Der Hardberg ruft!

Seit Jahren ist der Bikemarathon in Siedelsbrunn eine feste Größe im regionalen Kalender. Auch dieses Jahr kamen zahlreiche Sportler und Sportlerinnen in den Odenwald, nur leider nicht so viele wie sich der Veranstalter erhofft hatte.

Das lag vermutlich an einer unheiligen Zusammenballung von Rennterminen an diesem Wochenende – gepaart mit der Hitze, die viele dazu veranlasste, von einem Start abzusehen. In Albstadt war Worldcup nebst Marathon, wir kommen noch darauf zu sprechen. In Karbach fand ein ebenso berühmtes Straßenrennen mit Bundesliga statt. Wer mochte konnte in Trebgast bei Kulmbach dem Auftakt der 2. Triathlon-Bundesliga beiwohnen, oder in Hungen „Rund um die Europawoche“ fahren. Es bestand also Auswahl.

Daher stand auch bis kurz vor dem Start um 9:30 Uhr auf dem Sportplatz von Siedelsbrunn nicht genau fest, wer kommen würde. Das hinderte freilich die Anwesenden nicht daran, sich bereits eine halbe Stunde vor dem Start um die vermeintlich besten Plätze zu balgen!

Andere waren da wesentlich lockerer, wie dieser Plausch unter späteren Siegern zeigte:

Die beiden waren die Ruhe selbst – und gewannen, obwohl sie nicht ganz vorne am Start standen …

Es wäre auch ungerecht zu sagen, es hätten schlussendlich wieder nur die üblichen Verdächtigen gewonnen. Das waren auf der Kurzstrecke über 25 Km Benjamin Merkel sowie auf der MIttelstrecke Sascha Starker.

Sieger Kurzstrecke: Benjamin Merkel
Sieger Mittelstrecke: Sascha Starker

Auf der Langstrecke war die Sache schon komplizierter, da sich hier mehrere um die Führung balgten, während die beiden kürzeren Distanzen bereits kurz nach dem Start faktisch entschieden waren, sofern den beiden mit Abstand vorweg fahrenden unterwegs keine Panne passiert. Ich darf es vorwegnehmen, es passierte keine! Die Langstrecke entschied schlussendlich Andreas Basler für sich.

Sieger Langstrecke: Andreas Basler

Eigentlich hätte das Motto des Rennens auch lauten können „Auf in den Kampf“, denn ein Kampf war es. Einer gegen 500 Höhenmeter je 25 KM-Runde, einen gegen die Hitze (es waren etwa 30°C) und einen gegen den Staub, der sich bei anhaltender Trockenheit auch im Wald rasch bildete.

Da ich in den vergangenen Jahren bereits mehr als genug Bilder vom Start geschossen hatte war mir der Sinn nach etwas Neuem. Also zog ich mich auch ob der Temperaturen schon am frühen Morgen in den Wald zurück und suchte mir ein schönes Plätzchen in der Nähe des Skihangs. Dort gab es etwas, was bei heutigen Marathons schon Seltenheit ist – einen Singletrail. Eine jener Stellen, wo der Weg keine breite geschotterte Waldautobahn war, sondern ein einspuriger, recht schmaler Abschnitt, in dem die Fahrer schön hintereinander fahren mussten statt zu dritt nebeneinander.

Was aber hörte man da in der Ferne?
Das waren keine Geräusche von den Begleitmotorrädern, sondern Schüsse!

Von der anderen Talseite her wurde geschossen, und das nicht zu knapp. Es hörte sich eher an wie Salvenfeuer auf einem Truppenübungsplatz, nur da war keiner. Eine Treibjagd abzuhalten während in der Nähe ein Radrennen stattfindet kann nur bedeuten, dass da jemand das Risiko liebte.

So verging die Zeit, und ich wartete!


Kurz vor 10 Uhr näherte sich dann das Feld, allerdings nicht von der Seite, von der ich es erwartet hätte. Sie kamen nicht von oben, wie man der Wegführung nach dem Start hätte erwarten dürfen, sondern von unten und arbeiteten sich wieder den Berg hoch. An der Reihenfolge änderte dies freilich nichts. Vorne einsam Benni Merkel und Sascha Starker, dann länger nichts, bevor mehrere Gruppen von jeweils etwa einem Dutzend Fahrer auftauchten. Das Feld war mit allen drei Distanzen zugleich gestartet und hatte sich bis dahin schon enorm in die Länge gezogen, dass der mehrfach zu passierende Skihang „oben nachgefüllt wurde, während unten das Feld abfloss“! Es war auf allen Ebenen was los.

Der Skihang von Siedelsbrunn, von oben gesehen.

Die beiden Führenden waren an sich schon einen Artikel wert! Benni Merkel dreht derzeit am großen Rad und wird mit jedem Rennen besser. Von Sascha Starker braucht man das nicht zu sagen, er ist derzeit die Konstanz in Person. Soweit man aus seinen Posts auf Facebook hat entnehmen können erlitt er vor einer Woche beim Bikefestival in Willingen einen schweren Sturz, der nur knapp an einem stationären Aufenthalt auf der Chirurgischen Station vorbei führte, und nun fährt er gestern beim Marathon in Albstadt auf den zweiten Platz und gewinnt heute auf Ansage! Sein Kommentar dazu: „Die Prellungen tun halt noch ein bisschen weh!“ Hat man da noch Worte?

Wie schon angedeutet war das Ergebnis an der Spitze klar. So wartete man auf eine Entscheidung bei der Langstrecke, die die Runde dreimal zu bewältigen hatte. Darauf aber mussten die (wenigen) anwesenden Zuschauer lange warten, sehr lange.
So ging auch ich auf der Suche nach Zeitvertreib etwas wandern und fand einige „Besonderheiten“.

Wem mag das Schild am Zaun wohl gegolten haben? Da stand „Bitte nicht füttern …“

Bei Temperaturen um 30°C sind aber insbesondere Getränke ein unverzichtbares Zubehör, ebenso wie die obligatorische Rennwurst.

Wie immer lautete auch hier die Losung des Tages: Viel und gut!

Während alle nun auf die Siegerehrungen warteten braute sich am Horizont Unheil zusammen. Da war „Eis am Stiel“ zu sehen, eine mächtige Gewitterwolke hatte sich über dem Rheintal entwickelt, und es sah zeitweise so aus als ob diesem schönen Tag dasselbe Ende drohen könnte wie vor ein paar Jahren, als das Rennen förmlich fortgespült wurde. Es ging diesmal aber gut aus, und als Erinnerung blieb den Betroffenen nur ein starker Sonnenbrand und ein heißer Kopf.

532 Bilder des Tages findet ihr auf Flickr.
Die Bilder sind Impressionen und als Erinnerung gedacht für die, die da waren, sowohl als auch für Leute, die nicht kommen konnten und sich einen Eindruck vom Rennen verschaffen wollen. Für einen einzelnen Fotografen ist es weder möglich noch beabsichtigt, sämtliche Teilnehmer (m/w) mit Bildern zu versorgen! Dies ist kein Teilnehmerfotoservice!

Worauf ich an dieser Stelle noch hinweisen möchte ist das City-Cross-Rennen, das Ralph Berner anläßlich des Michelstädter Bienenmarktes am Pfingstmontag veranstalten wird!
Es lohnt sich, zu kommen, zuzuschauen oder mitzufahren!

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