Abendsportfeste

Wenn es in den Sommermonaten abends länger hell ist zieht es die Leichtathleten aus der Halle ins Freie, in die Stadien. Da Termine am Wochenende knapp sind finden Veranstaltungen auch unter der Woche abends statt, und erfreuen sich regen Zulaufs der Aktiven. So wie letzte Woche in Wiesbaden der Staffelabend, oder gestern in Pfungstadt das dritte von einem halben Dutzend Abendsportfesten, kommen Teilnehmer und Teilnehmerinnen nicht nur aus der jeweiligen Region, auch nicht nur aus Deutschland, sondern je nach dem sogar aus fernsten Ländern herbei!

So waren aus gegebenem Anlass sogar solche aus Neuseeland am Start, und wir wissen ja mehrheitlich, wo dieses Land liegt. Am anderen Ende der Welt.
Vom 100-Meter-Sprint über den Hochsprung bis zum Diskuswurf ist da so allerlei im Angebot. Leider hält sich dennoch das Zuschauerinteresse etwas in Grenzen, es kommen vor allem die Angehörigen der Teilnehmer. Das ist in anderen Sportarten auch so, und das ist schade!AF1V7656

Aber warum ist das so? An interessanten Darbietungen wird es nicht liegen. Was die Sportlerinnen und Sportler da vorführen ist aller Ehren wert! Es liegt aber vielleicht daran, dass die „Führung“ nach wie vor nicht bereit ist, ein paar alte Zöpfe mal abzuschneiden…
Wovon rede ich?
Nun ja, von alters her liefen die Sportler auf der Laufbahn, und die Zuschauer sassen auf der Tribüne. So weit, so gut. Oder auch schlecht, denn wenn man nur mit dem Opernglas verfolgen kann, was sich da zum Beispiel beim Hochsprung tut verlieren manche halt doch das Interesse. Tribünen sind weitab vom Schuss, und dieser Sport ist kein Fußballspiel, wo die Handlung das ganze Spielfeld einnimmt. Gewisse Schauveranstaltungen in Innenstädten, wo die Zuschauer ganz nah am Geschehen sein dürfen, werden quasi überrannt. Das zeigt, dass das Interesse da ist. Nur stellt oder setzt sich kaum noch wer stundenlang da hin, wenn zu erwarten ist, von der eigentlichen Handlung doch nichts mitzubekommen.

Spätestens aus Sicht eines Fotografen macht sich nämlich bemerkbar, dass die meisten Stadien nicht dafür gebaut sind, Sport zu verfolgen oder zu dokumentieren. Sitz man am einen Ende hundert Meter weit weg vom Geschehen laufen einem wenn man Pech hat am anderen Ende die Sportler auf den Füssen herum. Wenn man die Zuschauer auffordern muss, sogar am Zaun zurück zu gehen weil sie sonst unwillentlich die achte Laufbahn belegen sind Fragen bezüglich der Abmessung erlaubt. Sowas kann eigentlich gar nicht sein.
Fragen sind aber erst recht zu stellen, wenn ein Funktionär etwas erlaubt, was ein anderer bald darauf verbietet. Um Gründe geht es da nur zweitrangig, eher um „Hahnenkämpfe“. Wird einem Fotografen erlaubt, den Innenraum zu betreten, erwartet dieser, das auch zu dürfen, und nicht bald darauf zu hören, er sei im Weg.
Entweder, oder! Mit demselben Argument kann man dann nämlich auch fragen, wieso nicht gegen Sportler vorgegangen wird, die regelmäßig in erheblichem Umfang den Innenraum bevölkern, obwohl sie am laufenden Wettbewerb nicht beteiligt sind. Auch jene verstellen Zuschauern und Jury die Sicht, und das weitaus mehr als ein einzelner Fotograf, dessen Dasein ja noch der Öffentlichkeitsarbeit dient! Aus diesem Sichthindernis ergibt sich ja letztendlich erst die Notwendigkeit insbesondere für Fotografen, den Innenraum überhaupt betreten zu müssen.
Wie sich das bei Betroffenen auswirkt, die sich nicht mehr auf Ansagen verlassen können kann eigentlich klar sein: Die Wettkämpfe sind nicht mehr unbedingt dokumentierbar, und man zieht die Konsequenzen. In einer Zeit, in der Berichterstatter täglich unter mehreren Terminen wählen können, um nicht zu sagen vielen Herren gerecht werden müssen, ist es nur logisch, dass man sich die Termine auswählt, die für einen am geeignetsten sind. Seit gestern ist klar, dass das bei einem solchen Sportfest zumindest in Frage steht, zumal solche Dinge auch nicht erst seit gestern im Raum stehen.

Zurück zum Sport.
Auch wenn die Leistungen aller Athleten in allen Disziplinen beachtenswert waren war sicherlich der heimliche Höhepunkt des Abends, sozusagen das Main Event, der speziell dafür eingeschobene 800-Meter-Lauf. Der gerade mal 20jährige Marc Reuther aus Wiesbaden wollte das Ticket für Rio, und etliche eigens dafür Eingeladene wollten ihm dabei helfen. Ihr wisst schon, die Olympiade. Um sich dafür zu qualifizieren ist eine Zeit auf jenen 800 Metern von 1:46 gefordert. In Wiesbaden fehlten ihm dafür 19/100 Sekunden. Knapp, aber leider vorbei.

1:46.21 Sek - 21/100stel zu viel ...
1:46.21 Sek – 21/100stel zu viel …

In Pfungstadt hatte er eine weitere Chance, und erneut fehltem ihm Sekundenbruchteile. Diesmal 21/100stel. Das ist nicht mal ein Wimpernschlag!

Entsprechend enttäuscht reagierte der junge Mann auf die Bekanntgabe des Ergebnisses, und verliess geknickt das Areal.
Man darf ihm aber nachrufen: Du bis gerade am Anfang der Karriere, und brauchst noch Zeit, die du auch hast. Nimm sie dir, in vier Jahren bringt ein neuer Anlauf vielleicht Erfolg!

Es zeigt auch, dass es keinen Sinn macht, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Letztendlich tut einem dieser nur weh!

Den Bericht des Veranstalters und Ergebnisse zur gestrigen Veranstaltung findet ihr auf der Seite des TSV Pfungstadt Abt. Leichtathletik.
Fotos von der Veranstaltung sind in der Bildersammlung erschienen.

6 Antworten auf „Abendsportfeste“

    1. Das kann schlecht sein, da meine Bilder noch nicht alle online sind. Vermutlich sind diese Bilder vom Vereinsfotografen, bitte wenden Sie sich bei Bedarf dort hin.

  1. Schade übrigens, dass Marc Reuther die Norm so knapp verpasst hat. Und tolles Bild von ihm und den vier anderen auf der Zielgeraden. Echt klasse Foto!!!

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