Eurobike 2016

Die Eurobike ist Jahr für Jahr eine bedeutende Veranstaltung für alle Fahrradinteressierten. So fand man sich in den vergangenen Tagen wieder in Friedrichshafen am Bodensee ein, um die Neuheiten kennen zu lernen. Erneut darf festgestellt werden, dass der alte Spruch immer noch gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt! 

Dennoch führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Da es im vergangenen Jahr aus Anlass des Publikumstags etwas hektisch geworden war entschloß sich die Messe, es dieses Mal mit zwei Tagen zu versuchen. An sich eine gute Idee, nur müssen die Aussteller dabei auch mitspielen! Einige der bekannten Marken waren gar nicht präsent und zogen eigene Hausmessen für den Kundenkontakt vor.

Es hat sich bewährt, sich nach Ankunft auf dem Gelände erst mal mit einem „Schnelldurchlauf“ eine Übersicht zu verschaffen, was in welcher Halle besonders sehenswert ist, und wo es sich lohnt, später etwas mehr Zeit zu investieren. Es gibt ja die Hallen A1 bis A7 und parallel dazu die Hallen B1 bis B5, ebenso wie man in manchem Jahr den auf der anderen Straßenseite gelegenen Zeppelinhangar mit dazu nahm, um Platz zu schaffen.

Hinter dem Haupteingang mit dem Foyer beginnt man da also mit Halle A1 – zumindest in der Theorie. In der Praxis bekam man da gleich mal mit, wieviel von Katalogen und vollmundigen Ankündigungen zu halten war – nämlich nichts!
Halle A1 war verschlossen, und davor stand ein Schild mit der Botschaft: Die Ausstellung endet hier! Durchgang verboten!
Laut Katalog sollten aber dort nicht wenige Aussteller ihre Waren anpreisen? Wo waren die? Umgezogen? Gehe fragen … !
Gesagt, getan – und von einer Angestellten der Messe eine überraschende und viel sagende Auskunft bekommen: In der Halle A1 befanden sich all jene Stände, deren Betreiber schon am Freitag vor den Publikumstagen die Koffer gepackt hatten, weil sie entweder mit dem Pöbel nichts zu tun haben wollten oder aber … nun ja, jeder bilde sich seine eigene Meinung!

Das fing ja schon gut an! Eine Überraschung folgt der nächsten – Surprise, surprise!

Die erste Überraschung an dem Tag hatte ich da aber schon hinter mir. Wer sich an die Autoschlangen des vergangenen Jahres erinnert, die bis hinter Fischbach aus der Stadt hinaus standen, und wegen denen man bis zum Parkplatz P7, von dem die Pendelbusse abfuhren, locker nochmals eine Stunde Zeit einplanen musste, kam sich jetzt vor, als hätte man sich im Datum geirrt und es ist gar nicht Messe! Dieser riesengroße Sammelparkplatz war nicht nur halb leer, Autoschlangen gab es auch keine. Das setzte sich in den Bussen fort. Letztjährig rollende Sardinenbüchsen, in denen nicht mal alle mit kamen die da wollten. Diesmal gab es noch Sitzplätze!
Der Andrang konnte überraschender nicht sein, so wenig war zum Zeitpunkt der Öffnung um 10 Uhr da los. Auch an den Kassen musste niemand lange warten, da standen vielleicht 20 Leute an bei vier Kassen. Dennoch lohnte sich die Vorausbuchung online. Zum einen ging es am Einlass reibungslos, zum anderen konnte man das vorher ja nicht wirklich wissen. Wäre es so gewesen wie 2015 hätte der Ticketkauf nochmal eine Stunde Zeit gekostet!

Bezüglich der eigentlichen Ausstellung ist es natürlich völlig unmöglich, auf alles einzugehen, was das wert gewesen wäre. Ich möchte also herausgreifen, was mir besonders aufgefallen ist.

Noch vor wenigen Jahren wäre es beinahe ein Frevel gewesen, was da heute scheinbar nicht mehr der Rede wert ist – Rennräder mit Ballonreifen. Fehlt nur noch eine Federung. Modelle mit Elektromotor gibt es auch da schon lange! Wer´s braucht … Was man jetzt nur noch selten sieht sind schmale Reifen, Insidern auch bekannt als Dackelschneider. Aber allenthalben Scheibenbremsen, nicht nur an MTBs oder Crossern!

Besonders beliebt ist sowieso alles, was einen Motor hat. Dabei sind wir auf einer Fahrradmesse, und nicht im Autosalon. Es gibt aber kaum noch einen Hersteller, der keine E-Bikes im Programm hat, und auch in diesem Sektor gibt es nichts, was es nicht gibt!

Beständig und fast unverändert – das Birdy am Stand von Riese und Müller. Das beliebte Faltrad ist sein Geld wert! An anderen Ständen gab es auch noch Gelegenheit zu sportlicher Betätigung. Was ehedem eine Trainingsrolle war ist heute ein Fahrstand mit Bildschirm, auf dem die eine oder andere Tour-de-France-Etappe nachzufahren ist. Es wurde reichlich und gerne genutzt!

Allgemein konnte man wieder an der Standgröße festmachen, was ein Anbieter von sich hielt. Wer Rang und Namen hatte brauchte auch einen großen Stand, selbst wenn er dort eigentlich viel Luft ausstellte, denn Platz zwischen den ausgestellten Rädern gab es in der Regel reichlich. Was man dagegen nicht immer auf den ersten Blick herausfand war der Grund für die doch recht unterschiedlichen Preise, die für optisch fast gleich aussehende Modellvarianten aufgerufen wurden. Da ging es doch zu wie im Tollhaus, Preissprünge von 100 Euro gab es nicht. Wenn, dann stiegen die Preise in 1000 Euro-Schritten, und selbst Räder für den Normalverbraucher konnten mühelos 6-8000 Euro kosten! Was da für jene angepassten Exemplare für die echten Profis verlangt wird kann man sich da leicht denken. Es ist schwindelerregend!

Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?

Niemand kauft gerne die Katze im Sack, und aus diesem kühlen Grunde bekamen die Besucher nach Anmeldung auch reichlich Gelegenheit, Räder ihrer Begierde auf Herz und Nieren zu testen. Soweit zumindest die Ansage im Messeprospekt. 3000 Testräder sollte es geben, und Interesse gab es reichlich.

Dennoch endete der Besuch für viele mit einer Enttäuschung, denn weder waren alle namhaften Hersteller auf der Messe vertreten, noch hatten diese ihre gesamte Modellpalette zum Testen dabei! Soweit ich es gesehen habe, fehlten etliche der gerade gut gefragten Modelle. Entweder waren die gerade alle auf der 10 Km langen Teststrecke unterwegs, was schon hat sein können, oder es hat eine Vorauswahl gegeben, dass die besonders teuren Exemplare gar nicht erst im Fuhrpark gelandet waren. Bei den von mir begehrten Rädern, die ich mir hätte ansehen wollen, gab es jedenfalls auf ganzer Linie eine Pleite! Der eine Anbieter war garnicht erst gekommen, der andere hatte ein Sortiment, das so gar nicht zu seiner Modellpalette auf der Firmenwebsite passte, und der nächste hätte in Halle A1 stehen sollen – der war also vor dem Publikum geflohen!

Entgegen aller Planungen und Wünsche war ich also etwa nach zwei bis drei Stunden schon wieder fertig und völlig enttäuscht zum Ausgang hinaus. Da folgte die nächste Überraschung dieses Tages. Hatte ich doch erwartet dass der Pendelbus, der mich zum Parkplatz zurückbringen sollte, leer wäre, so trat das andere Extrem ein. Der war proppenvoll! War ich nicht der einzige, der trotz der riesengroßen Ausstellung nicht das fand, was er suchte?