Viere auf einen Streich

Wer misst, misst Mist!
Das Wochenende verlief komplett anders als ursprünglich erwartet und erhofft! Erst hat mich eine Woche lang die Grippe lahmgelegt, dann fing es an zu schneien, und als ich am Sonntag Morgen am Bahnhof stand um die Fahrt zur Messe anzutreten kam die Bahn nicht! Deutschland at it´s best!

Aber wozu hat man ein Auto? Lass die Grünen labern, es ist Schicksal!
Nachdem der Zug ausgefallen war (Ja, bei Bahnens kann man zählen: 5 Minuten Verspätung, dann 10, 15, 20, 30, …, Ausfall!) und damit natürlich die Fernverbindung auch auf und davon war, bekam ich eine solche Wut dass mir die ganzen 500 Kilometer egal waren. Murphy würde heute nicht als Sieger vom Platz gehen! Also Schnee vom Auto fegen, einsteigen, los fahren! Auch wenn es Streß pur zu werden versprach bei den Straßenverhältnissen. Ich hatte ja einer Eingebung folgend kurz zuvor noch voll getankt.

Man kann die Kollegen vom Winterdienst gar nicht genug loben! Eine wirklich saubere Arbeit haben die da geleistet! Südlich von Bensheim war die Fahrbahn frei. Was sich am Rand türmte konnte mir egal sein, man kam gut durch. Und so war ich rund drei Stunden später in Freiburg Mitte runter von der Autobahn und kurz vor meinem Tagesziel. Parkplätze gab´s reichlich auf dem großen Messegelände. Das war auch früher schon so, als die Caravans noch Teil der Freizeitmessen waren. Jetzt hat man sie in eine eigene Veranstaltung im Herbst ausgelagert, und prompt die Quittung dafür kassiert. Wüsste man nicht was sich in den vier Messehallen an diesem Wochenende abspielen soll, man hätte meinen können zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein!

Vier Hallen Messe. Darin vier verschiedene Messen.

Angefangen bei der alle zwei Jahre stattfindenden Modellbauausstellung, wo es von der Märklin-Eisenbahn bis zum Flugzeug Marke Eigenbau alles zu sehen gab was auch in die eigene Garage passte über die Angebote einiger Reiseveranstalter, unter denen auch welche ihre Busflotte in die Hallen rangiert hatten bis hin zu eben den Radfahrern, die mit ihrer „Bike-Aktiv“ genannten Messe die Halle 4 in Beschlag genommen hatten.

Offiziell nennt sich diese Halle seit einigen Jahren „Sick-Arena“, wobei sarkastisch veranlagte Zeitgenossen das Bonmot anders übersetzen. Die Begrifflichkeit der kranken Arena liegt ja nahe, und wenn man sieht, was da stattfand musste man unwillkürlich an eine Werbeverkaufsveranstaltung denken statt an eine Messe.
Von einer Messe erwarte ich, das Neue der Branche zu sehen. Was einem da entgegen schlug waren Schilder mit Rabattanzeigen, Schlussverkauf, Messepreise, etc. pp. Man lag garnicht mal so falsch, wenn man da an einen Ramschladen dachte! Ist das der Zweck einer Messe? Ich sag man vorsichtig nein, und wer hier Neuigkeiten erwartete war auch geringfügig am falschen Platz. Wobei – Neues gab´s schon, und zwar in Gestalt einer Radsportmannschaft, die die Gelegenheit zur Teamvorstellung nutzte.

Die 10 Mann starke bunte Truppe mit Biersponsor – das Freiburger Pilsner Merida Team – brachte mit der neuen Teambekleidung nicht nur bunte Farbtupfer in die Halle und auf die Showbühne. Auch das Rad, eine Spezialanfertigung für gewisse Zwecke, brachte Neues zum Vorschein.

Da war zum einen der Antrieb – das Ritzelpaket war größer als anderer Modelle Kettenblatt – zum anderen die Bremse. Wo andere üblicherweise mit Öl bremsen kommt hier im Prinzip Wasser zum Einsatz. So hieß es zumindest, wobei ich etwas skeptisch bin. Bei einem Rennen kommt normales Wasser schnell zum Kochen. Jeder kennt das vom PKW nach der Passfahrt. Da wird also wohl etwas mehr im Ausgleichstopf sein als eben nur Wasser!

Wer sich erinnert, wie das alles vor vielen Jahren begonnen hatte – da dauerte alleine der Fahrradteil der Messe volle zwei Wochen – und was heute davon übrig ist, der muss erschrocken sein. Das Zentrum der Halle wurde von einem Pumptrack belegt, der sich gerade bei den Kleinen großer Beliebtheit erfreute. Da konnte man toben! Stände mit Rädern gruppierten sich an den Aussenseiten der Halle. Vergleichbares gab es auch nebenan, wenn man die Outdoor-Messe als Warenlager mit angeschlossenem Tauchaquarium begreift. Auch einen Boxring sollte es irgendwo gegeben haben, wobei ich den vergeblich gesucht habe.Den meisten Platz in Halle 3 belegte das Fussballspielfeld. Das ging in Halle 2 so weiter, gab es hier üppig Modelle aller Größen zu sehen. Einer war sogar dreist genug, einen Bundeswehr-LKW im Massstab 1:1 hinzustellen, was die halbe Halle füllte und als Blickfang diente. Was es gebracht hat weiss ich nicht, der Publikumsandrang hielt sich in Grenzen. Leider galt das insoweit auch bei den Modellbahnen in Halle 1, was nicht heissen soll dass es uninteressant gewesen sei. Es war halt nicht das, was man allgemein unter einer Messe versteht. Anschauen, ausprobieren, mitmachen? Wenn überall Schilder stehen „Berühren verboten!“ kommt man sich vor wie im Museum, und da gibt es bessere.

Nächstes Jahr wird man es voraussichtlich auf die Spitze treiben, wenn man statt der Modellbauabteilung eine solche für Babies und Familien beistellen wird. Das sind meiner Meinung nach völlig inkompatible Themen, die jeweils ein Publikum ansprechen, das miteinander wenig bis nichts gemeinsam hat. Was die Radfahrer sehen wollen ist nicht das, was sie zu sehen bekamen. Wer ein neues Rad braucht geht zum Händler und nicht zur Messe. Vielleicht sollten die Veranstalter mal über ihr Konzept nachdenken. Am Anfang waren da die Teile- und Komponentenhersteller, und da sah man, was heute nach dem Ende der Eurobike als Publikumsmesse nirgends mehr gezeigt wird. Traten sich damals die Leute förmlich tot herrscht heute teils gähnende Leere in den Hallen, wobei natürlich das miese Wetter seinen Teil beigetragen haben mag. Ursache war es jedoch nicht.