Ultra-Bike

Der Ultra-Bike-Marathon in Kirchzarten ist wohl eine der bekanntesten und bestgemachten Veranstaltungen dieser Art.
Gestern gab es die 19. Auflage, und wie man hört soll dort im kommenden Jahr mit dem 20-jährigen Jubiläum die Deutsche Meisterschaft stattfinden.

Was sitzt auf meinem Hals und brennt wie Feuer? Mein Kopf! Da hab ich mir wohl gestern arg die Glatze verbrannt als ich einer sehr spontanen Eingebung folgend am Samstag Abend noch rasch einen Fahrschein in den Schwarzwald gebucht habe und in aller Frühe losgefahren bin. Just zu derselben Zeit fiel in Kirchzarten der Startschuß.

Es war von Anfang an klar dass der Start um 7:30 Uhr ohne Auto unerreichbar war. Mit Auto war es derzeit unerschwinglich, aber Dank Bahncard nicht mit dem Rennzäpfchen (schau dir Form und Farbe des ICE an, und du weisst warum ich diese Bezeichnung gewählt habe), und es hat zumindest auf der Hinfahrt trotz teilweise knappster Anschlüsse auch mal reibungslos funktioniert. Man muss das leider so sagen, denn die Deutsche Bahn beweist immer wieder, dass Fahrten dieser Art oft und gerne lottosteuerpflichtig sind! Da gehört es schon fast zum guten Ton, dass auf der Heimfahrt die Nerven noch einmal arg strapaziert wurden.

Beim Studium des Terminkalenders kam mir halt diese Idee, nachdem ein erneuter Besuch in Ilsfeld-Auenstein nach Lage der Dinge nichts Neues an Bildern erwarten ließ. Selbst wenn der Start ausser Reichweite lag, das Ziel war erreichbar, und so ging das Spielchen los! Canons EOS M5 ist zusammen mit dem 18-150mm-Objektiv und einem Sennheiser MKE400-Richtmikrofon geradezu prädestiniert für Videoaufgaben dieser Art. Klein, leicht und handlich braucht man sonst kaum Gepäck, sofern man bereit ist, einige Zugeständnisse zu machen. Natürlich liegt diese Hardware nicht so stabil in der Hand wie eine große Fernsehkamera auf einem Sachtler-Stativ. Nur ist sie allemal besser als eine große Kamera, die aufgrund ihres Volumens dann doch zuhause bleibt.
Apropos – ich bin mal gespannt darauf, was an offiziellen Bildern in den kommenden Tagen veröffentlicht wird, waren doch sowohl die Bildermacher von Sportograf als auch eine professionelle Medienfirma vor Ort.

Die Videoleinwand im Stadion haben sie jedenfalls ganz brauchbar bestückt, und wenn das Material aufgezeichnet worden ist sollte man auch eine ordentliche DVD erwarten dürfen.

Badischer Wein, von der Sonne verwöhnt!
Diesem Werbespruch folgend hätten gestern alle besoffen sein müssen! War bei der Abfahrt der Himmel noch völlig zugezogen und es sah eher nach Regen als nach einem Hitzerekord aus, so riss dieser auf kaum dass die Landesgrenze überschritten war, und bei Ankunft im Dreisamtal lachte die Sonne vom Himmel, dass es keine Steigerung mehr geben konnte!
Ein Tag zum Helden zeugen!

Zug der Dreiseenbahn nach Seebrugg in Kirchzarten Bf.

Nach Ankunft kurz vor halb Elf ging es schnurstracks zum Stadion, wo sich das Ziel befand. Gegen 11:15 Uhr war schon die Ankunft der ersten Ultramarathonfahrer angesagt, und sie waren überpünktlich!

Was aber fand ich da vor? Eine virtuelle Schneelandschaft!
Man hatte die Tartanbahn mit weißer Folie ausgelegt. Anscheinend hatte da jemand Angst um den Bodenbelag. Und da fragt der Moderator die anwesenden Fotografen noch ganz gehässig, wie denn der Eindruck wäre! Jeder Eingeweihte weiss, dass weißer Untergrund wegen seines Reflektionsverhaltens so ziemlich das Mieseste ist, was man einem Fotografen servieren kann, versagt doch jede Belichtungsautomatik kläglich! Nur die wenigen echten Könner wissen aus dem Stegreif, wie da zu korrigieren ist!

Sportlich erübrigt sich so ziemlich jeder Kommentar. Es gibt kaum eine andere Marathonveranstaltung dieses Bekanntheitsgrades. Nach offiziellen Angaben waren mehr als 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Vollprofi bis zum Anfänger am Start, und deren gab es gleich mehrere. Die Ultradistanz startete wie gesagt um 7:30 Uhr in der Fussgängerzone von Kirchzarten, gefolgt um 8:15 Uhr vom eigentlichen Marathon. Daneben gab es noch weitere, die im Tagesverlauf an anderen Orten außerhalb starteten, um dann doch alle im Stadion von Kirchzarten ihr Ziel zu finden, jenem Ort von historischer Bedeutung, fand doch dort schon 1995 die bislang einzige MTB-WM in Deutschland statt.

Zu diesen Außenstarts fuhren die Sportler mit Bus oder Bahn – ihre Räder wurden per Tieflader hingebracht.

Massengut: Mountainbikes

Es waren Hunderte. Ein ganz seltsamer Anblick, wenn Menschenmassen in Radklamotten am Sonntag Morgen die Höllentalbahn nach Hinterzarten stürmen, und vor dem Bahnhof stehen LKW wie auf dem Hof einer Spedition! Darauf ein Mountainbike am anderen.

Sehenswert war das Ganze allemal!
Schon alleine wegen einem wie ein Rohrspatz fluchenden Luca Schwarzbauer, nachdem er als Zweiter über die 89 Km ins Ziel gekommen war! Was war geschehen? Wenn ich es im Interview recht verstanden habe hatte er zuvor die Kette gewechselt, die ihm dann im letzten Drittel der Strecke arge Schwierigkeiten bereitete, entwickelte das Teil doch Freiheitsdränge und machte sich immer wieder auf und davon. Es schien ihn soviel Zeit gekostet zu haben dass aus einem komfortablen Vorsprung ein Rückstand geworden war.

Es war insgesamt ein erfolgreicher Tag für die Lokalmatadoren, und so konnten die Teams aus der Region mehr Erfolge einfahren, als sie erwartet hatten. Aber nicht nur Starter aus der Region waren da, auch wenn sie natürlich die Mehrheit stellten. Man sah zum Beispiel auch etliche Hessen, so auch ein Reinheimer Blauhemd, von dem man weiss, dass er nun nicht unbedingt als Mountainbiker geboren wurde, aber beruflich inzwischen an den Rand des Schwarzwalds verzogen ist, weshalb sich diese Veranstaltung für ihn naheliegender Weise anbot. Ich rede von Frederik Poth.

Auch wenn die Veranstaltung hervorragend gemacht wurde, es gab dennoch eine Kleinigkeit, die man meiner Meinung nach noch besser machen kann. Naturgemäß fehlt in einem Stadion auf dem Rasen etwas, was bei strahlendem Sonnenschein gerne gesehen ist: Schatten. Ein paar Marktschirme hätten bei den gestrigen Bedingungen wahre Wunder gewirkt! Darunter dann ein paar Sitzbänke – perfekt!

Dass der Eisverkäufer schon am frühen Nachmittag fast ausverkauft war brauche ich da wohl kaum zu erwähnen …

Ihr findet hier oder nachstehend im Player ein Video dazu.