Pixelgeschichten

Die Überschrift für diesen Artikel könnte auch „Von einem, der auszog, das Unmögliche möglich zu machen“ lauten. Es geht um die deutsche Wirklichkeit beim Kamerakauf … 

Wer wie ich einen Blog betreibt kommt früher oder später darauf, dass die bisher von der Industrie propagierte Trennung – damit nur Fotos und damit nur Filme – überholt ist und man eigentlich beides im selben Gerät gut gebrauchen könnte.

Damit meine ich beides gleichwertig, nicht wie derzeit immer noch, dass die Videofunktion ein besserer Wurmfortsatz der Fotokamera ist. Technisch sollte das überhaupt kein Problem sein, man muss auf Seiten der Hersteller eigentlich nur wollen.

Sich derzeit eine reine Fotokamera zu besorgen ist kein Problem, Läden dafür gibt es in jeder Stadt. Versucht man dasselbe aber mit einer Filmkamera, so wird man rasch feststellen, wie kläglich der Fachhandel hier versagt! Es gibt in aller Regel kein einziges Geschäft, das sich mit der Materie wirklich auskennt! Die Fotohändler sind Fotohändler, wie die Metzger keine Brötchen verkaufen, ausser zu ihren heißen Würstchen. Sie tun das aus Notwendigkeit, nicht aus Überzeugung. So ist bei den etablierten Fotoherstellern die Videofunktion nicht mehr als ein besseres Gimmick, eine Dreingabe, die den Kauf der Kamera fördern soll. Die Möglichkeiten, die in der Kunstform Video stecken, werden selten ausgereizt. Umgekehrt kann man mit einem Video-Camcorder selten brauchbare Fotos machen, da stellt sich das Problem genauso dar, nur aus der anderen Richtung.

Viele der Läden, besonders im Internet, die Filmzubehör verkaufen, tun dies nach eigener Darstellung ausschließlich an gewerbliche Kunden. Der Normalverbraucher darf dort nicht einkaufen, wo er bekäme was er braucht, und da wo er einkaufen darf wird er oft so behandelt, als habe der Fotohändler gerade das Rad neu erfunden! Es ist ein extremes Ärgernis!

Wo liegt nun eigentlich das (technische) Problem?
Es wäre durchaus möglich, Kameras so zu bauen, dass sie den Anforderungen beider Lager genügen könnten. Zumindest soweit es die Bedürfnisse normaler Amateure betrifft, also keine Anforderungen an Einstellbarkeit à la Hollywood.
Ich experimentiere nun schon einige Jahre lang damit herum, und meine mir dazu eine Meinung erlauben zu können.
Handelsübliche Camcorder decken einen Bereich ab, von dem die Industrie glaubt, sie entspräche den Wünschen ihrer Kunden. Das gilt für Fotokameras schon lange. Während eine DSLR (die Spiegelreflexkamera) gemeinhin über Wechselobjektive verfügt und somit die Bildgestaltung ermöglicht, die der Fotograf wünscht, trifft dies bei Videokameras in der Regel bislang nicht zu, außer vielleicht bei den ganz teuren Modellen der Kinoabteilung. Das fest eingebaute Objektiv bedient den Bereich von einem (ganz) leichten Weitwinkel bis zum mittleren Tele. Unten, im Weitwinkelbereich, verhindert die Technik ein Mehr, oben ist es der Mensch. Längere Tele kann keiner ruhig halten, jeder Mensch zittert. Die kleinen Sensoren, die es erlauben, Gehäuse heutiger Winzigkeit zu bauen, verhindern kürzere Brennweiten. Was dort im Vergleich eine Normalbrennweite ist wäre übertragen auf Kleinbild ein Fischauge! Kürzer geht eben nicht. Das aber ist genau das Problem, denn es gibt oft Bedarf an eben dieser Perspektive. Denkt nur mal an große Säle oder Kirchen. Während so gut wie jeder handelsübliche Camcorder eigentlich von Anfang an über einen elektronischen Sucher verfügt, ist dies im Fotolager nur bei sehr wenigen Modellen der Fall! Der ist aber Bedingung, denn „in Vorhalte“ kann keiner die Kamera ruhig halten. Schaltet man eine normale DSLR in den Videomodus, klappt der Spiegel hoch und der Sucher ist nicht mehr zu gebrauchen. Auch bedienen die Marktführer immer noch altbackene Brötchen, sie meinen und erklären das auch noch öffentlich, das Format Full-HD (1080p) genüge heutigen Anforderungen. Das ist aber so, als ein Brot von voriger Woche als frisch zu bezeichnen. Aktuell ist heute mindestens 4k, und die aktuellen Sensoren geben das auch her. Wie mir scheint ist es purer Wille der hauseigenen Filmkameraabteilungen, die ihre teuren Geräte, die sie an Amateure eh nicht verkaufen wollen, protegieren. Wenn ich aber eine Leistung für 3.000 Euro bekommen kann gebe ich dafür nicht 10.000 Euro aus, einmal ganz davon abgesehen, dass ich die nicht habe!

Langer Rede kurzer Sinn – es gibt nach meiner Beobachtung einige wenige möglicherweise infrage kommende Modelle, die mit Kompromissen den wirklichen Bedarf bedienen. Eine Kamera mit eingeschränkt tauglicher 4k-Videofunktion wäre von Sony die Alpha 99 Mark II. Die scheint mir, neben einiger Schwächen im Objektivprogramm, nur ein Problem mit dem internen Aufbau zu haben. Sie neigt bei höherer Außentemperatur zu Überhitzung und man kann erleben dass sie sich deswegen nach wenigen Minuten Aufnahme selbst notabschaltet. Ich habe eine deswegen umgetauscht. Die Bilder sind jedenfalls optisch soweit in Ordnung. Ein anderes möglicherweise infrage kommendes Modell wird derzeit auf Youtube als „der Canon-Killer“ beworben. Es ist die GH5 von Panasonic, einem Hersteller, der bislang mit dem Kameramarkt nicht viel zu tun hatte. Mitte November ist in Darmstadt Fotomesse. Ich denke ich werde mir dort mal eine zeigen lassen!
Weder Canon noch Nikon haben hier Brauchbares zu bieten und nach eigener Einlassung auch nicht die Absicht, dies in näherer Zukunft zu ändern.