Groß-Gerau läuft

Wir kennen das schon von Till Eulenspiegel … „Nachmittags war auf dem Platze vor der Kirche großes Gedränge. …“
So war denn gestern Abend auch auf dem Marktplatz der Kreisstadt ungewöhnlich viel Betrieb, und das trotz Temperaturen von etwa 35 Grad Celsius. Es war mal wieder Zeit für „Groß-Gerau läuft“, und das nun schon zum vierten Mal!

Firmenläufe entsprechen dem Zeitgeist, und so trafen sich die Läuferinnen und Läufer der Region, um mitten in der Woche an einem Donnerstag Abend fünf Kilometer durch die Stadt zu rennen. Der Zuspruch war erneut gewaltig, und man fragt sich, warum hier funktioniert, was auf Vereinsbasis irgendwie „Schnee von Gestern“ ist. Betrachtet man die Zusammenstellung mancher Teams, so fragt man sich unwillkürlich, ob gerade große Stellenbörse gewesen ist. Da liefen etliche im Trikot von Teams, bei denen man weiss, dass sie dort nicht wirklich arbeiten. Offiziell ist es ja ein Firmenlauf! Aber so ist das heute nun mal …

So wundert es auch nicht wenn sich anschließend in den Ergebnislisten wieder die altbekannten Namen vorne finden, wenn auch nicht unter der Flagge ihrer Vereine, sondern unter der von Teams, von denen man im restlichen Jahr nur selten was hört.

Das Konzept dieser offiziell als Breitensport firmierenden Idee ist einfach. Man nehme eine Anzahl Sportler, männlich wie weiblich, gerne auch bunt gemischt, und nenne es Teamwertung. Es kommt nicht so sehr darauf an, wer zuerst über die Ziellinie läuft, sondern wer aufaddiert das schnellste Team ist. Wir kennen das schon aus dem Geschichtsunterricht – getreu dem Motto von Moltkes „Getrennt marschieren, vereint schlagen“ …
Alter Wein in neuen Schläuchen? Warum nicht – die Nachfrage regelt das Angebot! Thomas Zöller ist da ja kein Unbekannter, der eben nicht nur Absperrgitter für Sportveranstaltungen vermietet, sondern eben auch solche organisiert. Sei es in Pfungstadt der Brauerei-Crosslauf, ein ebensolcher im Parkhaus von Darmstadt, oder eben hier ein Volkslauf durch die Stadtmitte – dem Tausendsassa der Branche ist noch manches zuzutrauen! Ganz nebenbei besorgt er dann auch die Fotos für die örtliche Presse.

Start war pünktlich um 19 Uhr, auch wenn dem Wochentag geschuldet manche noch bei der Arbeit waren oder den Weg von dort nicht mehr rechtzeitig schafften. Aus der Ergebnisliste ist die Zahl der TeilnehmerInnen zu ersehen: 1025! Da kann sich manch anderer eine Scheibe von abschneiden! Nach gut einer Viertelstunde war das Ding auch schon entschieden und der Sieger laut Einlauf im Ziel. Tobias Zöller heißt der Namensvetter des Veranstalters. Es folgten zwei Altbekannte: Jan Ascher und Raphael Schmitt, die eigentlich vom TV Trebur sind, heute aber für das Grafikwerk21 antraten. Gewonnen hat die Teamwertung dennoch ein Sportartikelhersteller – Polar. Man nennt sich selbst „Pioneer of wearable sports technology“. Die Teilnahme nicht nehmen ließ sich denn auch der Schirmherr des Ganzen. Auch der Bürgermeister  Stefan Sauer stand am Start und erreicht bei den Senioren M50 immerhin Platz 28. Als beste Frau folgte auf Platz 15 des Einlaufs erneut eine „alte Bekannte“: Nicole Best.

Was braucht es nach einem solchen Lauf bei Backofentemperaturen? Wasser! So standen denn auch Getränke tischweise bereit und fanden ihre Abnehmer, wenn auch „nur“ in kleinen Plastikbechern. Unbedarfte Betrachter hätten da auch zu einem neuen Motto finden können – „Groß Gerau säuft!“, denn auch der Bierausschank gegenüber hatte gut Zulauf.
Bei dem Wetter kann man es verstehen.

Bis alle im Ziel waren verging noch Zeit, und so dauerte es bis gegen halb Neun, bis man zur – noch lange nicht abschließenden – Siegerehrung kam. Was dort an Preisen verteilt wurde hatten wir doch vor wenigen Monaten schon mal, oder? Kleine Modell-Laufschuhe! Wer hat die Idee von wem kopiert? In Jügesheim gab es das zur Winterlaufserie doch auch schon mal …

Fotos vom Lauf findet ihr in der Bildersammlung,
Ergebnisse kann man hier nachlesen.