ROTHAUS Bike Giro Hochschwarzwald 2018, Resümee

Nun, während die Waschmaschine läuft – und bei einer wird es heute nicht bleiben – kann ich die Zeit nutzen und nachholen, was mir die Tage nicht vergönnt gewesen ist.

Mit Bier getauft zu werden ist eine Ehre der ganz besonderen Art. Der stärkehaltige Gerstensaft verwandelt sich binnen kurzer Zeit in eine klebrige Angelegenheit, und nicht überall ist eine Dusche in greifbarer Nähe. So stand er denn gestern da neben der Tribüne, auf der gegen 15 Uhr zum Abschluss der viertägigen Veranstaltung die Ehrungen stattgefunden hatten. Ihr kennt den Spruch vom begossenen Pudel?

Simon Stiebjahn, alle nennen ihn einfach Stiebi, ist nicht nur Streckenchef und Ursache mancher Flüche im Fahrerlager, sondern ebenso aktiver Teilnehmer – und Gesamtsieger, nachdem er die Etappen eins bis drei alle für sich entschieden hatte.

Über die ersten beiden Etappen hatte ich ja zuvor schon ein paar Worte verloren.

(Feldberg: →Prolog →2. Etappe)

Die auf dem Feldberg bzw. genau genommen auf dem Seebuck ausgetragenen Teilabschnitte schafften insoweit schon klare Verhältnisse, was die Spitze betrifft.

Simon kennt dort – es ist seine Heimat – jeden Stein beim Namen, und auch die aus dem Taunus angereiste Mandy Platzdasch liess bei den Damen Masters 2 nichts anbrennen. Von vier Etappen vier gewonnen, was will man mehr? Zwar war sie durch eine Panne auf der Anreise auf die Gunst des Veranstalters angewiesen, da sie zum eigentlichen Start zu spät kam. Man ließ sie aber Nachstarten. Alles andere wäre auch schade gewesen. Die Letzten werden die Ersten sein. Man kennt das!

Auch Simon war im Verlauf der Etappe 3 auf Schützenhilfe angewiesen (siehe Bildhintergrund), die seines Teams Bulls nämlich. In Neustadt an der Hochfirstschanze hatte er technische Probleme bekommen und benötigte ein Ersatzlaufrad, das ihm sein Teamkollege kurzfristig zureichen konnte. So wurde das Rennen noch einmal kurzzeitig spannend. Am Ergebnis änderte sich aber nichts.

Gehässige Zeitzeugen meinten, er habe sich den Kurs auf den Leib geschrieben, vereinzelt war sogar von einem abgekarteten Spiel die Rede. Wenn man aber sieht wie da gefahren wurde (Video kommt noch!), so muss auch der letzte Neidhammel anerkennen, dass die Rangfolge – zumindest was die Elite betrifft – absolut in Ordnung geht! Etwas kritisch sehen kann man, dass manche Abschnitte vom laienhaften Eindruck her nur für die Asse fahrbar waren. Beispielsweise die Serpentine vor der Verpflegung in Todtnau am zweiten Tag. Da ging’s rund 50 Meter steil abwärts, und nur die Profis hatten dort Spaß. Ich wüsste jetzt ehrlich gesagt nicht, woher Freizeitfahrer aus weniger gebirgigen Gegenden die Fertigkeiten haben sollten, solche Stellen sicher bewältigen zu können! In Spessart, Taunus oder Odenwald wären mir solche Passagen jetzt nicht bekannt, und nach der geltenden Rechtslage dürfen selbst die Einheimischen dort nicht üben. Ein „Chickenway“ wäre nach meiner Einschätzung da eine gute Idee! Oft kann man dennoch solche Stellen auf dem Rad fahrend besser meistern als zu Fuss laufend … sofern man darin geübt ist, 180°-Kurven auf dem Fleck zu wenden.

Man kann natürlich so auch sicher stellen, wer um den Sieg fährt, und wer mit seinen Startgeldern die Veranstaltung bezahlt, ohne je eine Chance auf Preise zu haben. Das finde ich etwas schade, ist es doch kein Weltpokal-Rennen, sondern eigentlich eine – zumindest nach dem Verhältnis von Profis zu Jedermännern – Breitensportveranstaltung, die auch für weniger Geübte sicher sein sollte.

Stiebi hat alles vom Zeitfahren bis zur Königsetappe am dritten Tag gewonnen, sodass die Schlussetappe mal wer anders gewinnen konnte ohne dass das erhebliche Folgen für die Gesamtwertung hatte. Der hieß Max Brandl und fährt für das Lexware-Team aus Kirchzarten. Schon in Höchenschwand fuhr er mit etwas Abstand vorne weg, die Meute nach rund 10 Sekunden geschlossen in Schlagweite hinterher.

Siegerin bei den Damen: Adelheid Morath. Auch keine Unbekannte in der Szene!

Beide Vorjahressieger wiederholten also ihre Erfolge.

Alle Gesamtsieger 2018

Die Ergebnisse gibt’s bei Abavent.

Fazit: Landschaftlich wie sportlich sehr schöne Sache, auch wenn hier und da noch Potential besteht, es für Zuschauer – und Filmer – handhabbarer zu machen. Ohne Auto hast du keine Chance, mit dem ÖPNV gleich garnicht, und wer bei Start/Ziel sitzen bleibt bekommt vom Rennen nicht viel mit. Zwar gab sich der Sprecher redlich Mühe, die Zuschauer auf dem aktuellen Stand zu halten, einen eigenen Eindruck vom Renngeschehen ersetzt das aber nicht. Das Problem ist die Zeit, wenn man sich vor Ort nicht im Detail auskennt. Mitunter sind Parkmöglichkeiten recht weit entfernt, und Zeit zum lange Rumrennen hat man eigentlich keine. Nicht selten sind die Radfahrer schneller unterwegs als ein Auto, weil sie eben Wege fahren können, wo die Landstraße reichlich Umwege macht. 10 Minuten Zeittoleranz zwischen „warten müssen“ und „zu spät kommen“ ist nicht viel, und beim Film hängen davon Sein oder Nichtsein ab.

Videos:

  • 1. Etappe Einzelzeitfahren Feldberg
  • 2. Etappe Feldberg – Todtnau – Feldberg
  • 3. Etappe Rothaus – Neustadt – Rothaus
  • 4. Etappe Rothaus – Höchenschwand – Rothaus

oder besucht die Playlist.

2 Gedanken zu „ROTHAUS Bike Giro Hochschwarzwald 2018, Resümee“

  1. Hallo Thomas- ja sa ist das Problem beim MTB : Sportler verschwinden für Stunden im Wald bevor sie dann irgendwann ins Ziel kommen! Da lob´ ich mir das klassische Crossrennen- da hat der Zuschauer mehr davon. Aber es muss alles so sein wie bei den Vorbildern in USA und Australien. Ganz abgesehen davon, dass unser „deutscher Wald“ zu schön ist um einfach durch zu heizen!
    Aber solange der Forst bei dem Irrsinn mitmacht wird sich nix ändern. Hast Du Dir schonmal Gedanken gemacht zur 2moralischen Integrität“ dieser Sportler. Kurz sich was reinziehen ist bei der Strecke einfacher als im Kriterium…
    Bleib´ positiv, LG, Ralf

    1. Hallo Ralf, vergleiche bitte nicht Äpfel mit Birnen, es sind in Bezug auf Sport verschiedene Dinge. Die Fähigkeiten, die für ein Mehretappenrennen gebraucht werden, sind andere als für einen Sprint, und wiederum braucht ein Zeitfahrer andere Dinge wie ein Bergfex. Die sportlich bei solchen Rennen nachgefragten Fähigkeiten gehen schon in Ordnung. Was nicht in Ordnung geht, aber den Verantwortlichen anscheinend garnicht weiter auffällt ist die Beziehung zur Öffentlichkeit, das Verhältnis zur Normalbevölkerung! Man benimmt sich so wie der FC Bayern: Mia san mia! Das beziehe ich ganz besonders auf die Teams, die sich einerseits präsentieren, sich aber auch abkapseln. Du kannst in dem Video sehen wie Stiebi sogar auf die Fragen des Moderators ausweicht und eigentlich was ganz anderes erzählt als gefragt wurde. Das ist natürlich auch eine Art, vorhandenes Vertrauen zu vernichten und neues erst garnicht entstehen zu lassen, denn wenn man Interessierte, die nicht zum inneren Zirkel gehören, wie Spione behandelt braucht man sich auch nicht zu wundern wenn die auf Abstand gehen. Ich warte nur auf den nächsten Helferaufruf. Das kommt aus der gleichen Ecke!

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