Lightroom

Vielen ist es zuviel Aufwand – ihre Bilder vor der Veröffentlichung oder Archivierung aufzuarbeiten. Ich halte es aber für den wichtigsten Teil dieser Tätigkeit, so wie das Würzen beim Kochen. Niemand holt sich freiwillig fade Speisen auf den Tisch. Warum also halbfertige Bilder?

Moderne DSLR-Kameras bieten in aller Regel die Möglichkeit, als Format der Aufnahmen RAW zu wählen. Üblicherweise machen die meisten Leute ihre Bilder als JPEG. Damit aber werfen sie, oft unbewusst, viele Möglichkeiten über Bord!

Die Farbtiefe von JPEG beträgt 8 Bit, also 256 Helligkeitsabstufungen in jedem der drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau. Der Sensor liefert aber 12 oder 14 Bit Daten, also Millionen Farbnuancen, die bei der Kompression auf Nimmerwiedersehen den Jordan runter gehen!

Wer ernsthaft fotografiert sollte da doch mal nachdenken, ob etwas Mühe mit den Bildern die Sache nicht wert ist.

Die Entwicklung von Rohdaten erscheint dem Laien erst mal wie ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei ist es nichts weiter als angewandte Physik, so wie die ganze Fotografie an sich auch! Es ist alles andere als Hexenwerk!

Es gibt nun zu dieser Frage eine ganze Menge Lehrmaterial, nach dessen Studium einem der Kopf raucht und man nicht mehr weiss wo vorne und hinten ist. Dabei gibt es eigentlich nur einen einfachen Lehrsatz: Traue keiner Automatik weiter als du sie kontrollieren kannst!

Aller Anfang ist, die Aufnahmen von der Speicherkarte auf die Festplatte des heimischen PC zu kopieren.

Ist das erfolgt öffnet man in Lightroom, oder einem anderen Programm zur Rohdatenverarbeitung, einen neuen Katalog und importiert die Daten dort hin. Man kann sich einen solchen Katalog auch ersatzweise als Ordner vorstellen, bekommt eine erste Übersicht, was man da verbrochen hat – und sortiert die offensichtlichen Fehlschüsse gleich mal aus! Das muss man sowieso machen! Mit Müll braucht man keine Zeit verschwenden, unscharfe Bilder wird auch kaum jemand aufheben wollen.

Etwas vorsichtiger wäre ich da schon bei den anscheinend falsch Belichteten!

Nachfolgend werde ich kurz beschreiben, wie ich damit umgehe. Das ist kein Lehrbuch und schon gar keine Doktrin, nur das Resultat aus langjähriger Erfahrung.

Beginnen wir mit der Farbtemperatur. Sie entscheidet, ob eine Aufnahme wärmer (also rötlicher) oder kälter (bläulicher) wirkt. Angegeben wird sie in Kelvingraden, wobei der Wert für eine Glühbirne um die 2800K am warmen Ende beginnt und bei mehr als 10000K im Schatten sonniger Berge endet. Tageslicht schwankt gerne um die 5800K, Blitzlicht gleichermassen, und wenn es bewölkt wird steht man mit 6500K nicht völlig im Regen.

Falls du dir mal nicht einig bist welche Farbtemperatur du einstellen sollst, wähle RAW als Aufnahmeformat. Dann kannst du später am PC in Allerseelenruhe anpassen, was nötig ist, und auch ein völliger Fehlgriff ist kein Beinbruch. Bei JPG oder anderen „endgültigen“ Formaten wäre der Zug da abgefahren!

Man sieht die Änderung in der Live-Vorschau, und seid unbesorgt: Jede Bearbeitung ist „nicht-zerstörend“, will heissen, es wird immer eine Kopie bearbeitet. Das Original-RAW ist sakrosankt und wird oft sogar von Versicherungen als Nachweis anerkannt. Man kann auch nichts als RAW ausserhalb der Kamera speichern. Wobei – Rohdaten sind einzig und alleine die Daten direkt vom Sensor, die unbearbeitet abgespeichert werden. Alles andere, auch zu DNG konvertierte Bilder, ist nicht mehr RAW!

Da die Lichtverhältnisse während einer Aufnahmesitzung oft gleich bleiben kann man jetzt kurzen Prozess machen und seine Aufnahmen synchronisieren. Damit überträgt man diese Einstellungen auf alle anderen Bilder. Wenn es klappt spart man sich so das Herumfummeln.

Was bleibt? Helligkeit und Kontrast.
Jeder Belichtungsmesser – auch die Matrixmessung moderner Kameras – ist auf Mittelgrau geeicht. Wer damit also ohne Nachhilfe schwarzen Samt aufnimmt wird ein Bild bekommen das aussieht wie aus dem Bleichbad! Dasselbe passiert übrigens auch gerne mit Radhosen. Um zu erkennen wie die Software das Bild analysiert hat klicke ich jetzt mal ganz vorsichtig auf den „Automatik“-Button. Was man da bekommt sieht oft zum fortlaufen aus, es zeigt aber die Werteverteilung in Abweichung von der Norm. In der Regel kommt man schon zum Ziel, wenn man jetzt unter Beachtung des Histogramms die Helligkeit anpasst und den Kontrast nachregelt.

Ist das Gröbste geschafft geht es noch um Lichter und Schatten. Hierzu gibt es zwei gleichnamige Regler. Bedient man die zusammen mit der Alt-Taste (am Mac) sieht man eine schwarze oder weisse Maske, die anzeigt was an Pixeln zuläuft oder ausfrisst.

Die Automatik des aktuellen Lightroom spült oft so weich, dass Kontrasteinstellungen von -25 dabei herauskommen. Das ist weltfremd! Nicht jedes Bild ist eine HDR-Aufnahme. Das Programm versucht nur, auf Teufel komm raus alle Lichter und Schatten in einen wiedergebbaren Bereich zu bringen, was aber regelmäßig am Ziel vorbei führt. Man muss hier also mindestens nachregeln oder das Setup ganz selber machen.

Danach ist das Bild eigentlich soweit fertig.

Man erhält Aufnahmen, die auf jeden Fall detailreicher und farbenfroher sind als alles, was eine Automatik in der Kamera auf die Reihe kriegt!

 

2 Gedanken zu „Lightroom“

    1. Hallo Andy, so vermessen bin ich nicht. Die meisten Leute nennen den einen Profi, der damit Geschäfte macht. Die ursprüngliche Bedeutung ist leider sehr in Vergessenheit geraten. Da hieß es nämlich, Profi ist wer gelernt hat was er da macht, und wir sollten eigentlich alle Amateure sein – also Liebhaber dieser Sache. Es ist nämlich nicht so dass der Profi nicht auch Amateur sein könnte, auch wenn der heutige Sprachgebrauch das ausschließt und den Amateur mit dem Dilettanten verwechselt. Das war ursprünglich nämlich der, der per Zufall zu ordentlichen Resultaten kommt, ohne zu wissen warum.

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