Rufer in der Wüste?

Dieser Tage habe ich auf Facebook einen interessanten Post gefunden, in dem der Verfasser seine Mitbürger dazu aufruft, kleine lokale Sportveranstaltungen dadurch zu unterstützen, indem sie auf ihren Blogs darüber berichten.

Das ist sicher gut gemeint. Es gibt jedoch einige Dinge, die der Verfasser geflissentlich oder naiverweise übersieht.

Reden wir Deutsch!

Sicher ist der Aufruf richtig. Er wird nur zu nichts führen. Dieser Zug ist nach meinem Dafürhalten längst abgefahren!

Keine Veranstaltung findet Unterstützer, Helfer oder Sponsoren ohne ein Mindestmass an öffentlicher Wahrnehmung. Weshalb engagieren sich Sponsoren überhaupt? Sie tun das nicht, weil sie zuviel Geld haben. Sie tun das, weil sie sich eine Werbewirkung erhoffen! Es ist dasselbe Spiel wie mit dem Sport als solchem. Genannt zu werden ist bares Geld wert. Jedes Plakat bei einer Veranstaltung ist so gut wie Klicks im Internet. Wenn auch nur einer von tausend mehr was bestellt hat sich der Aufwand in der Regel schon gelohnt, denn Sponsoring ist billiger als Zeitungswerbung. Selbst die Gratisblätter, mit denen wir Woche um Woche eingedeckt werden, müssen von jemandem finanziert werden. Die sind nur für die Empfänger gratis, für die Herausgeber gilt dasselbe wie für Sportvereine und ihre Rennen. Sie leben von Inseraten. Im Sport heisst das Kind eben Sponsoring.

So einfach ist es aber nicht, wenn kaum noch Zuschauer zu Rennen kommen. Seien wir ehrlich, wie oft sind bei Rennen nur noch die Sportler selbst und deren Anhang anwesend neben den Offiziellen und vielleicht noch einigen wenigen Zuschauern? In vielen Sportarten ist dieser Zustand doch inzwischen eher die Regel als die Ausnahme!
Warum ist das nun so? Es liegt sicher nicht daran, dass die Termine unbekannt wären. Sie sind zwar online aufzufinden, man muss jedoch aktiv werden und danach suchen. Niemand propagiert sie aktiv! Die Zeitungen bringen in aller Regel keine Vorberichte, ausser vielleicht zur Deutschen Meisterschaft, wenn diese gerade in ihrem Erscheinungsgebiet stattfinden sollte. Falls es einen Veranstaltungskalender in der Wochenendausgabe gibt, findet man die Sporttermine darin? Entweder garnicht, oder man findet vorrangig die Fußballspiele! Wer kann das dann lesen? Nur die Bezieher dieser Zeitung, und das werden auch immer weniger! Wie man am Beispiel des Darmstädter Echos sehen kann, trifft das mitunter noch nicht mal auf das komplette Erscheinungsgebiet zu. Eine in Darmstadt stattfindende Veranstaltung wird möglicherweise zwei Dörfer weiter keine Erwähnung mehr finden, weil dort eine andere Lokalausgabe ausgeliefert wird! Wer welche Lokalausgabe erhält bestimmte seinerzeit bei der Aufteilung  nicht der Kunde, sondern der Vertrieb!

Da wird rasch klar: Eigenwerbung dieser Art kann heute im Sport nur noch über das Internet funktionieren! Weltweit für jedermann erreichbar, Google ist dein Freund! Auch der deines Vereins oder deiner Veranstaltung!

Statt die Chance aber beim Schopf zu packen und mit der Zeit zu gehen machen nicht wenige Vereine und Veranstalter das, was sie schon immer getan haben. Sie weigern sich dazu zu lernen und verharren im alten Trott!

Rückblende dazu:
Bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein war die Berichterstattung über Ereignisse von allgemeiner Bedeutung faktisch nur über die Printmedien oder Radio und Fernsehen möglich. Nur wer Zugang dazu hatte und deshalb auch bei einer Redaktion angestellt war bekam auch die passende Möglichkeit. Aus dieser Zeit stammt auch ein gewisses Plastikkärtchen – der Presseausweis. Er attestiert dem Inhaber, hauptberuflicher Journalist zu sein.

Schön und gut – doch die Zeiten ändern sich. Heute gibt es bei den Medien mehr freie Mitarbeiter als fest angestellte, von denen im Nebenerwerb oder anderen Unabhängigen rede ich garnicht. ferner gibt es etliche, die es nicht des Geldes wegen machen, sondern aus purem Interesse. Auch die meisten Vereine mit ihren Pressewarten gehören in diese Gruppe! Die Sportler gehören in der Regel ja Vereinen an, und diese haben naturgemäß ein Eigeninteresse, über Erfolge ihrer Mitglieder zu berichten. Das ist für die ebenfalls Werbung, nämlich im Hinblick auf neue Mitglieder!
Ist es da noch zeitgemäß, den Presseausweis als alleiniges Akkreditierungsmittel anzusehen? Ich sage nein! Nach bisheriger Logik muss denen die Akkreditierung ebenfalls verwehrt werden, denn sie können keinen Presseausweis vorlegen, weil sie keine hauptberuflichen Journalisten sind! Jeder Veranstalter, der heute so agieren würde, bekäme erhebliche Probleme mit den eigenen Kollegen aus den anderen Vereinen!

Wozu also diese Ungleichbehandlung? Die Zeitungsleute dürfen, wenn sie die Karte haben, ihre eigenen Kollegen im Nebenerwerb dürfen nicht. Ach ja, vergesst nicht, dass jeder Pressewart, der der Lokalzeitung auf deren Wunsch hin die Texte zuliefert, ebenfalls faktisch ein Journalist im Nebenerwerb ist. Der hat das auch nicht gelernt oder studiert, ebenso wie die meisten Blogger. Blogger sollen aber auch nicht, die schreiben ja angeblich doch nur dummes Zeug. Die schreiben in Wirklichkeit kein dummes Zeug noch lügen sie sich was zurecht, sondern sie sind unabhängig und nur den Tatsachen verpflichtet die sie vor Ort beobachtet haben – ein Umstand, der einigen in der Szene offenkundig gegen den Strich geht. Es ist offenkundig geworden, dass die Posse mit dem Presseausweis heute leider immer mehr zur Nachrichtenlenkung mißbraucht wird. Man wünscht gar nicht, dass die volle Wahrheit bekannt wird, was darin gipfelt, dass sich Veranstalter die vorbereiteten Artikel vorlegen lassen wollten, um Zensur praktizieren zu können. Es sollte von deren Genehmigung abhängen, was die Allgemeinheit erfährt! Das macht den Geist der Zeit deutlich. Solche Praxis ist illegal und sollte endlich Folgen für jene haben, die meinen, Recht und Gesetz im eigenen Sinn verbiegen zu dürfen.

Denkt mal nach und werdet endlich vernünftig!

Wie oben schon geschrieben ist die Reichweite der Zeitung dem Internet weit unterlegen. Heute ist es einfach, sich Webspace zu mieten, darauf WordPress zu installieren und einen eigenen Blog zu starten. Eigentlich kann das jeder, der will! Es bedarf heute keiner bestimmten Berufsausbildung oder gar eines Studiums mehr, um über Dinge von Interesse zu schreiben. Wer einen Aufsatz zustande bringt kann auch bloggen. Man muss nur ehrlich sein und bei der Wahrheit bleiben!

Die Willigen haben wie ich in den vergangenen Jahren wohl eindeutige Erfahrungen machen müssen, die aufzeigen, wie es mit dem Wunsch von Sportlern, Verbänden, Funktionären und Veranstaltern nach Unterstützung durch die Öffentlichkeit wirklich bestellt ist.
Wir kennen ja das Sprichwort: Das eine reden und das andere tun …!

Es ist vielleicht Gedankenlosigkeit, es bewirkt jedoch den Rückzug der Willigen und die Gleichgültigkeit vom Rest der Bevölkerung. Niemand stellt sich den ganzen Tag lang an den Straßenrand, um dann noch von einem Möchtegern angeschissen zu werden, nur weil der sich zuvor über irgendwas geärgert hat! Zuschauerraum ist Zuschauerraum, und der Platz hinter der Absperrung ist Zuschauerraum! Wie mag es da wohl wirken, wenn ein Ordner die Zuschauer dort wegschickt mit der Bemerkung, man stehe dort gefährlich? Ich sag´s frei raus – die gehen und kommen nie mehr wieder. Dasselbe gilt für Fotografen, denen man sinnbildlich das Bein stellt.

Zählen wir mal auf, was da in den vergangenen Jahren so alles schon gewesen ist. Nur ein paar Beispiele. Da wäre die Akkreditierung von Fotografen oder Berichterstattern nur gegen Presseausweis noch relativ harmlos. Da die UCI grundsätzlich nach dieser Methode handelt fallen alle Worldcuprennen schon mal aus. Sie muss keiner besuchen, der mehr will als gaffen! Die so agierenden Veranstaltungen sind bekannt. Das sind in der Regel auch keine „kleinen lokalen“. Dieselben Vereine, die heute ein Rennen mit diesem Habitus austragen, werden sich dann aber im Jahr darauf arg wundern, wenn zu ihrer Vereinsmeisterschaft oder Kirmesrennen sodann die dazu passende Reaktion eintritt und keiner mehr bereit ist, den Hintern zu heben! Das eine ist die Folge des anderen. Hochmut kommt vor dem Fall!

Vergleichbares dürfte eintreten, wenn ein Veranstalter den Fotografen die Arbeit erschwert, sei es durch Verhängen des Startbereichs mit Betttüchern wie seinerzeit in Gilserberg, als nur der Fotoservice noch Fotos machen durfte, oder wie in Wombach, wo man fürchtete die Sportler könnten sich erschrecken. Vor Jahren war ich mal in Zusmarshausen, und habe dort gesagt bekommen, man sorge sich, dass zu viele die Landstraße bevölkern könnten wenn sie zwischen den Rennfeldern von Punkt A nach Punkt B fahren. Die Straße war offiziell garnicht gesperrt. Der Einbahnstraßenbetrieb ist bei vielen Rennen aber üblich, sodass die Botschaft mit „Gäste unerwünscht“ übersetzt werden muss. Es mögen teils berechtigte Sorgen sein, sie haben jedoch Wirkungen weit über das Eigentliche hinaus. In Polch wiederum vertrug man keine Kritik. Wer unternimmt unter solchen Umständen weite und teils aufwändige Anreisen? Wenn ich mir unerwünscht vorkommen fahre ich da nicht mehr hin! Immerhin kann es klar sein, dass Aufwand und Ergebnis auch hier in einem sinnvollen Verhältnis stehen müssen.
Die Bettuchaktion traf auch die Filmer, das Verbot von Wombach nicht nur das Bundesliga-XC-Rennen. Es wird auf den Keiler-Marathon ebenso durchschlagen wie die Tatsache, dass heute jeder Fotograf die Auswahl zwischen mehreren Gelegenheiten am selben Wochenende hat. Merkt der, am Ort A nicht erwünscht zu sein, fährt er eben zu Veranstaltung B. Folge ist dann wenn das früher oder später alle tun der Niedergang der Veranstaltung A, weil sich in Folge ausbleibender öffentlicher Wahrnehmung die Sponsoren zurückziehen werden. Die schönste Veranstaltung ohne „Team hinter dem Team“ kann nicht bestehen.

Ferner wirken solche Erfahrungen, deren es noch etliche mehr gibt, weit darüber hinaus, sowohl zeitlich wie auch räumlich. Die Fotografen tauschen sich untereinander aus und bekommen so mit, was andere erlebt haben. Zu solchen Rennen muss man nicht mehr hinfahren, und es wird Jahre, wenn nicht Generationen dauern, um diesen Vertrauensschaden wieder auszubügeln. Mancher Verein war vorher am Ende! Wozu ausbleibende Unterstützung aus der Bevölkerung insbesondere bei Genehmigungen führen kann illustriert gerade der Hessische Radsportkalender, der schlimmer aussieht wie jedes gerupfte Huhn und im Laufe der Jahre auf einen Umfang geschrumpft ist, der jeder Beschreibung spottet! In weiten Bereichen ist hier faktisch Diaspora!

Vergleichbares findet sich ebenso in vielen anderen Sportarten wie Leichtathletik, Triathlon, Schwimmen und so weiter und so fort.

Wenn es den Vereinen wirklich daran gelegen ist, die Entwicklung aufzuhalten und umzukehren, hört bitte endlich auf mit diesen überholten Verhaltensweisen! Es muss im Interesse des Sports liegen, dass jeder, der berichten will, auch darf! Ein Fotograf, der Bilder für seinen Blogbeitrag braucht, ist keine Konkurrenz zu einem Fotoservice, selbst wenn er dem Blog eine Galerie anhängt. Falls doch sollte der Fotoservice über seine Geschäftsauffassung nachdenken! Der Filmer, der sein Material auf YouTube stellt, berührt nicht die Interessen eines TV-Senders, denn bis der seinen Film geschnitten hat sind die Abendnachrichten längst Geschichte!

 

2 Antworten auf „Rufer in der Wüste?“

  1. Vielen herzlichen Dank für euren Blog über eine Thematik, die mir als Neuling in der Berichterstattung für meinen Verein (Spiridon Frankfurt) so nicht bewusst war. Ich finde es klasse dass es euch gibt und werde mich für euch einsetzen . Vielen herzlichen Dank dass ich euch heute in Seligenstadt kennenlernen durfte.

    1. Hallo Florian,
      hinter Riedgras.de steht genau ein Mensch. Einer der wenigen, die noch etwas für den Sport zu tun versuchen. Es ist traurig das so sagen zu müssen, und ich möchte niemandem persönlich nahe treten, aber Spiridon gehört leider zu jenen Vereinen, die mich ausgeschlossen haben. Beim Halbmarathon, der ja bald wieder stattfindet, bekommt nicht jeder Zugang zum Ziel. Beim Marathon braucht unsereins gar nicht erst fragen. Das dagewesene Verhalten macht eine Berichterstattung über die Veranstaltung unmöglich, ich gehöre nach dieser Lesart ja nicht zur offiziellen Presse! Zugang erhalten nur jene, und der offizielle Fotograf. Die Aussage, die sich kurz so zusammenfassen lässt – hock dich auf die Tribüne und halt dein M..l! – ist deutlich genug und bedarf keiner Erörterung. Das ist schon ein paar Jahre her, und ich habe eure Veranstaltungen seitdem nicht mehr besucht. Das dürfte auch so bleiben.

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