Little Hollywood?

Es wird gerne mal danach gefragt. Darum setze ich mich mal hin und schreibe hier mal auf: Wie macht man ein Video?

Dieser Artikel ist kein Lehrbuchersatz, nicht mal dessen Versuch!
Er soll ein kleiner Handlungsfaden sein, der einige wichtige Fragen aufgreift. Für eingehende Erörterung gibt es Bücher.

Nun, viele Wege führen nach Rom! So gibt es auch beim Filme machen nicht den einzig selig machenden Weg. Es gibt kein Kochrezept, in dem steht, das macht man so und nicht anders. Wie bei jeder Kunst gibt es viele Möglichkeiten, ein Thema zu behandeln.

Hexerei ist es nicht! Wer einen Aufsatz schreiben kann kann im Grunde genommen auch einen Film drehen. Es ist „Geschichten erzählen“! Wobei – ein Video zu drehen ist weitaus mehr als nur die eigentliche Dreharbeit. Die macht nicht mehr als etwa 30% des Gesamtaufwands aus. Weitere rund 20% entfallen auf die Postproduktion, also vor allem Schnitt, Vertonung, Betitelung und Verteilung. Das ist rechnerisch die halbe Miete. Die andere Hälfte entfällt auf Recherche, Drehplanerstellung, Kommunikation und andere Büroarbeiten, von denen nach außen hin keiner was merkt. Die Masse an Aufwand für einen Film fällt also Dritten überhaupt nicht auf.

Manche sehen in der Filmerei ja die Fortsetzung der Fotografie „mit anderen Mitteln“ – das aber ist sie nicht!
Es ist eine eigenständige Kunstform, die mit Fotos nur das Medium gemeinsam hat. Licht ist für beides Voraussetzung. Mehr aber auch nicht!
Worin liegt nun der Unterschied? Praktisch ausgedrückt lebt ein Foto von grafischen Elementen, von der Anordnung der Objekte, von Linien, Verteilung von Farben und so weiter. Das Geschehen oder eine Handlung kann es nicht darstellen.
Das ist beim Film etwas anders. Zwar spielen auch dort grafische Dinge eine gewisse Rolle, etwas anderes ist aber entscheidend: Ein Film erzählt eine Geschichte! Egal wie!
Er stellt etwas dar, ist eben mehr als die Aneinanderreihung einzelner unabhängiger Bilder. Das gilt selbst für ein Daumenkino.
Ein guter Film funktioniert in etwa so wie ein Aufsatz. Er hat ein Thema, führt in die Geschichte ein, behandelt das Thema und fasst das Ergebnis zum Schluss irgendwie zusammen.
Das passiert tunlichst so, dass die Zuschauer dran bleiben und eben nicht weg zappen. Zuschauer an der Handlung zu halten ist die eine Kunst beim Filme machen, die andere ist, eine zeitlich lange Handlung so zu verkürzen, dass diese in wenige Minuten Film passt, ohne allzu viel an Details zu verlieren. Die Kernaussage muss auch nach dem Zusammenkürzen erhalten bleiben.

Keiner schaut sich einen Film epischer Länge an. Außer das Thema ist danach. Dasselbe gilt für den sprichwörtlichen vierten Aufguss des alten Teebeutels. Zum selben Thema einen weiteren Film zu machen, wenn der erste gut und erschöpfend war, ist also schwierig.

Praktisches Beispiel? Nehmen wir ein Radrennen oder einen Volkslauf, davon verstehen hier ja einige was.
Was kann man da weglassen, ohne die Geschehnisse zu verfälschen? Eigentlich fast alles! Im Grunde genommen handelt es sich um das Genre des klassischen Nachrichtenbeitrags, und da interessieren sich alle Zuschauer eigentlich nur dafür, wer gewonnen hat! Darum sind TV-Beiträge auch selten länger als 90 Sekunden. Das genügt, um den Start, einige illustrierende Szenen aus dem Rennen, Zieleinlauf und Siegerehrung zu zeigen. Alles darüber hinaus ist Luxus! Dem kompletten Renngeschehen kannst du als Filmer aus verschiedenen Gründen in der Regel eh nicht folgen, den Rest besorgt der Rechtsrahmen. Das geltende Recht in Deutschland behindert hier mehr als es unterstützen würde. Du kannst nicht alle Beteiligten an der Veranstaltung um deren Erlaubnis fragen, Stichwort Persönlichkeitsrechte. Dazu haben einige ja erfahrungsgemäß sowieso seltsame Vorstellungen! Also reduziere die Anzahl an Personen in deinem Film auf das unvermeidbar nötige Maß! Die Sieger sind Personen der Zeitgeschichte, alles andere juckt das Publikum in der Regel eh nicht.

Je nach Intention kann man das Ereignis auch aus der Sicht eines Vereins oder einzelnen Teilnehmers zeigen. Dann spielt der eben die Rolle des Protagonisten, alles andere bleibt soweit gleich. Ansonsten interessiert es keinen, wer 50ter geworden ist. Wie wir letztens in Jügesheim gesehen haben gibt es da mitunter schon eher mal den Anlass zu erwähnen, wer Letzter gewesen ist, wenn daran eine weitere Geschichte anschließen kann. Hier der Lauf für mehr Zeit. Nutze solche Aufhänger, die Saison ist noch lang und du weisst nie was noch kommt!

Kein Filmemacher kann zeitgleich überall sein.
Darum ist es wichtig, sich von vorn herein klar zu machen, was man gerne zeigen möchte, wieviel Zeit man hat und wieviel man davon braucht, um von A nach B zu kommen! Ist da was kritisch, überarbeite dein Konzept! Während ein Fotograf sich über entgangene Motive schlimmstenfalls ärgert, kann ein verpasster Zieleinlauf dem Film das Genick brechen! Solche Löcher sind in aller Regel nicht mehr zu stopfen! Einen Film von einem Sportereignis zu machen bedeutet, ein Rennen im Rennen zu starten! Keiner wird auf den Filmemacher warten! Außer das Rennen ist rum und der Sieger wird gefeiert. Dann aber hast du entweder alles im Kasten oder verloren.

Je mehr du im Vorfeld über den Ablauf in Erfahrung bringen kannst, desto besser. Nicht jeder Veranstalter hat Verständnis für vermeintlich impertinente Fragen, die sind oft aber nötig. Beißt du hier schon auf Granit ist es wirklich besser, sich eine andere Veranstaltung auszusuchen statt ohne Aussicht auf ein brauchbares Ergebnis ins Blaue hinein zu arbeiten.

Es ist auch nicht immer nötig, sich eine offizielle Akkreditierung zu beschaffen – die ohnehin bei machen Rennen nur handverlesene Leute bekommen werden. Mit geht vieles zwar leichter, oft geht es aber auch ohne, sofern man es einkalkuliert und sich danach einrichtet. Der Film sieht dann im Ergebnis eben anders aus. Im Gegensatz zu einem Fotografen, der am Geschehen sein muss und darum zwingend den Platz in der ersten Reihe braucht, kann ein Filmer auch von hinten oder aus der Mitte der Zuschauer heraus zu guten Einstellungen kommen, wenn sein Konzept und die örtlichen Gegebenheiten das berücksichtigen. Dabei ist die einnehmende Perspektive mitentscheidend. Während beispielsweise bei einem Bahnradrennen gute Füllbilder aus den Zuschauerrängen machbar sind, wird man das Renngeschehen und insbesondere den Zieleinlauf oft nur aus dem Bahninnenraum erfassen können. Problem: Nicht jeder erhält dort Zutritt!
Gerade kleine Rennen sind über Unterstützung oft froh, während manche großen Veranstalter hier eine mitunter erhebliche Arroganz an den Tag legen. Man kennt das Bayern-Motto: Mia san Mia! Der Krug geht aber auch hier solange zum Brunnen, bis er bricht.

Noch ein paar Worte zur Technik.

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, man brauche dafür eine professionelle Kamera für zehntausende Euro mit allem Schnickschnack. Das war vielleicht mal so. Es geht aber bei entsprechender Auswahl auch anders.

Der Begriff der Professionalität ist ja etwas definitionsabhängig.
Für die einen ist der ein Profi, der dafür bezahlt wird. Eigentlich zeigt der Begriff aber auf, dass der oder die Ausführende weiss, wie es geht. Das Geld spielt dabei keine entscheidende Rolle! Es ist in der Sache und für das Ergebnis egal, ob man eine Kamera für 1500 Euro benutzt oder im Team zu drei Mann mit dem Fuhrpark eines TV-Senders aufkreuzt. Entscheidend ist das Ergebnis, und das kann man eben auch mit dem bekommen, was man für relativ wenig Geld im Fotoladen kaufen kann, wenn auch nicht in jedem. Wie ich schon sagte: Das Konzept entscheidet! Und wie man es umsetzt … In allen Fällen wird planloses Vorgehen zu Schiffbruch führen.

Im Gegensatz zu einer herkömmlichen DSLR – bei der die Videofunktion ein Wurmfortsatz der Fotoabteilung ist – gibt es inzwischen handliche Kameras, die vorrangig für die Filmerei gebaut worden sind. Damit meine ich nicht die klassischen Camcorder, sondern die neuen spiegellosen Systemkameras. Als Beispiel nenne ich hier mal die Panasonic Lumix GH5. Die sieht zwar äußerlich wie eine normale Fotokamera aus. Betrachtet man sich aber das Innere, ist da einiges anders. Im „Spiegelkasten“, oder dem was danach aussieht, befindet sich eben kein Pentaprisma und auch kein Rückschwingspiegel, sondern ein OLED-Display. Elektronische Sucher sind Voraussetzung dafür, die Kamera freihändig ruhig halten zu können. Sie ermöglichen eine völlig andere, zuvor undenkbare Haltung – ganz davon abgesehen, dass die nun im Sucherbild angezeigte Wasserwaage ein Gerade halten erleichtert. Schiefe Bilder gehören so der Vergangenheit an. In vielen Fällen entfällt so auch der Zwang, ein Stativ zu benutzen, was ein viel freizügigeres Filmen gestattet. Training vorausgesetzt, aber wo ist das anders?
Die Ausrüstung sollte vor allem zweckmäßig und möglichst handlich sein. Es wird in der Praxis am genannten Beispiel auf ein 12-60mm sowie das 35-100mm-Pendant hinauslaufen. Damit kannst du in 80% der Fälle alles nötige machen.
Hüte dich vor Effekthascherei! Was wichtig ist sind die Inhalte, nicht die Schau! Überblendungen und Filter gehören in die Nachbearbeitung. Bei der Aufnahme angewandt entwickeln sie sich zum Rohrkrepierer, wenn später der Film umgebaut werden muss und das dann nicht mehr passt. Auch wenn ein Fischauge je nach Thema ganz interessant sein kann, der optische Eindruck nutzt sich ab, und ein langes Tele ist für Video nicht nutzbar. Auch mit Stativ wird dir kein Schwenk gelingen, der nicht nach Erdbeben aussieht!

Zum Schluss noch ein Hinweis auf eine eherne Regel: Das Zoom dient zur Einstellung, nicht zur Objektverfolgung!
Unterlasse das Zoomen während der Aufnahme ohne konkreten gestalterischen Anlass. Es bringt Unruhe und geht oft in die Hose! Überlege dir lieber, wie eine längere Einstellung in einzelne Handlungsstücke geteilt werden kann. Es ist besser, drei kurze Einstellungen zu zeigen als eine über 5 Minuten, denn die kannst du später im Schnitt zumeist nicht mehr brauchbar editieren. Achte auch auf deine Anschlüsse! Während der Dreharbeiten ist es die Hohe Kunst, die Übergänge und Anschlussmöglichkeiten der vorhergehenden und nachfolgenden Szenen so zu berücksichtigen, dass später beim Schnitt der Cutter nicht flucht.

Und denke daran: Dein Cutter bist du selbst!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*