Nordbad Darmstadt

Der Letzte macht das Licht aus!
So auch heute Abend um 22 Uhr nach dem Abschwimmen im Nordbad. Darmstadts älteste Dauerbaustelle ist damit Geschichte. 

Das Bad ist marode, wir brauchen ein Neues!
Das war die Losung der Stunde. Das 1971 eröffnete Nordbad, seines Zeichens zugleich Schwimmleistungszentrum, war eigentlich vom ersten Jahr seines Bestehens an ein Reparaturfall. Es war auch hier so: Wer um jeden Preis billig bauen will oder muss baut letztendlich zweimal.

Die Stadt hatte für 20 Uhr zum „Abschwimmen“ eingeladen, und eine rege Besucherschaar wartete draussen vor der Tür auf Einlaß, um noch einmal dieses berühmt-berüchtigte Bad nutzen zu können, das seit Ende der letzten Wintersaison eigentlich schon für die Öffentlichkeit geschlossen war. Für die Vereine aber war es mangels wirklicher Alternativen eine nach wie vor hervorragende Lösung. Auf sie kommen jetzt schwierige Zeiten zu!

Oberbürgermeister J. Partsch, Grüne

Wenn nach Aussage von OB Partsch spätestens ab September die Abrißbagger anrücken werden soll das nebenan liegende Freibad überzeltet werden um so auch im Winter nutzbar zu bleiben. Warten wir es ab!

Marco Koch

Währenddessen sass einer im Foyer, und signierte Kacheln: Marco Koch. Der Weltrekordhalter über 200 m Brust auf der Kurzbahn schwimmt für den DSW1912 und ist quasi das prominenteste Aushängeschild der ortsansässigen Schwimmerszene.
Die Kacheln konnte man gegen eine Spende erwerben, und sich so ein „Andenken“ an das Bad sichern.

Das Staffelrennen, mit dem der Abend nach den üblichen Politikerreden eingeläutet wurde, war eine echte Gaudiveranstaltung.

Von den Versehrten über die Stadtverordneten, die Wasserballer bis hin zu den Triathleten stellten alle in irgendeiner Weise eine Abordnung, bestehend aus 10 Personen. Je 5 auf jeder Seite des Beckens schwamm jede/r seine 50 Meter, egal in welchem Stil. Auch die Zeit hatte heute keine Bedeutung.

Es kam Wehmut auf, als es danach zum letzten Mal hiess: Alle ins Wasser, letzte Gelegenheit!

Um 22 Uhr drehte sich zum letzten Mal der Schlüssel im Schloß herum.
Licht aus, Feierabend. Es war eine schöne Zeit, denn man hatte 50-Meter-Bahnen! Etwas, auf das andere in der Umgebung sehr neidisch sind bzw. waren. Wasserfläche zum Trainieren ist für Wettkampfsport treibende Vereine existenzwichtig. So bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen nicht nur große Reden schwingen, sondern zu ihrem Wort stehen, und in wenigen Jahren ein neues Nordbad seine Türen für Sportler und Bevölkerung öffnet.

Das jetzt als Ausweichmöglichkeit verbleibende Schul- und Trainingsbad ist eine solche nicht wirklich. Man muss aber nehmen, was noch da ist!