Nach der DM ist vor dem nächsten Rennen!

Ein schönes, wenn auch arbeitsreiches Wochenende ist vorbei, die DM in Bensheim Geschichte. Zeit für eine Rückschau. Es gibt ja angeblich nichts, was man nicht besser machen könnte.

Dieser Meinung hängen ja leider insbesondere jene an, die nicht selbst mit der Sache betraut sind, vor allem mit der damit verbundenen Arbeit. Es ist ja alles ein Gleichgewicht zwischen Aufwand und beschränkten Ressourcen auf der einen Seite und einem bitte möglichst optimalen Ergebnis auf der anderen.
Wir alle kennen das. Vor allem angesichts der leidigen Tatsache, dass Dank ein seltenes Gut geworden ist. Da rede ich nicht mal von einem finanziellen Ergebnis. Es kann klar sein, dass dieser Sport vor allem ehrenamtliches Engagement erfordert. Die vielen Helfer arbeiten weitgehend für „Gotteslohn“! Reichtümer erwirbt man hier keine.

Da ist es mehr als lobenswert, wenn sich ein relativ kleiner Verein wie die SSG Bensheim, allen voran Luc Dieteren und Henning Jaecks nebst Team, soviel Mühe macht und in Zusammenarbeit mit Stadt, Bauhof und zahllosen anderen ein solches Event auf die Beine stellt! Wie gestern viele meinten: Das ist vorbildlich, und man hat sehen können was geht wenn alle wollen! Da können sich andere, die vor allem aufs Geld schielen, viele dicke Scheiben von abschneiden!

Nichtsdestotrotz, manches geht anders vielleicht einfacher, leichter oder noch ein bisschen besser.
Nachstehend möchte ich versuchen, Anregungen zu geben, auch wenn mir klar ist dass vieles davon am knappsten Gut scheitern wird – der verfügbaren Zahl an Helfern. Als Fotograf und Berichterstatter lernt man im Lauf der Jahre einige Dinge kennen, die einem normalen Zuschauer garnicht weiter auffallen. Solange nicht auffallen, bis er sie vielleicht braucht. Ich rede gleich am Anfang vom natürlichsten aller menschlichen Bedürfnisse. In der Nähe vom Start stand etwas, was vermutlich jeder wird brauchen können und wovon es immer viel zu wenige gibt – ein Dixi. Nachteilig dabei ist leider die neongrelle Farbe von dem Teil. So wird es leicht gefunden, ist aber auf den Fotos stets ein Ärgernis, wenn es in der Nähe der Startlinie und damit zwangsläufig mitten im Bild steht. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, sowas ausser Sichtweite hinter dem Erdwall aufzustellen?

Andere Sache: Durchgänge. Mir ist natürlich klar, dass Durchgänge in der Streckenbegrenzung bewacht werden müssen, und dafür braucht es Helfer. Davon hat man als Veranstalter nie genug. Es ist aber besser, man überquert die Strecke kontrolliert an solchen Stellen, als irgendwo wild unterm Flatterband hindurch. Sicher gab es Durchlässe, aber für meinen Eindruck zu wenige. So hätte ich mir solche auch bei den Hürden oder in Richtung des Sandhaufens gewünscht, das ist aber wie vieles Ansichtssache.

Während sich ein normaler Zuschauer vor allem an die Strecke stellt um „zu gaffen“ – Entschuldigung für das etwas despektierliche Wort – sind Fotografen „ständig auf Achse“. Sie arbeiten unter Zeitdruck. Auch für sie beginnt mit dem Startschuss, teilweise schon weit davor, ein Rennen im Rennen. Keiner wartet auf sie, bis die Bilder im Kasten sind, und wenn das Rennen rum ist sind alle Chancen vorbei! Es wünscht sich aber jeder auch hier das optimale Ergebnis. Hinterher …

Hat sich schon mal jemand gefragt, was es alles braucht, damit Bilder überhaupt entstehen?
Das ist etwas mehr als nur eine Kamera! Da steckt eine Menge Vor- und Nachbereitung drin, ebenso wie Büroarbeit. Auch diese Beiträge entstehen nicht „mal eben so“ oder nachts im Schlaf. Das dauert manchmal Stunden. Davon sieht man nichts, wenn man sich die Bilder als Ergebnis dieser Arbeit betrachtet, und von Arbeit rede ich hier nicht weil sie bezahlt wird, sondern weil sie jemand macht! Auch die, die nicht selbst zum Rennen kommen können oder wollen erwarten, über das informiert zu werden, was wichtig ist. Das ist die Aufgabe der Berichterstatter, und als Zuarbeit die der Fotografen und Filmer.

Während Otto Normalzuschauer seinen Regenschirm unter den Arm klemmt und sich vielleicht noch einen Klappstuhl mitbringt packt ein Fotograf faktisch seinen halben Hausstand in einen Rucksack, der fertig verschnürt rasch mal 20 Kg wiegt! Da reisen die Sportler mit ihrem 7-Kg-Fahrrad mit leichtem Gepäck, das sie auch nicht ständig mit sich herumtragen.
Warum macht der das? Er macht das nicht, weil er Masochist wäre, sondern weil auch er im Wettbewerb steht. Ein Rennen im Rennen, wie ich schon sagte. Da haben es die Studiofotografen leichter. Die können alles, was sie brauchen, neben sich auf einen Tisch stellen und haben alles stets in Reichweite. Wer an einem Renntag zu Fuß mehr an Weg zurücklegt als manch ein Teilnehmer im jeweiligen Rennen auf dem Rad muss alles, was er vielleicht braucht mit sich herumtragen, oder um es besser auszudrücken, herumschleppen! Du kannst nicht mal schnell im Hotel vorbeikommen oder einen Assistenten hinschicken um benötigte Teile nachzuholen. Was du nicht am Mann hast ist schlicht und einfach nicht da! Du hast zwar Erfahrung, weil es immer wieder dasselbe Spiel ist und weisst daher was du vermutlich brauchen wirst. Schlussendlich ist es aber wie immer Spekulation.

Alle die sich über die Fotografen beschweren, die würden mit ihrem Geraffel immer nur im Weg stehen möchten bitte jetzt mal nachdenken: Würdet ihr den Job machen wollen? Nein? Es ist Kraftsport, einen oder gar mehrere Tage am Stück mit zwei Kameras und einem 20-Kg-Rucksack herumzulaufen, Berg auf und Berg ab zu turnen und anschließend sich noch um Bearbeitung und Verteilung der Bilder zu kümmern, was wiederum Stunden kosten kann. Nicht selten beginnt so ein Tag früh um 6 und endet kaum vor Mitternacht, und das auch noch sehr oft an Wochenenden, wo keiner von den Plärrern auch nur auf die Idee käme, den Griffel in die Hand zu nehmen! Nicht selten tut einem nach einem solchen Wochenende mit 3 Tagen Shooting am Stück jeder Knochen weh!

Auch ich habe Ohren 😉 und so mitbekommen was viele von euch über uns Fotografen denken! Auch gestern gab es wieder solche Sprüche, insbesondere von Leuten, die die andere Seite nicht kennen.
Auch mir wäre es lieber, manches nicht tun zu müssen. Das dürft ihr mir gerne glauben!
Es geht aber oft nicht anders, als „an den besten Stellen“ vorne zu stehen, oder glaubt ihr aus der hinteren Reihe bekommt man gute Bilder? Es ist leider nicht immer möglich, unter Zeitdruck immer zuvorkommend und höflich zu sein, man muss leider manchmal auch mit den Elnbogen arbeiten. Es wäre auch mir wirklich lieber, nicht zum Blitzlicht greifen zu müssen, aber jeder kann wissen: Wo Licht ist, ist auch Schatten! Was vielen nicht auffällt ist, dass unsere Augen zusammen mit unserem Gehirn uns ständig täuschen, und wir Menschen sehen Dinge, die garnicht da sind, zumindest nicht so! Das liegt einfach daran, dass unser Hirn gelernt hat, dass das so aussehen muss. Dass es tatsächlich vielleicht etwas anders aussieht spielt da zunächst keine wirkliche Rolle. Der Sensor der Kamera ist aber kein menschliches Hirn, sondern ein Produkt der Technik. Die Fähigkeit aktueller Kameras, Bilddaten zu erfassen, ist begrenzt. Dabei dient das Blitzgerät nicht zum Licht machen als solches, sondern zum Kontraste steuern. Das Verhältnis der übertragbaren Lichtmenge von hell zu dunkel darf soweit ich weiss 1 zu 1000 nicht überschreiten. Die hellste Stelle im Bild ist demnach 1000 mal heller als der dunkelste Schatten, der noch Zeichnung haben soll. Bei Sonne liegen diese Werte aber oft und gerne bei 1 zu einer Million – und dann darfst du wählen ob du blitzt um die Schatten aufzuhellen und so den Kontrast im erlaubten Rahmen zu halten, oder ob da ein Scherenschnitt durchs Bild fährt! Der Scherenschnitt ist der Sportler, der dich nach dem Rennen voraussichtlich um Bilder für sein Facebook-Profil fragen wird!

Kein Fotograf macht das, um euch zu ärgern oder gar zu Sturz zu bringen, wie manche schon unterstellt haben. Es sind physikalische Notwendigkeiten, die hier dahinter stehen. Ihr dürft also wählen – das kleinere Übel hinzunehmen oder sich damit abzufinden, dass es davon keine Bilder gibt! Das nur mal so am Rande.

Jeder publizierende Fotograf, egal ob Zeitungsmitarbeiter, Agenturfotograf oder Blogger, bedient mit seinen Bildern mehrere Tausend potentielle Interessenten. Zuschauer, die nicht selbst zum Rennen kommen konnten, warum auch immer. Wenn euch das nächste Mal wieder so jemand die Sicht trübt ist das zwar ärgerlich, der macht das aber nicht, weil er ein Bild für´s Fotoalbum braucht, sondern steht stellvertretend für eben jene 1000, die sich seine Bilder später in den Medien ansehen. In aller Regel könnt ihr das auch, wenn auch erst ein paar Tage nach dem Rennen, und in der Regel sind die Bildergebnisse eines geübten Fotografen besser als die Handyfotos, die Normalbürger in Massen anfertigen. Denkt einfach mal daran, was ihr sehen könntet, wenn diese 1000 statt seiner vor euch stehen würden. Die Daseinsberechtigung einer Fernsehkamera stellt ja auch niemand in Frage, warum also die der Fotografen?
Dasselbe gilt umständehalber auch für die Ziellinie. Natürlich wäre es günstig, wenn sich alle Fotografen hinlegen oder eingraben würden. Dann könnten die Zuschauer hinterm Zaun über sie hinwegsehen. Das ist in der Praxis jedoch nur selten möglich und nie zielführend! Warum und worauf warten die Fotografen denn überhaupt da hinter dem Ziel? Sie tun das nicht, weil sie mit ihrer Zeit nichts besseres anzufangen wüssten!

Das wichtigste Kriterium für eine Nachricht ist, dass es wen interessiert, dass die Information neu ist und dass sie aktuell weitergegeben wird. Nichts ist älter als die Nachrichten von gestern. So heisst es, und da ist was Wahres dran.

Alle wollen möglichst sofort nach dem Rennen wissen, wer gewonnen hat, hier wer Meister geworden ist. Das ist der Grund, warum die ganzen Leute mit ihrer gelben Weste links und rechts am Ziel stehen und auf eine oder einen warten. Den Sieger bzw. die Siegerin. Kaum sind die im Ziel sind die Medienleute wieder weg auf der Jagd nach den ersten Worten und den schnellsten Bildern. Das ist deren Aufgabe! Nicht die Lust, euch die Sicht zu versperren. Das eine geht leider nicht ohne das andere, und die wenigsten davon machen das aus Freude daran, euch zu ärgern.