Darmstadt, ein verkanntes Wesen

Darmstadt ist die einstige Residenzstadt der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und hat in den Bombennächten des 2. Weltkriegs seine Schönheit weitgehend verloren! Wer die Stadt heute besucht, bekommt bei der Durchfahrt als ersten Eindruck all die Hässlichkeit der planlosen Wiederaufbauphase serviert, und muss sich schon sehr anstrengen, die verbliebenen Schönheiten zu entdecken! Aber es gibt sie noch! 

Fremder, kommst du nach Darmstadt und hast kein Hotelzimmer im Zentrum, lass dein Auto draussen stehen!

Es macht keinen Sinn, Parkplätze im Zentrum zu suchen, auch wenn es genug Parkhäuser gibt. Davon wirst du arm, Spaß macht es auch nicht, und man investiert das Geld besser in eine RMV-Tageskarte! Wer nicht gerade am Hauptbahnhof ankommt – der liegt ganz im Westen der Stadt und fussläufig rund 2 Km vom Zentrum entfernt – tut gut daran, einen der großen Sammelparkplätze aufzusuchen und von dort mit der Tram in die Stadt hinein zu fahren. Da empfehle ich entweder den in Sankt Stephan zu nutzen (weiter mit Tram 4 oder 9), oder den am Bürgerpark (Tram 5). Letzterer liegt tarifmäßig noch in der Innenstadtzone und kommt daher billiger. Der in Griesheim kostet eine Zone mehr, ist dafür aber von der Autobahn einfacher zu erreichen (Abfahrt Griesheim und immer der Nase nach, am Felsenkeller rechts). Man kann es natürlich auch darauf ankommen lassen, aber seid sicher, auch alle anderen sind so schlau wie ihr und versuchen es am alten Meßplatz. Der kostet zwar nichts, ist aber auch als erster überrannt! Schon der gegenüber am Jugendstilbad kostet, und das nicht zu knapp.

Das Schloß bildet eindeutig das Zentrum der Stadt, alles andere gruppiert sich darum herum. Man kann Darmstadt ohne Weiteres auch als großes Dorf bezeichnen, dann aber als eins der versteckten Schätze. Wer da mit dem Auto durchfährt verpaßt alles Schöne, denn das liegt weiter abseits der Hauptverkehrsstraßen. Man muss es erkunden, und das am Besten zu Fuß. Also los …

Man kann Darmstadt durchaus auch als Quadrantenstadt bezeichnen (nein, nicht Quadratestadt, das ist Mannheim; die Fächerstadt ist Karlsruhe): vom Schloß aus gesehen wird auf den kommenden 500 Metern nach Südwesten dem Mammon gehuldigt, dort ist die Einkaufsmeile. Gleiche Entfernung nach Nordosten dient dem Geiste, da ist die eine Hälfte der Universität – die andere Hälfte findet ihr in Richtung Odenwald an der sogenannten Lichtwiese. Inzwischen hat die auch einen eigenen Bahnhof und womöglich demnächst Tramanschluß.
Der Sektor nach Nordwesten stinkt, weil chemisch, und was sich im Nordosten hinter der Uni auch noch befindet kann man trinken – das Kneipenviertel. Der weitere Südwesten bleibt diesbezüglich weitgehend undefiniert, dort wohnt man.

Wie schon angedeutet erkundet man die Stadt am Besten zu Fuß. Zu entdecken gibt es mehr als genug. Die Stadt durchmißt rund drei Kilometer, und wer vom ersten Eindruck her glaubt, er würde an einem Tag fertig der irrt gewaltig. Man kann dort mehr als eine Woche zubringen und hat noch immer nicht alles Sehenswerte wirklich entdeckt. Da gibt es weitaus mehr zu sehen als die üblichen Touristenfallen. Bekanntestes Wahrzeichen der Stadt ist sicher die Künstlerkolonie mit dem Hochzeitsturm und der Russischen Kirche, alles Hinterbleibsel aus landgräflicher Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Verkehrsdrehscheibe ist der Luisenplatz, und das gleich mehrstöckig. Während oben sich fast alle Linien der HEAG treffen, unterquert der Straßenverkehr den Platz im Keller.

Ich habe am vergangenen Sonntag begonnen, meine Eindrücke in kurzen Videos zusammen zu fassen und beginne im Teil 1 – siehe unten – mit der Innenstadt und dem Woogsviertel, das sich nach Osten hin anschließt. Trennstelle ist die alte Stadtmauer, deren Reste man nicht nur am und im Darmstadtium beäugen kann. Es gibt noch weitere Zeugen der Vergangenheit, wie z.B. den Hinkelsturm am Ende der Lindenhofstraße. Das ist die Sackgasse südlich vom Jugendstilbad westwärts.

Darmstadt ist durchaus auch reich an Parkanlagen und Grünflächen, und die liegen auch durchaus recht zentral. Man muss sie nur finden! Da gibt es nicht nur den Grünstreifen von der Teichhausstraße bis zum Ostbahnhof. Gleich hinter dem alten Theater schließt sich der Herrngarten an mit dem Prinz-Georg-Garten als „Rosenbeet“. Man kommt so auf dem Weg in die nördlichen Stadtteile ebenso an der Großherzoglich-Hessischen Porzellensammlung vorbei wie an Sankt Elisabeth und dem Schloßgartenplatz. Folgt der Mollerstraße an Fahrrad-Brunner vorbei und ihr kommt über den Rhönring zum Bürgerpark, in dessen Umgebung sich statt dem Schlachthof zahlreiche Forschungsinstitute angesiedelt haben. Im Bürgerpark kann man viel Sport treiben, oder nach Kranichstein weiter wandern. Dort steht die Bahnwelt, ein überregional bekanntes Eisenbahnmuseum (Endhaltestelle Tram 4 oder 5).

Ebenso etwas ausserhalb liegen Freizeitangebote wie der Steinbrücker Teich oder die Fasanerie, zu erreichen mit Bus F Richtung Oberwaldhaus, und gut versteckt liegt im Süden der Stadt im Stadtteil Bessungen nicht nur der Prinz-Emil-Garten mit dem jährlichen Stadtteillauf, sondern vis-a-vis von der Bessunger Kiesgrube die Radrennbahn, das Diatest-Velodrom. „Rennbahn in Flammen“ ist eine durchaus sehenswerte Abendveranstaltung, die bei Einbruch der Dunkelheit mit einem großen Feuerwerk endet. Auch einen Besuch wert ist der Stadtlauf im Sommer, und wer denkt im Winter passiere dort nichts der irrt schon wieder und sollte demnächst ganz im Südwesten die Winkelschneise aufsuchen zwecks Besuch des Darmstadt-Cross. Dieser Lauf hat schon Deutsche Meisterschaften gesehen und fand früher mal auf der Lichtwiese statt, bis die Uni auf die depperte Idee kam, Platzmiete zu verlangen. So sind sie halt umgezogen.

Später schreibe ich vielleicht weiter, jetzt kommen erstmal bewegte Bilder:

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