Internationaler Radcross in Bensheim

Das war ein Tag der seltsamen Entscheidungen an diesem Sonntag! Aufgewacht bin ich dank merkwürdiger Geräusche vom Dach – und richtig, draussen regnete es Packmaterial sprich Bindfäden!

Hat da wer rechte Lust, sich schwer bepackt an eine Rennstrecke zu stellen? Richtig, es gab diese Zeiten mal – vor langer, sehr langer Zeit. Damals war ich aber auch noch 20 Jahre jünger, und gesund. Das, was sich kurz vor dem Zieleinlauf in Einhausen im Sommer zugetragen hat und der damit verbundene zwischenmenschliche Umgang miteinander hat diese Zeiten wohl ein für allemal beendet! Es gibt keine Menschen erster und zweiter Klasse, oder hier Fotografen mit gelben und grünen Westen. Es gibt Menschen, und wenn nicht genug Platz an der Fotolinie für alle ist kann man fragen wer lange Brennweiten zur Verfügung hat. Die müssen nämlich nicht vorne stehen und können Platz machen für die, deren Arbeit solche Prügel nicht unbedingt erfordert. Diese hätten von weiter hinten keine Chance auf brauchbare Bilder, und man sollte Manns genug sein nicht nur an sich selbst zu denken. Man geht aber niemals her und erklärt seine Kollegen für minderwertig, schickt sie Kraft eigener Machtvollkommenheit einfach weg und nimmt ihrer Arbeit so jeden Sinn. Ob die je wiederkommen beim nächsten Rennen sehe ich sehr kritisch.

Also habe ich schon im Vorfeld lange mit mir gerungen, und entschieden in diesem Jahr keine Akkreditierung mehr anzufragen – und siehe da, vor Ort merkte man bald dass ich damit nicht alleine stand. Auch andere namhafte Fotografen haben so reagiert. Da ohnehin bekannt sein konnte, dass man es dort mit einer ellenlangen Startgeraden zu tun bekommt, habe ich etwas herumexperimentiert und statt den bewährten Canons und Nikons mal auf MFT gesetzt. Mit einer Lumix G9 oder einer Olympus E-M1 Mark II bekommt man so in Verbindung mit einem 100-400 mm Zoom eine wirksame Brennweite von 800 mm, und das bei vergleichsweise wenig Masse. In Bezug auf Tempo stecken diese Modelle mit 60 Bildern je Sekunde ihre Profi-Vettern eh in die Tasche. Was dabei rauskommt steht auf einem anderen Blatt Papier, aber gerade die Olympus hat mich hier angenehm überrascht!

Schon beim Zieleinlauf der Junioren hat sich die Richtigkeit der Annahme erwiesen, wäre mit normalen Werten die Jubelpose von Tom kaum zu erfassen gewesen.
Es war klar, dass ich dennoch Abstriche würde machen müssen, da der Mini-Sensor mit der am Schluss zu erwartenden Dunkelheit Probleme bekommen würde. Entweder lange Brennweiten, oder ISO-Wunder. Beides geht bei Fotos noch nicht. Komischerweise haben Filmkameras mit ähnlicher Technik solche Probleme nicht, wie die Lumix GH5s zeigt.

Da es somit um nicht mehr ging als um den sprichwörtlichen goldenen Blumentopf habe ich abgewartet, wie sich das Wetter auf dem Radarbild entwickelt. Gefahren bin ich dann so, dass ich rechtzeitig zum Start der Junioren gegen Mittag dort eintraf. Parkplätze gab es mehr als genug, da kaum Zuschauer anwesend waren. 

Die ersten Bilder des Tages zeigen die Siegerehrung der Masters, die wie die vor ihnen gestartete Hobbyklasse die volle Dusche abbekommen haben. Auch zum Start der Junioren waren Tragegestell und angebauter Regenschirm noch eine gute Einrichtung, es liess jedoch schon merklich nach und hörte bald auf.

Nichtsdestotrotz war der Boden mehr als weich, und die Abfahrt vom Hügel erwies sich als tückisch. So landete mancher leider Kopf voraus in den Zäunen, und mindestens einer blieb dort vor Schmerzen erst mal liegen! Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert. Lenken war an dieser Stelle reine Glückssache. Das Foto rechts zeigt den späteren Sieger – Tom Lindner. Damit hat seit längerem einmal wieder ein Deutscher den Fahrern aus dem BeNeLux-Raum gezeigt, dass wieder wer mit ihnen mithalten kann.

Die Ergebnisse des Tages findet ihr bei Rad-Net.de.

Weiter ging es mit den Damen. Dort gab es mit Elisabeth Brandau eine erklärte Favoritin, und die wurde dem Anspruch mehr als gerecht.

Bei der Strecke handelte es sich um die leicht verkürzte Kopie der Anlage, die im vergangenen Januar bereits die Deutschen Meisterschaften an gleicher Stelle gesehen hatte, und heute glänzten erneut die damals vergebenen Meistertrikots.

Angesehen habe ich mir das Damenrennen im Sandkasten. An jener Stelle im Norden des Sportparks West kommt zuerst eine Sandgrube, gefolgt von einem Sprunghügel, der über eine lange Treppe zu erklimmen ist, dahinter eine Abfahrt, die schon fast an einen Drop erinnert, sowie weitere Anlieger, die nach dem Regen eher eine Fangopackung erzeugten. Der Anblick mag täuschen, aber für die Bodenverhältnisse waren die meisten Sportler hinterher noch recht sauber. Kamen sie etwa in der eben auch da gelegenen Waschstraße vorbei?

Nach einer kurzen Unterbrechung sah man ein zotteliges Ungeheuer durch die Gegend schleichen. Das war das Maskottchen vom Titelsponsor und sollte einen Fuchs darstellen.

Er war auf dem Weg zum Start, wo eine Anzahl Kinder Aufstellung genommen hatte zum Einlagewettbewerb. Einmal vom Start zum Ziel die Gerade hinunter, und das auf Laufrädern.

Um 15 Uhr war der Boden schon etwas abgetrocknet, und die anfangs vorhandene Suhle hatte sich verfestigt. Zeit für den Höhepunkt des Tages mit dem Rennen der Profis, offiziell der Männer-Elite.

Wer stand da am Start? Zuallererst mal der amtierende Deutsche Meister, Marcel Meisen. Daneben wer Rang und Namen hatte in einer gewöhnlich von Belgiern dominierten Szene. Auch Sascha Weber war gekommen. Ein anderer Sascha – Starker – hatte jedoch obwohl Lokalmatador im Vorfeld die Segel gestrichen und erklärt, die Verhältnisse seien nichts für ihn. Auch zu erwähnen wäre Wolfram Kurschat, von dem der Sprecher verkündete, er wolle nur deshalb trotz entsprechenden Alters nicht bei den Masters starten, weil er noch nicht reif fürs Altenteil sei. „Wolfman“, wie mancher ihn gerne nennt, kommt vom MTB und hat mehr als einmal gezeigt, dass er es kann. Zum Schluss war er 17. hinter Manuel Müller. Der andere Lokalmatador, Jan Dieteren, stand zu der Zeit schon hinter dem Ziel, ebenso wie Pierre Happel oder Fabian Holbach, die alle von der Jury aus dem Rennen genommen wurden, um beim Zielsprint kein Chaos zu verursachen.

Meisen machte eigentlich schon gleich zu Anfang kurzen Prozeß und konnte eine Lücke reißen, die er im Rennverlauf komfortabel vergrößerte und so das Rennen in der letzten Runde fast gemütlich ausklingen lassen konnte.

Fotografisch war das dieselbe Situation wie zuvor bei den Junioren, und auch hier erwies das lange Tele seine Nützlichkeit.

Bei der Ausarbeitung der Fotos – es waren anfänglich fast 3000 Stück – zeigte sich der Nachteil der Schrotflintenmethode. Zwar hat man so eine erheblich größere Chance auf einen Volltreffer und kann sich später am Rechner in Ruhe das beste Bild heraussuchen, aber: von der langen Serie bleibt ja nur die Perle in der Auster übrig. Der Rest fällt unter den Tisch und landet im digitalen Mülleimer. Somit dauert die Arbeit damit noch einmal entschieden länger und wird aufwändiger. Nichts, was man mal so nebenbei erledigen sollte. Übrig blieben von den tausenden Fotos so nur einige Hundert. Immer noch genug! Meine Bilder vom Tage sind in drei Ordnern in der Galerie.