ILTIS-Silvester-Cross

HERDORF – Was braucht man, um einen Radcross zu veranstalten?
Einen Sponsor und eine große Wiese! Alles andere ist Luxus.

Nach diesem Motto tat das Iltis-Racing-Team heute in Herdorf, einem laut eigenen Ortsschild „Städtchen“ am Südrand des Siegerlandes, was es am besten kann. Es veranstaltete das fünfte Rennen in vier Jahren des Bestehens. Ich benutze hier den Begriff des Rennens, weil es vom Umfeld her eins war, ungeachtet dessen, dass es keinen Wettkampfcharakter hatte.

Auf der Anreise wechselte die Stimmung bei mir zwischen hoffen und bangen. Bis zur Landesgrenze blieb es trocken, wenn auch nicht unbedingt schön. Temperaturen um 8 Grad Celsius, von Schnee oder Winter keine Spur. Mit erreichen des Siegerlandes wurde es dann naß vor der Scheibe, und die Hoffnungen auf einen schönen Tag schwanden dahin. Ich musste mich nur zu gut an letztes Jahr erinnern, als zur selben Gelegenheit Petrus die Landschaft schon einmal unter Wasser gesetzt hatte. Auch diesmal: Wetter schauerhaft!

Laut Ausschreibung sollte die Veranstaltung um 12 Uhr beginnen. Da aber tat sich nichts außer dass es kaum noch Parkplätze gab. Man saß im Auto und wartete das Ende des Regens ab. Es wurde 13 Uhr, und ein paar Kinder kamen langsam unter dem aufgebauten Zelt hervor. Denen machte das Wetter nichts aus. Den anderen schon. Die hielten sich lieber an die Würstchen vom Gasgrill. Preislich mit lediglich 2 Euro wie auch vom Geschmack hervorragend und sehr empfehlenswert!

Den Anfang machten dann die drei Kinderrennen: eins für die im Kindergartenalter, eins für die in der Grundschule, und eins für die etwas älteren. Je nach Alter eine, zwei oder drei verkürzte Runden auf dem Kurs ohne die Hindernisse. Anschließend durften sich die Erwachsenen 45 Minuten lang auf der ganzen Strecke austoben, die man sozusagen dem Hauptsponsor Beycodent in den Garten gebaut hatte. Hinter und neben dem Firmengebäude erstreckt sich eine große Wiese, rund zwei Fußballfelder groß und alles andere als eben. Das war heute der Spielplatz für jung und alt. Dort eingearbeitet waren allerlei Hindernisse und eine Strecke aus Flatterband, die einer ganz normalen Rennstrecke entsprach, wie man die auch sonst so finden kann.

Warum legt man dann solchen Wert darauf, dass das heute keinesfalls ein echtes Rennen war? Es war ein Training, und die Wortspielerei ist eigentlich Notwehr, denn wenn es nach dem Verband geht war das heute eigentlich ein wildes Rennen, weil es nicht von einem seiner Mitgliedsvereine organisiert wurde. Lizenzierte Rennfahrer setzen sich der Strafverfolgung und Startsperren aus, wenn sie dort teilnehmen! Also nannte man es Training, auch wenn es vom Umfeld her ein Rennen war.

Ich finde, man sollte hier etwas differenzieren, ob das „wilde“ Rennen ein kommerzielles Spektakel ist, das der Veranstalter wie so manchen Bikemarathon rein aus Gewinngründen anbietet, oder ob Sportler für Sportler etwas auf die Beine stellen, weil es an anderen Angeboten mangelt. Wie sollen denn Nachwuchssportler für die Vereine oder den Sport als solchem gewonnen werden wenn sie es nirgendwo ausprobieren können? Solche Trainingsrennen sind ein Kind unserer Zeit, wo die Vereine immer weniger werden und auch die Angebote wegen Mangel an Ehrenamtlichen ausdünnen. Da sind solche Initiativen zu loben statt zu verhindern! Streng genommen tun sie das, was die Vereine nicht mehr wollen oder können.

Nach den Kinderrennen war Pause. Was man vergebens suchte waren die sonst üblichen Verdächtigen der Szene. Der genannte Einzugsbereich von etwa 200 Kilometern entsprach dem Stand vom letzten Jahr, wo sogar Teilnehmer aus Frankfurt gesehen wurden. Heute war keiner von denen gekommen.
Marvin Schmidt war in Zivil erschienen und ohne Rad. Er war über Weihnachten krank gewesen und noch nicht wieder fit genug, um seinen Ansprüchen gemäß einen Wettbewerb zu bestreiten. Der eigentlich einzig Prominente am Start war dann Gerrit Rosenkranz. Für den vielfach geübten Titelaspiranten war es eigentlich ein einsames Rennen. Auch wenn er das nicht gerne hört – er fuhr der Konkurrenz förmlich um die Ohren! Was war denn auch zu erwarten, wenn ein Cupteilnehmer auf Anfänger und Freizeitfahrer trifft?

Was da als Radcross ausgeschrieben war entwickelte sich vom Material der Teilnehmer her eher zu einem Mountainbikerennen. Auf etwa ein Dutzend Crossräder kam ein mehrfaches an MTB aller Art. Bei den Kindern starteten einige sogar mit Motorradhelm samt Brille wie bei Motocross oder Downhill. Man nimmt was man gerade hat.

Hier ist das Video zum Event:

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