Deutschland-Tour

Totgesagte leben länger – sagt man. So gab es nun unter der Regie des Tour-de-France-Veranstalters ASO nach zehnjähriger Pause eine Neuauflage der traditionsreichen Rundfahrt. Oder sind es nur „des Kaisers neue Kleider“?

Vier Etappen gab es. Nicht eine zusammenhängende Rundfahrt durch Deutschland. Die Tour startete in Koblenz, führte über Bonn und Trier nach Merzig ins Saarland, von wo aus man in der Nacht zum Sonntag heimlich, still und leise ins Südhessische nach Lorsch glitt, um die vierte und letzte Etappe mit Ziel in Stuttgart in Angriff zu nehmen.

Es ist also Sonntag, du wachst auf, denkst dir nichts böses, guckst aus dem Fenster, siehst die Sonne und freust dich auf den Tag. Ein weiterer Blick aber lässt alle Gedanken erfrieren – das Thermometer zeigt lediglich NEUN Grad Celsius, und das im August. Hatten wir nicht eben gerade noch wochenlange Dürre mit Temperaturen weit über 30 Grad? Nun ja, heute eben nicht.

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Noch so ein Spruch mit Hintergedanken.
Alles was man wusste war, dass die Einschreibung vor der Klosterhalle sein sollte, und wer die Fernsehbilder der vergangenen Tage gesehen hatte ahnte, es könnte voll werden. Daher hatte ich beschlossen (nein, nicht Politiker zu werden, sondern) früh genug anzureisen. So war ich schon kurz nach Neun in Lorsch am Kloster – und wunderte mich über die gähnende Leere! Da war fast kein Mensch! Nichts da mit Kampf um die besten Plätze! Such dir was aus, es ist noch alles im Angebot!

Als die Versammlung dann kurz vor Elf los ging war das weitgehend immer noch so. Hinter dem Zaun standen die Interessierten vielleicht in Dreierreihe. Keine Rede von einem überfüllten Platz. Vermutlich war es in der Kirche beim Gottesdienst nebenan voller, oder in Viernheim beim Triathlon.

Die Mannschaften kamen, zeichneten ihre Teilnahme auf einer großen Flipchart ab, stellten sich zum Gruppenfoto dem knappen Dutzend Fotografen, davon mehr hinter dem Zaun als davor, und fuhren ihrer Wege. Ab ins Warme! Einigen musste dabei so kalt gewesen sein dass sie das Gruppenfoto ausließen und einzeln stante pede davonfuhren.

Man fragte sich unwillkürlich, ob man vielleicht am falschen Ort sei und die Party woanders gefeiert würde. Nein, es war der richtige Ort. Auf dem Marktplatz zweihundert Meter weiter, wo um Zwölf der Start sein sollte, stand mutterseelenallein der aufgeblasene rote Torbogen und harrte der Dinge, die da kommen wollten. Gesellschaft leisteten ihm etwa zwanzig Motorräder, die später als Begleitung für das Feld dienen sollten.

Bis dahin aber war ich schon weiter. Es war im Vorfeld kaum zu erwarten, als Nobody bei erwarteten zwanzig Pressefotografen am Start etwas bestellen zu können. Also bezog ich ein lauschiges Plätzchen draußen im Wald.

Durch diese hohle Gasse müssen sie kommen!

Nicht nur bei Wilhelm Tell war das so. Auch der Weg nach Hüttenfeld führte über genau diese eine Straße, vorbei an einem Wanderparkplatz kurz hinter Lorsch. Ein beinahe idealer Standort. War ich der Einzige der so dachte? Neben mir stand da noch der Streckenposten, und kam sich einsam vor…

Keine Zuschauer, nur ein paar verwegene Radamateure, die schon mal zum Seehof vorausfuhren, wo der scharfe Start sein sollte.

So wurde es Zwölf, das Feld kam, fuhr gemütlich vorüber, einige lachten in die Kamera, andere schauten neugierig ob der Figur am Wegesrand mit seiner Glaslinse – und acht Minuten später war alles wieder vorbei. Bis auf rund zweihundert Fotos in meiner Kamera, die wegen unklarer Rechte hier leider nicht gezeigt werden können.

Deutschland-Tour …