1. Reinheimer Radsporttag

Sie müssen sehr ausgehungert gewesen sein! Gemeint sind die Straßenradrennfahrer, denn anders ist kaum zu erklären, dass ein neues Rennen im vorderen Odenwald Fahrer auch aus Göttingen oder Wuppertal anzieht. Das liegt ja nun nicht gerade um die Ecke, und im Vergleich zu größeren Wettbewerben ist der Kurs von rund einem Kilometer Länge mit Start und Ziel am Friedhof auch nicht außerordentlich spektakulär. Er hat es aber dennoch „in sich“ mit einer ansteigenden Zielgeraden, und unterwegs einigen S-Kurven und Engstellen.

Ort der Veranstaltung war der Stadtteil Spachbrücken. Die neue Umgehungsstraße war hier insofern günstig, dass es die Sperrung eines Teils der Hauptstraße zu diesem Zweck erlaubte. Wo gibt es das denn sonst noch?
„Eingestiegen“ bin ich zur Mittagszeit mit dem Rennen der U17 – einem erlesenen Feld aus vier Fahrern nebst Dame! Zuvor hatten Rennen der jüngeren Altersklassen, der Schüler U11 bis U15, stattgefunden. Diese Rennen waren noch Rundstreckenrennen, die der gewann, der zuerst ins Ziel kam.

Die nun folgenden Rennen wurden als Kriterium ausgetragen. Es gab also alle fünf Runden Wertungen, ebenso wie diverse Prämien. Gewonnen hat, wer die meisten Punkte aus den Wertungen auf sich vereinigt oder das Feld überholt und so Rundengewinne erzielt.

Es geschah was geschehen musste: sie haben aus ihren 35 Runden ein „etwas anderes“ Einzelzeitfahren gemacht. Die Abstände waren teilweise so, dass die Fahrer zueinander ausser Sicht waren. Mit 15 Punkten auf seinem Konto hieß der Sieger Marc Lauf, er fährt für die RSG Frankfurt. Als einzige Dame am Start belegte Kristin-Elisabeth Kroth vom RSC Wiesbaden den vierten Gesamtrang.

Da es mittlerweile leider üblich geworden ist, dass die Junioren alleine keine Rennen mehr austragen können, gesellten sich die Senioren mit dazu.

Acht Junioren und 14 Senioren standen da am Start, und es war nicht immer einfach, sie auseinander zu halten! Rundengewinn geht ja vor Punktgewinn, wie wie schon bei der Jugend beeindruckende gesehen hatten, und auch Jan Schmöller kennt diese Regel. Es fährt ebenfalls für den RSC Wiesbaden, und strich 15 Punkte ein. Ihm folgte mit 14 Punkten ein Niedersachse, Vitus Obermann von TusPo Weende. Die teils weiten Anreisen hatte ich eingangs ja schon erwähnt.
Sieger der Senioren 2, 3 und 4 wurde Stefan Steiner von der RIG Vorderpfalz.

Man bekam Hunger. So folgte die „Mittagspause“ (die zeitlich eher auf „Kaffee und Kuchen“ fiel) und in ihr die „Stadtmeisterschaft“. Ein Hobbyrennen über fünf Runden, bei dem nur Bürger Reinheims starten durften, und das auf allem, was kein Rennrad war.

Was dem folgte war zumindest sofern ungewöhnlich, dass bisher selten „Fette-Reifen“-Rennen zusammen gelegt werden mussten. Geplant waren drei Rennen für den Nachwuchs, daraus wurde dann eins, bei dem die einen vier und der Rest mit Verzug zwei Runden fuhren. Das Ergebnis kenne ich nicht, es kommt auf Rad-Net leider nicht vor! Es war insofern auch Eigenwerbung für den veranstaltenden Reinheimer Verein, dass der Siegerpreis eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft war. Mit Speck fängt man Mäuse?

Höhepunkt des Tages und Finale – das B/C-Eliterennen über 60 Runden. Besetz war es mit Fahrern „aus aller Herren Länder“, wobei die gelisteten Mannschaften nicht immer eine Aussage über die wahre Herkunft der Teilnehmer zuließen. Bei Bastian Becker zum Beispiel steht da RV Schwalbe Trier, auch wenn er Bensheimer ist. Tim-Jonas Reuß fährt offiziell für den RV Sossenheim, und ist Mittelhesse. So geht das weiter. Man darf aber sagen, dass das geografische Spektrum von Kiel über Limburg, Melsungen bis nach Mayen beachtlich ist für ein „kleines“ Rennen in der hessischen Provinz.
Es ging „lustig“ zu bei der Kurvenhatz mit diversen parkenden Autos vor Kurven, die umkurvt werden wollten, auch wenn im Vorfeld die Anwohner darum gebeten wurden, sie doch am diesem Tag mal von der Straße zu entfernen. So ging leider auch einem der Platz aus, und er fand sich erst im Krankenwagen und dann im Spital wieder. Wie er mir aber sagte „sei alles soweit gut“. Wir wissen, wie diese Aussage gewöhnlich zu verstehen ist. Gute Besserung! Die Zuschauerresonanz ließ insgesamt leider „wie üblich“ sehr zu wünschen übrig, aber daran ist man ja schon gewohnt.
Das Rennen gewonnen hat Fabian Holbach, der vor dem Start im Heizomat-Dreß gesichtet wurde, um dann für Opelit-Fachklinik Dr. Herzog am Start zu stehen. Alle Eingeweihten kennen das, unbedarfte Neulinge verwirrt es.
Das Feld war gut verteilt, was sich daran zeigte dass er „nur“ 10 Punkte aus den Wertungen holte. Anscheinend waren die verschiedenen Bierprämien beliebter, und nach dem Rennen ging der Tag „feucht-fröhlich“ zu Ende, weil nicht alles Bier verausgabt worden war. Ist doch schön, wenn man einen Getränkesponsor hat!