Rothaus Bike Giro Hochschwarzwald

Was da bis letztes Jahr noch als „Trans-Schwarzwald“ bekannt war und unmittelbar mit der Marke Vaude in Beziehung stand heisst seit diesem Jahr „Rothaus Bike Giro Hochschwarzwald“, und hat quasi drei Eltern: Die Brauerei Rothaus, die mit ihrem Domizil in Grafenhausen die eine Hälfte, und den Feldberg, der die andere Hälfte beherbergt.

Die Badische Staatsbrauerei Rothaus

Das gut gemachte 4-Etappen-Rennen wird von den Brüdern Sauser aus Villingen-Schwenningen mit Unterstützung bekannter Namen gemacht, und die wissen, was sie tun. So stammt die Strecke von niemand geringerem als Simon Stiebjahn selbst, der die Region wie seine Westentasche kennt und natürlich an dem Rennen selbst teilnimmt

Bis kurz vor dem vergangenen Donnerstag, dem 10. August 2017, hatte ich das Rennen gar nicht wirklich auf der Rechnung. Zu viel ging in letzter Zeit einfach drunter und drüber. Zuletzt aber siegten die Gene, und Mittwoch Abend kurz vor Neune fiel eine weitreichende Entscheidung:
Da fährst du hin und schaust dir das an!

Es war so kurzfristig natürlich illusorisch, noch etwas Standfestes auf die Beine zu stellen, zumal die aufgerufenen Hotelpreise der Nachfrage wegen – es waren wohl doppelt so viele Köpfe unter zu bringen als es in der Gegend Betten gibt – jenseits von gut und böse lagen. Auf der Webseite zur Veranstaltung waren Hotels bis hinter Offenburg aufgelistet, und für die Preise kann man mit einer Bahncard50 ohne weiteres hin und zurück fahren. Man darf ja nebenbei nicht vergessen, dass für einen Fotografen und Blogger natürlich auch das „Backoffice“ zählt, und vieles davon ist nicht ohne weiteres transportabel. Man muss die vielen Bilder, die so eine Veranstaltung naturgemäß abwirft, ja irgendwo lassen, und eine handelsübliche Festplatte am Notebook bietet weder die hier erforderlichen Kapazitäten noch irgendeine Form von Sicherheit. Man ist also auf jeden Fall besser bedient, wenn man Zugriff auf die heimische Hardware und die hier stehenden Massenspeicher behält.

Die angedachte Logistik setzt naheliegender Weise Normalbetrieb voraus! Nichts ist da verheerender wie Staus, Umleitungen, Zugausfälle oder allerlei andere Unzuverlässigkeiten.
Dass sich das zu einem Pokerspiel entwickeln würde war zu diesem Zeitpunkt selbst für Spekulanten kaum absehbar. Murphy war aber auch mit von der Partie. Dazu aber später.

Sowohl Grafenhausen als auch der Feldberg sind Orte, die man früh um 10 Uhr mit dem ÖPNV einfach nicht erreicht, wenn eine weite Anreise vorausgeht! Am Vormittag hatte ich noch etwas in Stuttgart zu erledigen, und so war rasch klar dass mit dem ÖPNV an diesem Tag wenig zu bestellen sein würde.  Es blieb also – das Auto. Auch damit wurde es zeitlich noch recht knapp.
Solange das so ist soll mir bitte kein Grüner erzählen, das sei unnötig. Klar, wer im Kloster lebt und dessen Mauern zeitlebens nicht verläßt oder sich einen Privatjet leisten kann hat das Problem nicht. Wer aber Bilder machen will sollte schon zeitig da sein, zumal ja eigentlich nicht bekannt sein konnte, was da nun geht.

Es stellte sich am Ziel heraus, dass noch etliche andere so gedacht haben müssen, denn alle Parkplätze waren belegt, und die Leute stapelten sich in den Büschen. Man parkte eben da, wo noch ein Fleckchen frei war und man es einigermaßen mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, die Wiese zu bevölkern. Diese Reserveflächen waren großteils sogar offiziell ausgewiesen!

Start und Ziel des Prologs befanden sich auf dem großen Gelände der Badischen Staatsbrauerei Rothaus, wie die Firma ausgeschrieben heißt. Ein Prolog hat eigentlich nur einen Zweck: Die Startreihenfolge der nächsten Etappe festzulegen und die wichtigen Führungstrikots zu vergeben.
Am Ende des Tages standen dann auch viele Menschen in bunter Wäsche auf der Tribüne und freuten sich über den Applaus.

Hatte es während der gesamten Hinfahrt mehr oder weniger stark geregnet, schloß Petrus zumindest während des Rennens weitgehend die Schleusen. Das war auch gut so. So blieb allen die Fangopackung erspart, die sonst so oft Sportler in gleichförmiges Braun hüllt und für Laien unerkennbar macht.

Was dann auf der Heimfahrt geschah lässt sich kurz zusammen fassen mit einem Wort: Chaos! Rund zwei Drittel der Strecke fuhr ich Landstraße, und die Gesamtstrecke betrug immerhin so etwa 250 Km. Das Navi hatte mich früh von der Autobahn runter gelotst, was zunächst bei mir für Ärger sorgte. Gefolgt bin ich ihm trotzdem, und zuhause stellte sich heraus dass die A5 an jenem Abend völlig verstopft war. An Durchkommen wäre da nicht zu denken gewesen.

Der Zeitverlust hatte nun aber Folgen. Auch der zweite Tag fand in Grafenhausen statt, wiederum war die Anreise mit der Bahn nicht sinnvoll möglich. Wenn der Start um 10 Uhr ist hilft es wenig, wenn laut Auskunft die früheste Verbindung um 11 Uhr oben ist!
Infolge der zu kurzen Nacht habe ich das Risiko abgewogen und von einer Fahrt mit dem Auto abgesehen. Ich habe mir aber für Samstag ein Bahnticket gebucht, nachdem mir klar geworden war dass die räumliche Kombination von Feedzone und Bahnhof in Altglashütten faktisch einer Einladung gleich kam! Also, auf geht´s!

Es war die Stelle auf dieser dritten Etappe, an der „Stiebi“, wie alle in der Szene Simon Stiebjahn nennen (auf diesem Bild der Führungsgruppe an vierter Stelle), die Gesamtführung übernahm, begünstigt vom Kettenriß des bis dahin Führenden Julian Schelb. So sollte es dann auch bleiben, er gewann insgesamt den Giro.

„Stiebi“ Simon Stiebjahn

Die Verpflegungsstelle am Bahnhof von Altglashütten musste zweimal durchfahren werden. An dieser Stelle befand sich auch das auf dem Foto gezeigte Tunnel mit eingebautem Bachlauf.


Ich weiss nicht recht, aber im Fall eines unverhofft auftretenden Gewitters mit Starkniederschlag kann sich so eine Stelle durchaus zu einem Nadelöhr entwickeln, das unter Umständen nicht mehr befahrbar ist. Vielleicht sollte man sich für alle Fälle einen Bypass überlegen.

Wer hätte zu diesem Zeitpunkt ahnen sollen, was sich vormittags gegen 11 Uhr bei Rastatt ereignet hat? Da hatte sich, während ich Bilder schoß, die Tunnelbaustelle selbständig gemacht und die Bahngleise versenkt.
Es kam was da kommen musste, es herrschten bald Zustände wie im Krieg!

Bis Freiburg verlief die Heimreise nach einem erfolgreichen Tag eigentlich normal. Das Höllental ist immer eine Reise wert. Stutzig machte aber die Anzeigentafel im Freiburger Hauptbahnhof! Kein Zug fuhr mehr weiter als bis Offenburg! Maximal bis Baden-Baden kam man noch durch. An der Information stand eine Schlange, als wäre Polonaise! Vorne zur Halle rein und hinten wieder raus. Da war noch nicht klar, dass die Strecke gesperrt war und das wohl auch auf Wochen bleiben würde. An eine geordnete Information war nicht zu denken. Gerüchte kursierten, die Ansagen von gerade eben waren fünf Minuten später schon wieder Makulatur.

Ich kam schließlich nach einer Reise durch halb Süddeutschland spätabends wieder zuhause an, es hätte nur noch gefehlt dass die Umleitung via München und Salzburg gegangen wäre. So war aber für das Finale am Sonntag weder an eine Anreise mit dem Auto noch an eine mit der Bahn zu denken! Für die weite Autofahrt war wieder die Nacht zu kurz, und die Bahn war unterbrochen und fuhr nicht. Den Zeitverlust von über einer Stunde pro Richtung und die Ungewissheit, ob überhaupt was fährt, machten alle Planungen in der Richtung illusorisch.

Nachstehend findet ihr zwei Links zu meinen Bildern bei Flickr.
Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass es bei dieser Veranstaltung offizielle Fotografen gegeben hat und bitte um Verständnis, dass ich keine Teilnehmerfotos anbiete. Meine Bilder stehen daher ausschließlich für redaktionelle Zwecke im Rahmen der Berichterstattung auf Anfrage zur Verfügung.

Hier sind 256 Fotos vom Prolog am Donnerstag,
und hier 299 aus Altglashütten.

Auch wenn die Begleitmusik nicht immer so war, wie ich es mir hätte vorstellen können, ich würde mich auf die nächste Auflage in 2018 freuen.