Bike-Aktiv Freiburg

Es ist Frühling geworden. Messezeit.
Auf dem Messegelände in Freiburg gab es mal wieder viel zu sehen, oder besser gesagt: zu kaufen.
Die Badische Zeitung schreibt dazu: „Die Freizeitmesse CFT hat an den beiden vergangenen Wochenenden mit rund 39000 Besuchern mehr Messegäste bei den rund 200 Ausstellern gezählt als erwartet. Der seit Jahren andauernde Sinkflug konnte dennoch nicht verhindert werden.“
Mich wundert das nicht!

Das Kürzel CFT steht ausgeschrieben für „Camping, Freizeit, Tourismus“ und beinhaltet verschiedene Messen zum Thema, die vom Grill bis zum Hotel auf Rädern so ziemlich alles enthält, was der Markt hergibt.
Das ist zwar eine schöne Ausstellung, und man kann viel ansehen und ggf. auch ausprobieren, aber wer kauft schon aus dem Stegreif ein Wohnmobil zu Preisen von einem halben Einfamilienhaus? Die speziellen Messepreise, die offensichtlich die Käufer locken sollten, galten nur während der Messe. Nachdenken und dann kaufen kommt (erheblich) teurer, aber bei den Preisen?

Die in die CFT-Freizeitmessen integrierte Bike-Aktiv ist meiner Meinung nach im eigentlichen Sinn auch keine echte Messe mehr, sondern entwickelt sich Jahr um Jahr mehr zu einem Flohmarkt der lokalen Händler, die dort ihre Lager zum Abverkauf bringen. Echte Neuigkeiten sah man nicht! Etliche der dort gezeigten Modelle entstammen noch dem Modelljahr 2016, und manche Konzepte sind schlichtweg überholt.

Hinzu kam, zumindest am zweiten Wochenende, ein wirklich mieses Wetter. Am Samstag Regen und das ganze Wochenende über stürmischer Wind, dass es in den Fahnenmasten pfiff wie an der Nordseeküste. Da kommt keine Katze hinter dem warmen Ofen hervor. Das aber ist nicht Verschulden der Veranstalter, sondern schlicht und ergreifend Pech.

Es gab allerdings schon vor Jahren einige Änderungen, die der Messe nicht gut getan haben, und in diesem Jahr wurde es noch schlimmer! Die Verlegung der Aktionsbühne weg aus Halle 4 hin zur Halle 1 bedeutet, die dort gezeigten Sachen aus dem Fokus des Publikums zu rücken, sind es doch hauptsächlich Fahrradthemen gewesen, die bisher die Leute angezogen haben. Man hat gesehen, dass aktuell diese Vorträge kaum mehr Zuspruch fanden. Ausnahmen waren an beiden Tagen die Teamvorstellungen örtlicher Radsportmannschaften, wo sich quasi aus dem Nichts heraus die Ränge füllten.

Das zeigt, dass das Interesse am Sport grundsätzlich da ist. Man muss es nur passend präsentieren. Statt aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen geht man nun aber anscheinend den Weg zu Ende, und verkleinert Presseberichten zufolge die Messe von zwei auf nur noch ein Wochenende, extrahiert den Campingbereich in eine Fachhändlermesse im Herbst, und wird damit vermutlich dem Ganzen den Todesstoß versetzen! Es sind vier Hallen zu füllen, sonst herrscht dort gähnende Leere. Die wenigen noch verbliebenen Aussteller im Fahrradbereich belegten aber schon diesmal bestenfalls eine halbe Halle 4, deren Zentrum von einem Pumptrack gefüllt wurde, was optisch seinen Zweck erfüllte und die Leere nicht so vor Augen führte. Der Trend ist aber absehbar, denn auch die „Leitmesse“ der Branche, die Eurobike in Friedrichshafen, die alljährlich im Herbst stattfindet und die Neuheiten der kommenden Saison vorstellt, hat angekündigt, sich zu einer reinen Fachmesse ohne Publikumstag entwickeln zu wollen, was nichts anderes bedeutet als dass die interessierten Käufer gar nicht mehr erfahren, welche Alternativen es womöglich zum Angebot der örtlichen Händler gibt.

Der Veranstaltung fehlen die echten Zugpferde, Auftritte von Radprofis zum Beispiel, die aus dem Nähkästchen plaudern oder eine Autogrammstunde geben. Damit könnte man Publikum anziehen. So aber wird man die Bevölkerung auf Dauer nicht bei der Stange halten können! Wenn die Messe überleben soll wird sie sich anders ausrichten müssen; ich würde mal sagen, weg vom Ramschladen hin zu einer Eurobike im Kleinformat. Es braucht gar nicht den Überblick der großen weiten Welt, sondern einen klar dargestellten Stand der Dinge. Die Leute interessiert nicht, was ein Händler gerade im Regal hat. Sie wollen wissen, was es sonst noch so gibt. Dass man dort viel ausprobieren kann kommt derzeit eigentlich am besten an, und so verliess mancher Besucher das Messegelände doch mit einem neuen Fahrrad.