MT Melsungen

Melsungen ist eine nordhessische Kleinstadt und liegt etwa auf halbem Weg zwischen Bebra und Kassel. Bekanntestes „Aushängeschild“ ist die MT Melsungen, und dort vor allem die mit runden Gegenständen werfende Abteilung, die ihre Arena mittlerweile allerdings in Kassel hat.

Handball ist jedoch nicht alles. Das MT im Namen steht für die Melsunger Turngemeinde 1861 e.V.. Ausschließlich geturnt wird dort aber schon lange nicht mehr! Eine zwar kleinere, aber nicht minder beachtenswerte andere Abteilung beschäftigt sich auch mit runden Sachen, die aber rollen. Das sind die Radfahrer.

Vor Jahren klein als Angebot für Jedermann begonnen hat sich daraus etwas entwickelt, das demnächst durchaus das Zeug zum KT-Team haben könnte. Bis zum echten Profiteam dauert es allerdings noch etwas, weil Verträge für sich alleine noch keine Professionalität ausmachen.

So haben sich dort gestern Abend in den Räumen des Hauptsponsors, der Kreissparkasse Schwalm-Eder, die Mannschaften der Radsportler zur Teamvorstellung versammelt. Allerdings, das muss man so sagen, wäre nicht zufällig jemand in der bekannten knallroten Bekleidung aus der Bank gekommen, keiner hätte je vermutet was dort vorgeht! In einem Saal unterm Dach fand die Versammlung statt, dort wo kein Kunde je hinkommt und auch sonst keiner einen Grund hat zu der Vermutung dort sowas zu suchen. Dementsprechend war man weitgehend unter sich.

In der geschichtlichen Entwicklung der Abteilung benimmt es sich wie mit einem guten Wein. Auch der wird besser, wenn man ihn gären lässt. So nimmt das 2004 seinen Ausgang in einer Truppe von Jedermännern, die bis 2013 weitgehend nur zum Spaß unterwegs waren. Dann erbte man sozusagen von Bad Hersfeld das Regioteam, und damit nahm eine Geschichte ihren Anfang, die noch lange nicht abgeschlossen ist. 2014 waren es 8 Lizenzfahrer, heute sind es 52. Es gibt sicher größere Vereine, aber sind die auch so engagiert bei der Sache? In Melsungen hat jeder Sportler (m/w/d) einen Vertrag! Darin ist klar geregelt, was wer von wem gegenseitig zu erwarten hat. Der Teamgedanke spielt dabei eine große Rolle. Während der Verein anderswo vor allem dazu da ist, eine Plattform zu bilden und die Infrastruktur bereitzustellen, geht das hier auf Gegenseitigkeit. Prämien und Preisgelder gehen in die Mannschaftskasse, und werden nach einem Schlüssel unter allen aufgeteilt. Die Sportler bekommen die Räder vom Hamburger Hersteller Stevens über das örtliche Radsportgeschäft rabattiert angeboten, dafür vertreten sie das Team in der Öffentlichkeit.

Es gibt inzwischen nicht nur die Männermannschaft (siehe Titelbild). Daneben besteht weiterhin die Jedermanngruppe, das Nachwuchsteam, sowie seit diesem Jahr auch eine Frauenmannschaft.

Vorgestellt wurden an diesem Abend nicht nur die Sportler selbst, auch aus den Aussichten machte Leiter Dieter Vaupel keinen Hehl. Natürlich will man vorne mitmischen. Man ist aber auch in der Organisation mit eingebunden, vor allem bei der zu erwartenden Etappe der Deutschland-Tour, die durch die Region führen wird. Ich werde zu gegebener Zeit darauf zurückkommen.

Wer startet nun in der begonnenen Saison in welchen Rennen? Es gibt ja seit Jahreswechsel eine Lizenzreform. Auch diese und ihre allfälligen Auswirkungen wurden kurz vorgestellt. Betrachtet man sich das genauer ist festzustellen, dass manches dabei merkwürdig vorkommt! Die alte Einteilung nach A-, B- oder C-Klasse nebst Auf- und Abstiegsregelung ist Geschichte. Nun gibt es eine bundesweite Rangliste, zu der man Punkte sammeln kann und deren 600 Erste als Elite-Amateure gelten, der Rest als „normale“ Amateure. Die Profiabteilung mit Worldtour, PKT und Kontinentalteams blieb unberührt bestehen. Es wird drei fixe Termine im Jahr geben, zu denen erneut nachgesehen wird, wer nun auf welchem Platz dieser Liste steht. Die Einteilung kann sich also mitten in der Saison ändern, und das nicht unbedingt nur aufgrund von Leistung!

Ich halte nicht viel davon! Es ist doch so: Wer zum Beispiel am Jahresanfang erfolgreich ist, dann aber erkrankt, muss um die Früchte des Erfolgs fürchten. Wer am Anfang bequem ist kann trotzdem zur Saisonmitte ernten, was eigentlich nicht gesät wurde. Die Rennen sind im Kalender ja nicht unbedingt gleichmäßig verteilt. Wer aus beruflichen Gründen nicht weit reisen kann ist gegenüber denen mit dicker Brieftasche benachteiligt, denn die großen Rennen finden nicht vor der Haustür statt.


Ein Gedanke zu „MT Melsungen“

  1. Wie immer mit Wortwitz geschrieben und kein Blatt vor den Mund genommen. Nur wer sich mit qualifizierter Kritik auseinandersetzt kann sich stetig verbessern. Deswegen sind deine Beiträge lesenswert und wertvoll!
    Die Fotos sind natürlich bekanntermaßen ein Highlight!

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