Limburger Cityrennen

Spricht man von Limburg dürfte die überwiegende Mehrheit eher an ein gewisses Molkereiprodukt oder an den Dom denken, vielleicht noch an eine gleichnamige Provinz der Niederlande, wohl aber weniger an den RSV Nassovia.

Dieser trug gestern gleich gegenüber vom Bahnhof zum nunmehr schon 27. Mal sein jährliches Cityrennen aus. Ein Kriterium wie aus dem Kochbuch. Man nehme einen 800 Meter langen Rundkurs, baue in den Seitenstraßen eine Anmeldung  sowie die obligatorische Wurst- und Kuchentheke auf und starte Punkt 12 Uhr Mittags mit den Senioren das erste Rennen. 

Apropos Bahnhof – das größte Problem mit dieser Veranstaltung war wohl die Anreise, hatte die Stadt doch gerade erst vor wenigen Wochen die Verkehrsführung an einigen Stellen auf den Kopf gestellt, sodass selbst fabrikneue Navis den Weg nicht sofort fanden. Wer erwartet schon den Marktplatz vis-a-vis von Arbeitsamt und Feuerwache? Ein ausgesprochener Marktplatz war es auch garnicht, eher ein unbebautes Gelände vor den dortigen Markthallen, das derzeit als Parkplatz genutzt wird. Vorteil der etwas abgelegenen Abstellfläche: sie ist gratis, während sonst überall in der Stadt die Hand aufgehalten wird. Dafür muss man rund 10 Minuten bis in die Innenstadt laufen. Die örtlich günstige Möglichkeit einer Anreise mit der Bahn zerschlägt sich schon beim Blick in den Fahrplan. So manches Kuhdorf ist besser angebunden als diese Stadt. So besteht günstigstenfalls einmal stündlich eine Verbindung nach Frankfurt, und auch das nur mit (teils mehrfachem) Umsteigen in der Provinz ohne Anschlussgarantie. Der wochentägliche RegionalExpress fährt sonntags nicht. Bleibt nur ein Bummelzug, der an jeder Milchkanne hält.
Mit dem Auto geht´s rund eine Stunde schneller – pro Richtung.

Der Renntag bestand aus insgesamt fünf Rennen, angefangen bei den Senioren über ein Hobby- und zwei Fette-Reifen-Rennen bis hin zum Finale um 15 Uhr mit den Profis der KT/A/B/C. Dort ging richtig die Post ab bei der Hatz über 100 Runden gleich 80 Kilometer. Nicht alle sahen das Ziel; einige stiegen mangels Form aus und gaben ihren Trainingsrückstand auch offen zu.
In den offiziellen Ergebnislisten tauchten dann aber nur zwei davon wieder auf, nämlich das erste und das letzte Rennen. Augenscheinlich nimmt der BDR die Hobbyfahrer nur dann zur Kenntnis, wenn es darum geht, Tageslizenzen an den Mann oder die Frau zu bringen! Seit Neuestem dürfen die ja bei der C-Klasse mitfahren, wenn sie einen gewissen, nicht ganz unerheblichen Betrag auf den Tisch legen statt in einen Verein einzutreten und sich eine Lizenz zu ziehen. Ähnliches scheint für die Kinder zu gelten, wobei es eine wahre Freude war, ihnen zuzusehen. Statt dem sonst üblichen Begleitauto zeigten ihnen Sportler des veranstaltenden Vereins den Weg.

Fette Reifen Rennen

Es waren nicht ausgesprochen viele, die aber waren mit Herz und Verstand bei der Sache.

der „ältere“ Jahrgang

Zwei in der älteren und etwa ein halbes Dutzend in der jüngeren Klasse probierten einen Sport aus, der bei dieser Gelegenheit Nachwuchswerbung betrieb.

Sieger: Senioren 2+3

Das Ergebnis bei den Senioren 2 und 3 lautete denn nach 40 Kilometern Matthew Lee Franks von der RIG Vorderpfalz vor Frank Stühn (RSC Betzdorf) und Stefan Steiner (auch RIG Vorderpfalz). Gelistet sind in der Ergebnisliste auf Rad-Net.de 15 Fahrer, die anderen hatten in den Wertungen, die ein Kriterium auszeichnen, keine Punkte ergattert. Auch für Laien auffällig war, dass da dem optischen Erscheinungsbild nach nicht nur Senioren an der Startlinie standen! So mancher war dafür entschieden zu jung. Nachfragen ergaben, dass man wohl zur Auffüllung des Feldes einige Junioren hat mitfahren lassen, auch wenn es später dafür keine Siegerehrung gab und auch kein U19-Rennen ausgeschrieben war. Aber gut, Übung macht den Meister.
Im Rennen ging es turbulent zu, und nicht alle waren hinterher mit ihrem Resultat zufrieden, was man an den Gesichtern deutlich hat sehen können. Selbst wenn es unmöglich ist, einen Innenstadtkurs hermetisch abzuriegeln möchte man von erwachsenen Menschen annehmen dürfen, dass sie bereit sind, beim Überqueren der Straße ihren Verstand sowie Augen und Ohren zu gebrauchen! Leider weit gefehlt, gab es doch wieder einige Exemplare der Gattung wandelnde Intelligenzbestie, die weder links noch rechts schauten und auch nicht auf Weisungen weder der Streckenposten noch gar der Polizei hörten und mitten im Feld auf die Rennstrecke tapsten. Zum Glück ging es ohne Unfälle aus! So einigen davon würde ein mehrwöchiger Nachdenk-Aufenthalt in einer Arrestzelle gut tun, um ihnen klar zu machen, dass sie nicht alleine unterwegs sind und solche Aktionen sowohl sie selbst als auch die Sportler gefährden! Käme da ein 40-Tonner statt den Rennfahrern würden sie das sicherlich nicht machen.

Start Elite

Bunt wurde es dann in Hauptrennen über wie gesagt 100 Runden. Vom Nobody bis hin zum KT-Profi standen so einige am Start, die im Herbst nach einer langen Saison noch immer nicht genug hatten. Beispielsweise Fahrer der Teams Erdinger Alkoholfrei oder Kern-Haus. Die Straßenprofis durften dann lernen, dass Kriterien anderen Gesetzen gehorchen als Straßenrennen. Das Treppchen machten andere unter sich aus, und so standen da relativ unbekannte Namen auf dem Stockerl: Christian Noll (RSG Betzdorf) gewann vor Florian Obersteiner (Hermann Radteam) und Markus Regenbogen (BSV Berlin).

Erste Fotos gibt´s bei Flickr. Weitere folgen.