Münstertal

Unverhofft kommt oft!

So sagt nicht nur der Volksmund. So war es auch vorgestern, als ich den Rechner anwarf um die Nachrichten durchzugehen. Bei Facebook stach mir dann ein Eintrag ins Auge, der nicht ganz folgenlos bleiben sollte.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte sich dort – reichlich kurzfristig – eine „Einladung“ für Freitag materialisiert, worin es lediglich hiess, um 18 Uhr werde in Münstertal im Hof eine Teamvorstellung stattfinden. Nun muss man dazu etwas wissen …

Das Münstertal liegt etwas südlich von Freiburg und erstreckt sich in etwa von Bad Krozingen bis zum Belchen. Eine landschaftlich reizvolle Ecke, die auch so schon besuchenswert ist. Der Hof ist nun nicht eben das was der Name sagt, sondern die Hauptstraße. Wer aber hatte da eingeladen? Teamvorstellungen gab es dieses Jahr ja nun schon einige.

Gastgeber des Abends war das Stop&Go MTB Team. Ein etwas seltsam klingender Name. Der Hauptsponsor beschäftigt sich mit Marderabwehr, will heissen die Firma vertreibt Mittel und Geräte, um den Hauptfreßfeind eines PKW von dort fern zu halten. Wer kennt das Problem mit durchgenagten Leitungen nicht? So soll man naheliegender Weise in dieser Werkstatt vorbeikommen (stop), sich etwas einbauen lassen, und fortan Ruhe haben (go). Wären die sieben Jungs nebst Dame Triathleten, wäre man vom Namen her geneigt zu argwöhnen, die wollten sich möglichst oft auf der Strafbank ausruhen. Stop&Go eben. Hier aber sind es Mountainbiker, und keine Schlechten! Wer da alles dabei ist? Dazu komme ich später.

Zunächst mal ein paar Takte zur Örtlichkeit. Das Titelbild oben zeigt es auch.

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In Bad Krozingen fährt von der Autobahn ab wer in diese reizvolle Ecke des Schwarzwaldes kommen will. Man kann auch die Bahn nehmen. Die SWEG – die Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft, derzeit offiziell Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG – fährt da hin. Es wäre wohl auch nicht ganz falsch sie einfach Landesbahn von Baden-Württhemberg zu nennen. Münstertal ist Endstation, der Hof hat seine eigene Haltestelle.

Der Weg führt über Staufen, eine Stadt der vielen Gesichter. Zum einen nennt sie sich Fauststadt. Das war die Sache mit Teufel und Tintenfass. Viel aktueller aber sind – immer noch – gewisse Geothermiebohrungen, mit denen eine inzwischen bankrotte Bohrfirma die Stadt in arge Not gebracht hat. Der Untergrund dort besteht nämlich aus Gipskeuper, einem Material mit einigen Eigenschaften, die man hier übel unterschätzt hat. Seitdem ist das Städtchen eine Dauerbaustelle, denn wenn Keuper mit Wasser zusammenkommt dehnt er sich aus. So hebt sich der Boden nicht gerade wenig, und die Häuser bekommen Risse.

Besagte Einladung führte also an diesem Tag zu einer etwas weiteren Reise. Es sind rund 260 Km von mir da runter, aber die sollten sich lohnen.

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26 Minuten Ausschnitte aus der Teamvorstellung

Man erfährt da so einiges, was man sonst bei Rennen nie hören würde. Fangen wir an mit der Dame im Team – Alessa Riesterer. Die Lokalmatadorin ist noch Schülerin und fährt in der U17. Das tut jemand anderes auch, der noch dazu aus Hessen angereist ist – Thorben Jost. Wie kommt ein Hesse in den Schwarzwald? Er hat es uns verraten. Da waren ganz am Anfang einige Ausfahrten mit dem Vater, an denen er Gefallen gefunden hatte, später dann ein Urlaub auf einem Campingplatz im Münstertal, wo man einen Herrn Schelb kennenlernte – just den Teamchef dieser Mannschaft. Dessen Sohn Julian fährt übrigens auch da, als Deutscher Meister. So ist das Saisonziel der Mannschaft nicht weit her geholt. Der Titel soll in den eigenen Reihen bleiben. Wer ihn trägt ist zweitrangig. Ein weiterer nicht völlig unbekannter Name ist erst in diesem Winter hinzugestoßen – Matthias „Matze“ Bettinger. Im letzten Jahr noch für Kirchzarten unterwegs musste er sich unerwartet eine neue sportliche Heimat suchen. Das Lexware-Team hatte – so hiess es – die Marathonabteilung aufgegeben, um sich vorwiegend der Jugendarbeit zu widmen. Matze fährt aber Marathon, und das ausgesprochen gut. Im Hause des Hauptsponsors nicht unbekannt ist auch Niklas Sell. Der Münstertäler hatte dort ein duales Studium absolviert.

Es war ein merkwürdiger Abend, und das aus vielerlei Gründen. Nicht nur wegen dem Wetter. Es begann sich zuzuziehen.

In der mir bekannten Einladung stand als Anfangszeit 18 Uhr. Vor Ort zeigte sich dann aber rasch, dass es davon verschiedene Versionen gegeben haben musste, denn andere sprachen von 18:30 Uhr. Es wurde dann 19 Uhr, bis zwei Fahrräder in den Saal hinter dem Anwesen Hof49 geschoben wurden. Ein Hardtail und ein Fully. Zwischen die beiden warf ein Projektor Bilder an die Wand. Sønke Wegner, selbst aktiver Mountainbiker, moderierte den Abend. Dazu briefte er vorab jeden Sportler und ließ sich Stichworte geben. Das sollten andere auch mal machen, damit sie später nicht auf dem Schlauch stehen. Es gab da schon andere ähnliche Veranstaltungen, die einer Souffleuse bedurft hätten.

Wie gesagt ein interessanter Abend, der ab 20 Uhr in den gesellschaftlich-gemütlichen Teil überging. Anhand der Uhrzeit kann nun auch klar sein, warum ich entgegen sonstiger Gewohnheit nicht mit der Bahn dorthin gereist bin. Der Grund lag bei den Anschlüssen. Zum einen war vorab nicht festzustellen, wie lang das Ereignis dauern sollte. Für Nachfragen war die Zeit durch die Kurzfristigkeit zu knapp. Ich hätte für den Zug am zwar nahegelegenen Bahnsteig zehn Minuten gehabt, aber das ist knapp wenn man erstmal seinen Plunder zusammenpacken muss! In Bad Krozingen vier Minuten zum Umsteigen ist sportlich. Hat der Zug Verspätung winkt man dem RE nach Freiburg hinterher, und dann hiesse das „Übernachte auf einem gemütlichen Bahnhof!“ Das muss nicht sein, zumal niemand die Garantie dafür übernommen hätte dass die Verbindung auch klappt. Erfahrung macht schlau, und das Auto fährt solange Benzin im Tank ist.