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Sozusagen unter verschärften Bedingungen ging gestern Abend die Bezirksmeisterschaft von Nordhessen im Bergzeitfahren über die Bühne.

Der etwa fünf Kilometer lange Kurs von der Domäne Mittelhof bei Felsberg hinauf zur Mittelhöhe hatte es wahrlich in sich, verwandelte doch der kurz zuvor niedergegangene Regen die Straße in eine Rutschbahn. Aus dem Auto betrachtet sah es gar nicht so steil aus. Stand man später am Straßenrand und hörte die Sportler keuchen machte das dann aber doch einen anderen Eindruck!

Wie wir wissen hat es die vergangenen Monate hindurch kaum geregnet. So war die Straße ziemlich staubig, und der mengenmäßig geringe Niederschlag am Nachmittag machte daraus ein Spiel ohne Grenzen, was mindestens ein Autofahrer mit einem Ausflug in den Graben zu spüren bekam. Da das Auto zu Beginn des Rennens da und danach weg war muss währenddessen ein Bergungsunternehmen tätig gewesen sein, und die Rennfahrer mussten auf der ohnehin nicht allzu breiten Straße da vorbei.

Sie starteten im Minutentakt. 61 waren angetreten, 59 kamen in die Wertung.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang war nicht nur die Terminansetzung. An einem Freitagabend 18 Uhr ein Meisterschaftsrennen zu veranstalten, wozu man noch weiss dass es Ende September zwei Stunden später Nacht ist, mutet an nach einer Mischung aus Mut und Verzweiflung. Die Terminzusammenballung an diesem Wochenende ist in der Tat einmalig. Gestern wie gesagt das Bergzeitfahren, heute der Stenger-Bike Waldseecup in Volkersbrunn, in Schotten noch ein Bergzeitfahren, das schon mal Hessenmeisterschaften gesehen hat, am Sonntag in Darmstadt das Finale vom Viactiv-Cup. Es gibt viel zu tun, da wird keinem langweilig, auch wenn der Wetterbericht zu Sorgen Anlass gibt. All diese Termine wahrzunehmen wäre zwar schön, ist aber kaum möglich.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet nötigt die Leistung mancher Teilnehmer gestern Respekt ab. Da wäre zu nennen die Leistung des Ausrichters, der es zu diesem ungewöhnlichen Zeitpunkt doch schaffte, genug Helfer zu mobilisieren, um in der zu durchfahrenden Ortschaft alle Straßeneinmündungen zu besetzen und auf der Durchgangsstraße parkende Autos zu entfernen. Auch Start und Ziel waren einfach aber dennoch zweckmäßig eingerichtet. Man nehme jeweils einen Tisch und stelle eine Uhr darauf. Fertig. Zum Glück hat es während des Rennens nicht mehr geregnet!
Ebenso erwähnenswert die Leistungen einiger Sportler, wie da wäre Eiko B., der sich eine Woche zuvor das Schlüsselbein gebrochen hatte, nun aber dennoch aufs Rad stieg – und Dritter wurde. Was wäre er eigentlich geworden, wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen wäre? Erfreulich war die Beteiligung gerade im Nachwuchsbereich, ausser bei den Junioren. Aber das kennen wir ja schon dass es da nur zwei gegeben hat, von denen einer mit Vollbart auftrat, sodass er bei unbefangenen Betrachtern mühelos fünf Jahre älter durchgegangen wäre.

So fand später ab 20 Uhr in der Bücherei der Drei-Burgen-Schule im nahen Felsberg die Siegerehrung unter Gegenwart des Direktors des Namenspatrons statt.

Es war ein interessantes Rennen, auch wenn man ehrlicherweise dazu sagen muss, dass es nach der Wortwahl des offiziellen Verbands wohl ein „wildes“ Rennen war. Ohne offizielle Aussschreibung im Verbandsorgan wussten nur die Eingeweihten davon, und die vorhandenen Angaben machten es einem Ortsfremden trotz Navi schwer, das Ereignis zu finden. Mein Navi kannte weder den Bauernhof, dessen Fläche als Parkplatz diente, noch die Schule, wo die Siegerehrung stattfand. Da war etwas detektivische Kleinarbeit nötig.

Merkwürdig war auch die Reise selbst. Gestartet direkt nach der Arbeit um 14 Uhr kam ich bei rund 200 Km Weg erst gegen 17:30 Uhr dort an, und das nicht weil es keine brauchbaren Straßen gäbe, sondern eher weil es an fähigen Verkehrsteilnehmern mangelt. Die eine Spur der Autobahn war voll mit Lastwagen, großteils Richtung Osten, die andere Fahrbahn engte sich durch andauernde Baustellen wie auch durch anlaßlose Staus immer wieder ein, sodass an Vorankommen kaum zu denken war. Noch ein Erlebnis der anderen Art gab es dann vor der Heimreise. Der Tankinhalt war knapp, eine Tankstelle aber am Ort noch offen. Das aber änderte sich unerwartet, allerdings erst nachdem ich getankt und bezahlt hatte. Da wurde es unvermittelt dunkel.

Der Letzte macht eben immer das Licht aus.

Bilder sind in der Bildersammlung.