Regensburg

Gestern zog es mich nach Osten – nach Bayern.

1800 Jahre Geschichte an einem Tag, oder wie aus dem römischen „Castra Regina“ Ratisbona wurde, das wir heute als Regensburg kennen – einem Marktflecken, den man mit Fug und Recht auch als Banken-Auto-Vielflüssestadt bezeichnen könnte. Eine Stadt, in der es täglich „regnet“ 😉 und die aufpassen muss, nicht zur Touristenfalle zu verkommen. Was ich dort gestern gesehen habe begründet einen üblen Verdacht, den nämlich dass die Stadt im Begriff ist, zwar ihre Schokoladenseite zu vermarkten, dabei aber vergisst, den Hinterhof am Verfall zu hindern. Wer hinter die Kulissen schaut und sich auch die Straßenzüge abseits der Touristenströme anschaut entdeckt Unansehnliches.

Im Tal der Donau gelegen und durch Naab und Regen zu jeder Jahreszeit mit Wasser versorgt besteht die Altstadt nördlich vom Hauptbahnhof zu erheblichen Teilen aus – Inseln! Die Donau kommt hier mit Abständen dreimal vorbei. Ein nasses Dreieck …

Gleich gegenüber vom Bahnhof warten Park und Schloß derer von Thurn und Taxis, einer für ihr mittelalterliches Postmonopol bekannten Familie, was damals wie heute zu einem gewissen Wohlstand geführt hat. So wie die Fugger in Augsburg. Deren Reichtum machte selbst den Kaiser gefügig …

Flächenmäßig durch zahlreiche Vorstädte und Eingemeindungen gewachsen zählt für die Stadt auch das Werk von BMW zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor und bringt durch Gewerbesteuer ein nettes Zubrot für die Kämmerei. Auch dürfte der Güterumschlag dort eine erhebliche Rolle spielen oder zumindest gespielt haben. Wozu braucht man sonst gleich zwei Güterbahnhöfe? Um größeres „Blechspielzeug“ zu verladen? Sowas gibt es in Rüsselsheim ja auch, dennoch reisen Autos heute gerne per Spedition. Auch dafür hat man vorgesorgt, umgibt doch ein schier undurchlässiger Autobahnring die Stadt und hindert sie an weiterer Ausbreitung.

Zur Bekanntheit beitragen wollen aber nicht nur Geld und Wirtschaftsmacht, sondern auch der Sport.

Regensburg scheint eine recht sportliche Stadt zu sein. Auf dem Weg vom Bahnhof nach Ziegetsdorf kommt man zunächst an den Arcaden vorbei – einem der üblichen Konsumtempel, praktischerweise über einen Steg gleich mit dem Bahnhof verbunden – gefolgt vom Altersheim wie auch an so ziemlich jeder zweiten Ecke einem Sportplatz.

Veloclub Ratisbona

So hat in einem etwas abseits gelegenen Vorort zwischen Autobahnkreuz und Wiesen an diesem Abend der VCR – der Veloclub Ratisbona – zu seiner Teamvorstellung ins Vereinsheim geladen. Ein unscheinbarer Flachbau auf der einen Seite, ein weiterer Sportplatz auf der anderen Seite der Straße.

Ein illustrer Abend …

Man musste erst mal hin kommen! Vor nicht ganz einer Woche ist die Gegend bei einem Wintereinbruch in reichlich Schnee schier erstickt. Das nun folgende Tauwetter mit zeitweise nächtlichen Gefrierens machte Autofahren zu einem Risiko, und Bahnfahren zu einem Lottospiel. Nicht nur in Hessen gilt ja die Faustformel: drei Schneeflocken gleich Zugausfall!

Als viel problematischer erwies sich aber doch der Busverkehr vor Ort. So fuhren viele Buslinien des Stadtverkehrs am Samstag Nachmittag oder Abend lediglich ein- bis zweimal pro Stunde. Die Herausforderung war, als Ortsfremder herauszufinden, wie man die Puzzlesteine zusammenfügen muss um eine brauchbare Verbindung zu erhalten, die einen zumindest mal in die Nähe des Ziels führte. Der Rest des Wegs wurde eben gelaufen!

Das Fahrrad war dabei keine echte Option, denn die Mitnahme im Zug ist faktisch eine Luftnummer. Selbst mit einem Birdy bist du im ICE auf die Gnade des Personals angewiesen, größere Fahrräder darf man garnicht darin mitnehmen, andere brauchbare Verbindungen gibt es nicht und für unkalkulierbare Glücksspiele bin ich nicht zu haben. Mit dem Auto wiederum sind es fast 400 Km einfacher Weg, was Streß pur bedeutet und bei dem LKW-Verkehr und dem Wetter zu einem Himmelfahrtskommando werden kann. Ich habe noch zu gut die Zustände bei Nacht und Nebel von der jüngsten Reise nach Baiersdorf im Kopf.

Das Fahrgeld ist mit Bahncard50 erschwinglich, zudem enthält der Fernverkehrsfahrschein ein sogenanntes Cityticket, was die Weiterfahrt mit dem Stadtbus gratis erlaubt. Günstiger als mit dem Auto ist es dann sowieso, zumal man keinen Parkplatz suchen muss und sich bei Regelbetrieb viel Nerven spart. Wenn der Zug fährt …

Die Bahn bewies gestern, dass sie es doch noch kann. Im Prinzip wenigstens. So drohte gleich die Hinfahrt ab Start ins Wasser zu fallen, weil der Ticker was von Signalstörungen und 20 Minuten möglicher Verspätung erzählte. Das hätte in Frankfurt Anschlussverlust bedeutet und damit höchstwahrscheinlich Ende Gelände! So viele mögliche Verbindungen in die Region gibt es nämlich nicht. Es ging zum Schluss aber mit 15 Minuten Verspätung aus, am Ziel in Regensburg, und das konnte ich mir leisten. Da war die Heimreise noch etwas spannender, war der ICE20, Regensburg ab 20:35 Uhr, doch die letzte Verbindung des Tages. Danach gibt es noch zwei IC nach Passau und etwas Regionalverkehr, dann werden die Bahnsteige hochgeklappt! Wer Spätabends noch nach Hause kommen will und diesen Zug nicht erreicht hat ein Problem, oder ein Auto. Der Zug wiederum war dann noch drei Minuten zu früh in Frankfurt!

Grau ist alle Theorie!

Ein Wetter wie aus dem Tollhaus hat man sich da ausgesucht! Seit Tagen warnte der Wetterdienst vor Glatteisregen in der Region! Wir sind hier zwar in Bayern, und Schnee gewöhnt – aber Glatteis? Außer den Rodlern oder den Eistänzern braucht das keiner, Radsportler gleich mal garnicht!

Wenn’s dem Esel zu wohl wird … geht er auf´s Eis tanzen. Sagt der Volksmund. Und was war? Acht Grad plus, zeitweise Sonnenschein, Tauwetter und stellenweise Überschwemmung! Dazu bei der Abfahrt Herbststürme! Also alles, nur nicht das Vorhergesagte.

Vor Ort fand dann statt, was man sich allgemein darunter so vorstellt. Zunächst war da ein Saal mit Stühlen, und vorne die übliche Fotowand. Alle warteten draussen auf dem Flur auf ihren großen Auftritt. Einer nach dem anderen wurde dann hereingerufen und kurz interviewt. Einer fehlte – Robert Müller. Mit 32 Jahren der Senior im Team war er doch der Aktivste, der während die anderen zuhause noch trainierten schon in Fernost Rennen fuhr und deshalb nicht da sein konnte. Dafür grüßte er aus der Ferne mit einem Video.

Neben zahlreichen Prominenten, Sponsoren und einigen Pressevertretern war auch das Fernsehen zugange in Gestalt des Regionalsenders TVA. Für einen vergleichsweise kleinen Verein eine ganze Menge. Das Ganze dauerte rund eine Stunde – bis der Computer, der die Einspieler lieferte, keine Lust mehr hatte! Man kennt das: Verlass´ dich auf andere und du bist verlassen! Ab da wurde es dann leicht turbulent, sodass man beschleunigt zum kulinarischen Teil überging – dem Bierfaßanstich. Wer eine Brauerei als Sponsor hat fällt nicht trocken!

Mehr Bilder des Abends sind in der Galerie. Die sagen mehr als 1000 Worte, weshalb ich diesen schon arg lang geratenen Artikel nicht noch weiter in die Länge ziehen möchte. Was es über Mannschaft und Verein zu sagen gibt kann man auch auf deren Website nachlesen.