachzüglerfeld gekommen – es hätte unweigerlich ein Chaos gegeben! Kommunikation ist alles!

Auch so ein „Highlight“: die Anschrift an den Besenbussen, die traditionell hinter den Feldern her fuhren und die Gestrandeten auflasen. Dieses Jahr stand da „Sonderfahrt – nicht einsteigen!“ dran, was im Sinn der Sache nicht sehr einfallsreich daherkam. Manche nahmen das aber wörtlich und weigerten sich trotz Zuredens der Komissäre, von dem Angebot Gebrauch zu machen – so als ob es ehrenrührig wäre zuzugeben, dass man heute nicht seinen besten Tag hatte.