18. Ultramarathon Rodgau

Wer im Raum Frankfurt von einem Marathon redet meint in aller Regel den in Frankfurt. Es gibt allerdings auch noch andere … 

Ein Marathonlauf misst gewöhnlich 42,195 Kilometer.
Wem das noch nicht reicht, der konnte heute in Rodgau zeigen, was geht.

Zwischen Aschaffenburg und Babenhausen liegen so nette Orte wie die Teststrecke der Firma Opel, oder die Waldfreizeitanlage Gänsbrüh. Heute wurden hier keine Gänse gebrüht – heute liefen hier viele über 50 Kilometer, oder zehn Runden zu jeweils 5 Kilometer, und das bei Lufttemperaturen wie in der Arktis. Es schien zwar die Sonne, aber die Luft war zur Startzeit nicht wärmer als -7°C. Dementsprechend hatten die Veranstalter vorgesorgt und hielten viel warmen Tee für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bereit. Auch später zum Ziel hatten sich die Temperaturen noch nicht ganz aus dem Eisfach raus getraut, es waren immer noch -2°C. Auf dem Buffet neben dem Tee standen in Speiseeisdosen nicht nur Kekse und Salzstangen bereit, sondern ebenso „Salz pur“. Wer´s braucht …!

Um 9 Uhr waren die Parkplätze voll, und man begann, die umliegenden Wohngebiete zu besetzen. Ob der Platz ausgereicht hat und jeder, der da wollte, um 10 Uhr am Start stand – ich weiss es nicht!
Auf jeden Fall wollte die Schlange nach dem Startschuss gar nicht mehr aufhören. Laut Sprecher waren es mehr als 1000, und bei den Bedingungen – eisige Luft, tiefgefrorener Boden und das alles auch noch mitten im Wald – fragte man sich, ob man hier unter die Masochisten geraten sei!

Man mag das erörtern; solange die Läufer aber genug Luft haben, bald nach dem Loslaufen Grüppchen zu bilden und sich eifrig zu unterhalten, kann es so schlimm nicht gewesen sein! Dabei waren nicht nur Lokalpatrioten gekommen. Nein, da waren Nummernschilder aus der ganzen Republik und weit darüber hinaus. Besonders die Schweizer setzten sich in Szene.

Die Führenden spielten vorne „Reise nach Jerusalem“. Die Führungsgruppe wurde Runde um Runde immer kleiner – am Anfang war es etwa ein Dutzend der üblichen Verdächtigen – bis etwa zur Halbzeit klar wurde, was da Sache war. Der Abstand der ersten Drei betrug bald schon eine Minute und mehr zueinander.

Der Sieger, Frank Merrbach aus Berlin, brauchte für die Distanz 3:08:29 Stunden. Auf dem zweiten Platz folgte ihm sein Vereinskollege Enrico Wiessner.

Informationen zur Veranstaltung gibt´s beim Veranstalter, die Ergebnisliste ist hier.

Bis zur Siegerehrung, die um 16 Uhr stattfinden sollte, konnte ich leider nicht bleiben. Schließlich hat der Durchschnittsbürger auch noch anderes zu tun, als im Wald fest zu frieren 😉 Zieleinlauf war um kurz nach 13 Uhr, bis zur Siegerehrung vergingen also noch knapp drei Stunden. Zeit, die ich besser nutzen musste und konnte.

Es war insgesamt eine schöne Veranstaltung! An einem Punkt muss ich allerdings – leider – etwas Kritik üben, und das ist die Gestaltung des Ziels.
Warum hat man nicht – wie bei anderen Rennen längst üblich – einen Zielkanal gebaut? Geradeaus geht´s in die nächste Runde, links oder rechts ab ins Ziel. Da hätten alle gewusst, woran sie sind! So ging der Sieger beim Zieleinlauf in der Masse der Übrigen, die noch eine Runde oder mehr zu laufen hatten, unter. Jene wurden aufgefordert, zur Seite zu treten, damit die Fotografen hinter der Ziellinie gute Bilder bekämen, was aber nur dazu geführt hat, dass die Langsameren nicht wussten, wohin. So schon musste sich der Zeitnehmer bzw. die Sprecherin darüber beklagen, die Fotografen nähmen ihnen die Sicht. Umgekehrt wird leider ein Schuh daraus, denn wo sollten die Fotografen denn anders sein als da, wo sie den zu erwartenden Sieger aufs Bild bekommen? Es drängt sich der Schluss auf, dass nicht nur der Sprecherplatz ungünstig aufgestellt war.
Das Video dazu ist hier: