Quo vadis?

Quo vadis – wohin gehst du?
Seit gestern und noch bis Sonntag Abend ist in Freiburg auf dem Messegelände im Rahmen der CFT – Camping, Freizeit, Tourismus die Messe Bike-Aktiv zu gange. Die regionale Fahrradbranche gibt sich dort ein Stelldichein und zeigt ihre Neuigkeiten.

Im Gegensatz zur Eurobike in Friedrichshafen, die eher eine Händlermesse mit einem Publikumstag ist, wendet sich die Bike-Aktiv vorwiegend an das radfahrende Publikum, an die Endverbraucher. Es sind hier die regionalen Händler, die ihre Ware ausstellen, mit der Option alles anzufassen und auszuprobieren. Sogar einen Testparcours gibt es. Die speziellen Teile- und Zubehörhersteller suchte man hingegen vergebens.

Um eine Erkenntnis kommt man nicht herum – Pedelecs sind im Trend. An vielen Rädern vom Tourenrad bis zum Enduro-Fully ist der Motor nicht mehr weg zu  denken. Wie selbst die Fachleute zugeben ist der Zusatzantrieb mehr als ein Hilfsmotor. Er ist der Einstieg für Untrainierte, der die Furcht vor Steigungen und Gegenwind nimmt.
Auch Scheibenbremsen sind inzwischen zumindest bei hochwertigen Modellen eher die Regel als die Ausnahme. Das hat aber auch einen guten Grund, liegt die Masse derartiger Modelle doch eher bei 20 denn bei 6 Kg. Aber selbst an etwa einem Drittel der gezeigten Rennräder waren Bremsscheiben zu finden!

Rennrad mit Scheibenbremse
Rennrad mit Scheibenbremse

Da ist dann natürlich Essig mit Leichtbau! Da die Kräfte bei dieser Bauform über die Nabe abgeleitet werden muss das Laufrad selbstredend zuallererst stabil sein.
Etwas anderes kann man auf jeden Fall auch entdecken: Wechselt man den Rennlenker (siehe Bild oben) gegen einen geraden aus erhält man ein Fitnessbike, etwas, was bei Normalverbrauchern anscheinend gut angenommen wird. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass auch an Rennrädern Motoren auftauchen! Berichte in der Fachpresse hat es ja schon gegeben!
Eine Erscheinung des letzten Jahres sucht man aktuell dagegen vergebens. Waren 2014 noch etliche Stände voll mit Nachrüstsätzen, um aus einem konventionellen Rad ein eBike zu machen sind diese jetzt völlig verschwunden.

Auch unter den Nischenproduzenten gibt es Neues.
Kannte einer bislang die Marke Tannenwald? IMG_2216Nun, die Spur dorthin führt zu einem „ehemaligen“ MTB-Team, ihr erinnert euch bestimmt noch an Rothaus-Cube, später Rothaus-Poison-Bikes. Deren Macher war anscheinend langweilig, und so haben sie begonnen, selbst Räder zu bauen. Das Team selbst ist jetzt unter neuem Namen eher im Freizeitsport tätig. Der Stand erinnerte aber noch an alte Tage, als sie noch in der Bundesliga mitmischten.IMG_2215Ein sportliches Highlight war die Vorstellung des Teams Bikeposten.
Wie, kennt ihr nicht? Ich bislang auch nicht, man lernt aber täglich dazu. Dieser Freiburger Radhändler hat ein bunt gemischtes Team an den Start gebracht, das von Crosstriathlon über Downhill bis hin zu Strassenrennen so ziemlich überall anzutreffen sein wird, wo Räder im Spiel sind.

Team Bikeposten
Team Bikeposten

Anschliessend gab es an deren Stand noch eine Autogrammstunde mit Adelheid Morath.

Adelheid Morath
Adelheid Morath

Kommen wir zum Abschluss noch zu einer unerfreulichen Erkenntnis.

Es gibt doch immer wieder Händler, die sich darüber beklagen, die Kunden würden sich bei ihnen beraten lassen, um dann bei den „billigen“ Konkurrenten im Internet zu bestellen. Seit diesem Messebesuch und einem Gespräch dort wundert mich das nicht mehr, war dieser Händler, mit dem zu sprechen ich das Vergnügen hatte, der Meinung, es sei der Fehler der Kunden wenn diese erst im Frühjahr ihr neues Rad kaufen wollten, statt das im Oktober zu tun wenn die Händler bei der Industrie ihre neue Ware ordern.
Man bestelle nicht viel mehr als man erfahrungsgemäß auch verkaufe, und die Hersteller bauen nicht mehr Räder, als die Händler auch bestellten. Das ist nachvollziehbar, aber zu kurz gedacht.

Welcher Radfahrer kauft denn neue Räder im Frühwinter?
Gemeinhin sind das nur die Vereinssportler, die genau wissen dass sie in der neuen Saison neue Wettkampfräder brauchen werden, und in vielen Fällen dürften diese über Sponsoren bezahlt werden.

Die Normalradfahrer kommen doch eher dann auf die Idee, in ein neues Rad zu investieren, wenn es wieder warm wird, die Sonne scheint und man Lust bekommt, sich wieder mehr zu bewegen.

Was passiert nun, wenn die Leute in die Läden gehen, sich beraten lassen und dann gesagt bekommen, dass sie nicht beliefert werden können? Mit der Auskunft, das gewünschte Modell sei schon ausverkauft, wird sich nur eine Minderheit zufrieden geben.
Passiert das bei einem Händler, glaubt man noch an eine Ausnahme, und geht zum nächsten. Passiert das aber öfter, machen die Leute was? Richtig – sie versuchen ihr Glück bei den zahlreichen Versendern im Internet, und werden dort vielfach dann auch fündig.

Wenn die Aussage richtig ist, dass man ein „ausverkauftes“ Modell unter Jahr nicht wirklich nachbestellen kann, dann liegt hier ein wesentliches Problem, denn die Kunden werden nicht auf das nächste Jahr warten. Sie werden mit den Füssen abstimmen.

Optische Einrücke von der Messe findet ihr in meiner Fotosammlung.