Rad-DM Einhausen 2018

Drei Tage lang gaben sich die besten Radrennfahrer Deutschlands in Einhausen ein Stelldichein. Das Wochenende begann für mich mit großen Erwartungen, und endete mit einer herben Enttäuschung! Dazu später mehr.

Es waren heiße Tage mit Temperaturen von über 30°C und wenig Schatten. Die wenigen Zuschauer suchten diesen, oder taten das Naheliegende – sie flohen in den Wald. Das hätte ich vielleicht auch tun sollen, denn am Sonntag Abend sah ich eher aus wie ein gekochter Hummer – rot und gar. Sonnenbrand als Folge übermäßiger Aktivität? Gutes Bild- und Videomaterial hat es eingebracht, aber auch die Erkenntnis dass man sich besser nicht auf andere verlässt!

Das Ereignis begann am Freitag um 12 Uhr – als „alle Welt“ noch berufstätig war – mit dem Zeitfahren der Klasse U23. Die Runde von 15 Kilometern wurde zwei- später dreimal befahren, sodass sich Renndistanzen von 30 Km für die U23 und die Damen, und 45 Km für die Profis ergaben. Den Anfang machten sechs ausgewählte Junioren in einem Sichtungsrennen. Für die etwas Älteren gab es anschließend nach den U23 einen Lauf mit Wertung zur Radbundesliga, gefolgt am frühen Abend von den Durchgängen der Profis. Die Damen machten den Abschluss, und es wurde später Abend bis im Dorf wieder Ruhe einkehrte. Die Siegerehrung aller Klassen gab es dann unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit im VIP-Bereich des Rathauses ab 22 Uhr!

Die Startreihenfolge war bis zum Morgen vor dem Start öffentlich nicht bekannt, sodass es unmöglich war das im Videokonzept aufzunehmen. Wer da also durch den Film fährt blieb mehr oder weniger dem Zufall überlassen. Es sind ein paar Einstellungen von Junioren und U23 geworden, die ihr bei Youtube sehen könnt und die sich offenbar reger Nachfrage erfreuen. Von den anschließenden Rennen habe ich noch einige Fotos gemacht, die ihr hier in der Galerie findet.

U23-Meister wurde Jasper Frahm vom Heizomat-Rad-Net-Team, der 37:07 Minuten brauchte und damit Maßstäbe setzte. Tony Martin war bei den Profis unschlagbar und fügte seiner Titelsammlung einen weiteren hinzu. Auch als mehrfacher Meister kann er sich immer noch darüber freuen, bei der Ehrung strahlte er wie ein Atomkraftwerk …
Titelträgerin bei den Frauen wurde Lisa Brennauer.

Der Samstag begann gemütlich, nämlich erst nachmittags. Es fand an dem Tag auch nur ein Rennen statt – das Straßenrennen der Damen. Start war um 16 Uhr, was nicht heisst dass bis dahin nichts los war. Wie üblich gab es vorher noch Einschreibung und Fahrerinnenvorstellung nebenan auf dem großen Parkplatz. Das Rennen fand auf der altbewährten Runde von „Rund um den Jägersburger Wald“ statt, wer sich noch erinnert weiss was ich meine. Es war schon damals ein topfebener, weitgehend im Wald verlaufender Kurs von 12 Km Länge mit zwei Brücken darin, der aber für seine Windanfälligkeit berüchtigt war. Einerseits schützten die Bäume vor der Kälte des Frühjahrs, andererseits bilden die Waldschneisen unangenehme Düseneffekte. Inzwischen hat man darin noch einige Kreisverkehre untergebracht, was die Sache nicht weniger tückisch macht.

Zu fahren waren 11 Runden, Zeit genug für eine gemütliche Wanderung entlang der Strecke: Vom Start zum Kreisel im Osten, weiter zur Autobahnbrücke, von da via Industriegebiet Nord auf die andere Dorfseite und zurück zum Ziel. Das Ergebnis an Bildern ist in der Galerie.

 

 

 

 

 

Der Rennverlauf ist rasch beschrieben. Bis Runde 3 blieb alles ruhig. Dann setzte sich ein Grüppchen Ausreißerinnen ab, deren Anzahl und Abstand variierte, die es aber ins Ziel schaffte. Liane Lippert hatte zum Schluss die Nase vorn und darf sich jetzt mindestens ein Jahr lang Deutsche Meisterin nennen.

Die Veranstaltungswebsite mit Ergebnissen ist www.rad-dm2018.de.

Kommen wir zum Sonntag mit dem „Höhepunkt“, dem Straßenrennen der Profis. Wer etwas auf sich hielt hatte gemeldet, darunter auch viele nach dem Olympischen Motto – Dabeisein ist alles! Gegen 10 Uhr begann die Fahrervorstellung, und man hätte meinen können bis zum Start sei genug Zeit. Aber wir wissen ja wie das ist, zum Ende hin war die Schlange immer noch lang und wurde kaum kürzer.

Die Startaufstellung war ein Highlight für sich. Die Sportler sammelten sich einige Querstraßen weiter beim Rathaus und fuhren von dort aus hinter einer Staffel aus Polizeimotorrädern zum Start, wobei John Degenkolb noch einen besonderen Auftritt hatte. Er inszenierte ein zeitgleich stattfindendes Laufradrennen für Kinder zusammen mit einem mitlaufenden Drachen. Jeder kennt diese Werbefiguren, in denen ein bedauernswerter Mensch steckt, der beim Laufen kaum was sieht. Hier kam noch die Hitze dazu. Mich wunderte dass man ihm nicht hinterherwischen musste …

Der Start erfolgte pünktlich, der Ablauf entsprach weitgehend dem, was man tags zuvor schon bei den Damen gesehen hatte. Zunächst „geschlossenes Feld“, später wechselnde Ausreißergruppen, bei denen das teilweise bummelnde Hauptfeld keinerlei Anstalten machte, eine Aufholjagd zu starten. Das passierte erst im Schlussdrittel des Rennens, und wäre fast in die Hose gegangen!

Mit der Glocke zur Schlussrunde hieß es dann wieder geschlossenes Feld, sodass die Entscheidung im Sprint fallen musste, den Pascal Ackermann für sich entschied. Bei der abschließenden Ehrung sah man dann einen strahlenden Sieger neben einem weise lächelnden John Degenkolb, daneben als Dritter Max Walscheid, der sich mehr erhofft hatte und dies in Interviews auch offen zugab.

Zuvor hatte es in aller Herrgottsfrühe schon ein Jedermannrennen gegeben, das sich diesmal Team-DM nennen durfte. Gewonnen hat hier die SSG Bensheim, einem Verein gleich um die Ecke. Bensheim ist die Nachbarstadt von Einhausen und bekannt für das Crossrennen, das jährlich im Winter dort im Sportpark West stattfindet.

Was mit diesem Zielsprint der Profis auch klar wurde und Auswirkungen auf die Zukunft dieses Blogs haben dürfte ist etwas anderes und soll nicht unerwähnt bleiben.

Es ist ja schon kompliziert genug, als Blogger bei einer DM überhaupt eine Zulassung zu bekommen. Da von einem Gnadenakt zu sprechen ist oft gar nicht so verkehrt. Seltsam anmuten muss da die Tatsache, dass es irgendwie Berichterstatter erster und zweiter Klasse gibt, solche eben mit grünen und andere mit gelben Westen. Die Agenturfotografen und das Fernsehen bekamen die besten Plätze, der Rest durfte sehen wo er bleibt, um es mal gelinde auszudrücken. Bis zu einem gewissen Grad ist das nachvollziehbar, der Stil ist jedoch das Problem. Solche Phänomene kennt man aus anderen Zeiten, in der Schweiz soll es ein Sprichwort geben: „Italiener hinten einsteigen!“ Italiener waren nach dem Krieg die ersten Gastarbeiter. Man selbst fuhr in der Bahn in der ersten Klasse, hinten im Zug hingen die Wagen der dritten, die für den angesprochenen Personenkreis offenbar gerade gut genug waren. Man war sich klar dass es ohne die Gastarbeiter nicht geht, deswegen hatte man sie ja geholt, wollte sie aber auch nicht wirklich dabei haben und mied den Kontakt mit ihnen! So auch hier.
Ihr wollt doch demnächst wieder Unterstützung von den Leuten? Da passt es nicht sie jetzt von oben herab zu behandeln. Das geht nicht gegen den Veranstalter, es geht gegen alle mit dieser Weltanschauung – und davon gibt es offenbar einige.
Da wäre es eindeutig, wenn auch nicht gut für den Sport, gleich zu tun was andere Veranstaltungen machen. Die sagen offen nur Berufsfotografen zu wünschen. Wer das aber macht muss sich klar darüber sein, dass er dann beim Kirmesrennen auch vom Volk und den anderen Vereinen die kalte Schulter gezeigt bekommt! Da kommen dann bestenfalls die Klatscher und Bravorufer, aber keine Helfer mehr. Ob ihr das so wollt müsst ihr selbst entscheiden, ich möchte nur dass keiner jammern kann man habe das nicht kommen sehen. Ihr wundert euch doch heute schon über ausbleibende Zuschauerresonanz? Hier habt ihr einen Teil der Antwort, und das wird wohl noch schlimmer werden wenn es mit dem Umgang vielerorten so bleibt.

Bitte versteht, wo das Problem liegt: Während Fotografen solche Fragen weitgehend egal sind solange sie irgendwie ein Bild in den Kasten kriegen, ist ein Filmer darauf angewiesen, planbare Verhältnisse vorzufinden. Der richtet sein ganzes Projekt danach aus, ausser er liefert seinen Kunden nur fliegende Clips ohne Anfang und Ende. Nichts ist schlimmer als kurzfristig alles auf den Kopf zu stellen. Der Filmemacher muss nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen, er muss vorab wissen was auf ihn zukommt. Auch da zählt nur das Ergebnis und nicht der Weg dorthin. Das ist beim Fernsehen schon wieder anders, wenn man einen 90-Sekunden-Beitrag aus losen Einzelszenen mit einem Kommentar verkittet. Macht euch mal den Spaß, schaut euch einen beliebigen Kurzbericht im TV an, wobei ihr den Ton abdreht. Gewöhnlich zerfällt das Ganze umgehend in zusammenhanglose Einzelbilder.
Stand oder Herkunft von Menschen hat nichts mit Bildberichterstattung zu tun und kann von da her kein Grund für Diskriminierung sein. Platzmangel gab es jedenfalls keinen.
Die Anzahl der Filmer unter den Berichterstattern wird mit der Verbreitung der Onlinemedien immer mehr; es gibt inzwischen sogar Journalisten, die nur noch ein Handy oder eine GoPro dabei haben. Früher undenkbar, heute Realität. In manchen Köpfen herrschen halt immer noch Standesdünkel vor. Für die Arbeit spielt es keine Rolle.

Filme machen bedeutet, sich vorher einen Plan zu machen. Videoarbeit ist Konzeptarbeit. Man geht mit einem Skript, einer Art formlosen Drehbuch, zum Rennen, und es ist entscheidend vorher sicher zu stellen, dass hinterher alle nötigen Einstellungen vorhanden sind! Bei fehlenden Schlüsselstellen lässt sich regelmäßig nichts flicken. Fehlt in diesem Beispiel der Zieleinlauf, weil da wer vor der Linse gestanden hat, ist die ganze Arbeit des Tages für die Katz!!! Für Bilder ärgerlich, für Filme tödlich! Fotografen ist das oft nicht bewusst, deshalb sage ich es hier mal so deutlich. Für zukünftige Rennen wäre die Schlussfolgerung daraus, eventuell auf weitere diesbezügliche Aktivitäten zu verzichten.

Die Lage in Einhausen war dabei insoweit glücklich zu nennen dass das Ziel in einer leichten Kurve lag, sodass die Sicht von allen Plätzen aus ähnlich gut war. Das ist jedoch nicht die Regel, und hinten zu stehen bedeutet zumeist, verloren zu haben!

Auf dieser Grundlage kann man nicht planen! Es stellt sich für mich daher wirklich die dringende Frage, ob ich das so nochmal mache. Es ist ein Haufen Arbeit (die keiner sieht), und eine Riesenenttäuschung, wenn das alles dann wegen so etwas scheitert! Ich habe an diesem Tag mehr gelernt als in den vergangenen zehn Jahren zuvor, in Bezug auf menschliche Abgründe! Dachte ich bis dahin noch, es läge im Interesse der Veranstalter eine breite Öffentlichkeit zu haben, so ist jetzt klar dass es vor allem darum geht sich selbst ins rechte Licht zu rücken. Natürlich sind die Fotografen ein Stück weit Ellenbogengesellschaft, für Egoismen ist dennoch kein Platz. Da kann ich mich auch auf einem Klappstuhl in den Schatten setzen und Herrgott einen lieben Mann sein lassen, was weitaus weniger stressig ist und in Bildern ausgedrückt auch genug brauchbares Material für einen kleinen Bericht einbringt. Wozu also der Aufwand?

Für die Sportler bedeutet es, dass sie auf diese Bilder dann keinen Zugriff mehr hätten. Die besagten besseren Herren legen üblicherweise Wert darauf, ihre Geschäfte zu machen, worin offenkundig ihr Daseinszweck liegt. Das begründet sich ja schon darin dass einige davon Filmer als Konkurrenten betrachten, was diese naturgemäß garnicht sein können. Da stehen zehn Fotografen wie die Hühner auf der Stange, und alle haben weitgehend dasselbe Zieleinlauffoto. Zehn Filmer werden nie den gleichen Film haben, schon alleine deshalb weil sie mit unterschiedlichen Konzepten an das Thema herangegangen sind! Es gibt ein Foto, aber endlos viele Möglichkeiten beim Bewegtbild, weil da nicht der Augenblick zählt, sondern der Handlungsstrang.

Ich durfte in den vergangenen Tagen mehrfach Fragen zu diesem Themenfeld beantworten, was mich dazu veranlasst hat, eine allgemeine FAQ-Seite zu diesen Dingen anzulegen, die naturgemäß niemals komplett sein wird.